pearl
2005

01. Januar 2005


Die heissen Quellen von Wai-o-tapu


Eindrücklich waren die kochenden Schlammtümpel, Geyser und verschieden farbigen Seen, deren Farben durch besondere Elemente und Verbindungen z.b. gelb = Schwefel verursacht werden.

Dabei wurden wir Zeuge einer Eruption eines Geysers..... Für den Eintrit von 20$ wurden wir mit dem Auto auf einen entfernten Parkplatz gewiesen, wo selbst am Neujahrsmorgen bereits an die hundert Personen in einer eigens dafür gebauten Arena auf das anstehende Ereigniss warteten. Punkt 08.15 wurde mit einem chemischen Mittel, das in die Öffnung des Geysers gegeben wurde, die Eruption ausgelöst.... War das nun Dienst am Kunden, oder Vera......??


Nach einer Wanderung rund um den Lake Rotopouamu, wo wir am frühen 2. Januarmorgen noch kaum auf Mitstreiter trafen, machten wir uns auf den Weg zurück an die Ostküste.

In Tauranga logierten wir in einem Bed & Breakfest, wo die Hausbesitzer, Janette & Buddy, für neue Masstäbe sorgten...

"Das perfekte Haus", das den jeweiligen Gästen selbstlos zur freien verfügung gestellt wird....


Wir logierten dort zwei Nächte, und fühlten uns schon bald wie zu Hause.

Die Niete hatten wir uns einen Tag zuvor gezogen, mit einer Motelunterkunft auf einem Zeltplatz, wo wir uns in durchgelegenen Betten durch die Nacht quälten.

Am zweitletzten Tag querten wir die Cormandel Halbinsel. Dabei trafen wir auf einen Zigeunermarkt.

Alle Teilnehmer präsentierten ihre Ware vor schweren, zum Teil uralten Lastwagen, deren Aufbauten "ihre Wohnstätten" aus Holz gebaut, verziert und bemalt waren.

Unter den Betreibern fanden sich verschiedene Originale, die den Besucher in ihren Bann zu ziehen wussten.


Am 12. Januar lösten wir die BLUE PEARL von den Piles in der Town Marina und hielten Kurs auf den Parry Channel. In den letzten Tagen war Neumond und die Tide nahezu auf Kartennull gefallen. Dabei ist unsere Jacht, deren Kiel sich bei Niedrigwasser in den Schlamm geschoben hatte, nun wirklich aufgestanden.

Wir waren in guter Gesellschaft, denn auch die meisten vor uns liegenden Jachten standen auf Grund.



08. Januar 2005
Neuseeland / Whangarei


Nach einigen Tagen Aufenthalt im Hafen von Opua, machten wir uns auf den Weg nach Whangarei. Seit wir in Neuseeland eingetroffen sind, hatten wir vorwiegend Tiefdruckzonen aus dem Westen, deren Zentrum für diese Jahreszeit viel zu weit im Norden über Neuseeland ziehen. Damit reichen die Hochs mit dem gewünschten schönen Wetter kaum zum Nordkap von Neuseeland

Das damit verbundene Regenwetter kann uns allerdings nicht viel anhaben, da wir Outdoor-Aktivitäten auf die regenfreie Zeit verschieben.

Für die Bewohner der Insel fallen damit aber die Sommerferien sprichwörtlich ins Wasser.


Am Sonntag den 19. Dezember ankerten wir im Whangamumu Harbour, einem sicheren Naturhafen. Zu dieser Zeit lagen bereits einige Ankerplätze "Tite Bay Waipiro Bay" hinter uns. Am frühen Nachmittag hatten wir das bekannte "Hole in the Rock" gequert, das täglich von vielen Ausflugschiffen besucht und befahren wird.

Unweit davon lag am Fusse eines Berges ein Katamaran auf den Felsen. ....Von ihm wurden am Vortag sechzig Gäste abgeborgen, nachdem der Skipper über das VHF Radio "Mayday.. hard on the Rock" gemeldet hatte.

Unser nächstes Ziel, die "Akura Bay" lag nur ca. 11 Seemeilen südlich und konnte zwischen zwei durchziehenden Tiefs, ohne dabei nass zu werden, angesteuert werden. Am Abend verholten wir uns weiter in eine Bucht, in den Wangaruru Harbour. Vielerorts werden sichere Ankerbuchten "Hafen" genannt.....Wie schon oft, trafen wir auch an diesem Ort nicht auf weitere Jachten.


Am Mittwoch dem 21. Dezember lagen wir im kleinen Hafenbecken Tutukaka.

Der Wetterbericht hatte für den nächsten Morgen Sturm mit bis 35 Knoten angesagt. Das war der Grund, dass wir bereits um sieben Uhr den Anker lichteten, und uns auf den Weg nach Whangarei machten. Tatsächlich erreichten wir die Einfahrt in die grosse Bucht noch vor dem schlechten Wetter. Da die Tide auslaufend war, und bei niedrigem Wasserstand der letzte Teil unseres Weges nicht befahrbar ist, ankerten wir in der "Smugglers Bay, wo neben uns ein Fischer und eine weitere Jacht lag.

Drei Stunden später wurden wir durch die ersten Windböen aus dem Schlaf gerüttelt. Es war nun an der Zeit das letzte Stück, den "Whangarei Harbour", eine über zehn Meilen tiefe Bucht in Angriff zu nehmen.

Wir hatten nun Strom mit uns, aber der Westwind, der nach den ersten Böen nun bereits auf Sturmstärke aufgefrischt hatte, machte aus den letzten Meilen einen Trip, gegen zum Teil brechende Wellen, die sich in dieser untiefen Bucht kurz und steil vor uns auftürmten.

Nach zwei Stunden wurde die Bucht zum River...die Wasserfläche verhielt sich im Schutze der nahen Ufer nun wieder ganz manierlich.

Allerdings war nun die gut markierte Route derart untief, dass wir oft den weichen Grund unter dem Kiel spürten, wobei wir keine Möglichkeit hatten, diesen Stellen auszuweichen. Doch da die Tide noch auflaufend war konnten wir hoffen, bei einem Aufsitzer wieder aus eigener Kraft freizukommen.


In der Folge erreichten wir die Town Basin Marina mitten in Whangarei ohne Zwischenfälle.

Wir verholten uns an die uns zugeteilten Pile Berths, und waren damit für Weihnachten gerüstet.

Da am Weihnachtsabend die angesagte Party ausblieb, verliefen die Festtage für uns so gewohnt und ruhig wie auf See.

Am Mittwoch dem 30. Dezember mieteten wir uns ein Auto, so wollten wir die Liegezeit im Stadthafen von

Whangarei nutzen, um das Land und einen Teil der vier Millionen


13. Januar 2005

Great Barrier Island


Nach einer Nacht am Anker in der Urquharts Bay, erreichten wir am 13. Januar Port Fitzroy, eine grosse wettergeschützte Bucht, an der Westküste von Great Barrier Island. (Viele Orte und Buchten haben die reinsten Zungenbrecher als Namen, was ausschliesslich auf Neuseelands Urbewohner zurückzuführen ist. Die Maoris sind hier viel stärker verankert und akzeptiert, als es die Aborigene in Australien sind.)

Die nächste Nacht verbrachten wir in der Wairahi Bay. Ein Erkundungstrip an Land führte uns zum Anwesen von Steven Stellin. Aus der Kanukapflanze, die wir dort wildwachsend als Sträucher, oder kleine Bäume vorfanden, gewinnt er täglich bis 1,5 Liter Kanuka-Oel.

Die Produktionsanlage ist uralt und wirkt durch verdampfen, wobei das dadurch gewonnene Oel nach dem kondensieren auf dem Wasser schwimmend, abgeschöpft werden kann.

Nachdem er uns durch den Betrieb geführt hatte, bot er in seinem offenen Shop verschiedene Präparate, die als Allerheilmittel wirken sollen, zum Kauf an.

Die kleinen Dosen waren durch das lange Liegen, derart in Spinnennetze eingewoben, dass sie auch durch kräftiges Rubbeln an seinen dürftigen Trainerhosen, deren eine Naht auf die ganze Länge offen war, nicht sauber zu kriegen waren.


Mit einem zusätzlichen Hauch auf den Deckel einer Dose, die er zur anschliessenden Kontrolle in das Gegenlicht hielt, überspielte er die peinliche Situation galant......

Die Aussicht von dem über 200 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Hügel, von dem er die Pflanzen für die Produktion der Öle schneidet, war unvergleichlich. Rund um uns hatten wir Einsicht in viele Buchten der Insel. Ein Bild der Harmonie, das für immer in Gedanken erhalten bleiben sollte.....

Nach dem Besuch weiterer traumhafter Ankerplätze, erreichten wir am 22. Januar Auckland, wo wir uns in die Westhaven Marina verholten.

Bei dieser Gelegenheit ergänzten wir unsere Wasser - Gas und Treibstoffvorräte, und gaben bei Quantum das Grosssegel in Auftrag.



22. Januar 2005

Auckland und der American's Cup


Auckland Stadt der Segel, lesen wir im Visitercenter. Kaum woanders auf der Welt wird das Segeln mit der selben Leidenschaft betrieben wie hier in Auckland....

Mit der Hälfte der mehreren tausend Jachten, die in den verschiedenen Marinas liegen, wird aktiver Racesport in allen Klassen betrieben.

Die grosse Bucht vor Auckland bietet ein einzigartiges Eldorado für den Segelsport. Eine Arena, die für die Austragung des American's Cup wie geschaffen ist.

Der Verlust des Titels an das kleine Binnenland Schweiz muss die Bevölkerung, insbesondere die im Jachtsport Aktiven, bis ins Innerste getroffen haben.

Hier unmittelbar in der Metropole spüren wir die „freundliche“ Zurückhaltung, der roten, weissgekreuzten Flagge gegenüber.


Ab und zu ruft ein Jachtie, der unseren Kurs kreuzt „Wir holen ihn uns zurück“ oder ähnliches.

Selten ist der Kontakt so offen und unbelastet, wie wir es in Australien täglich erlebt haben.


Tatsächlich hatten wir kaum mitgekriegt, was sich da im American's Cup abgespielt hatte, und über Nacht sind unseren meist übergewichtigen schwimmenden Heimstätten auch keine Flügel gewachsen. ....Für uns bleibt alles beim alten.....

Trotz der vielen Meilen die Fahrtensegler hinter sich bringen, sind die meisten angehörigen dieser Gilde nicht weniger faul als andere Erdenbürger.

Distanzen unter zehn Meilen werden unter Motor bewältigt. Ab und zu setzt man bei günstigem Wind die Genua, die schnell wieder weggerollt ist. Wer würde sich die Mühe machen, dafür die Persenning vom Grosssegel zu nehmen, und später das Segel neu zu stauen..... Und letztendlich können unter Motor die Batterien auf Vordermann gebracht werden.

Eine Fahrtenjacht müsste bequem zu handeln sein. Die Rollgenua ist Standard.

Das durchgelattete Grossegel in einen Rollbaum gestaut, wie man es immer öfter sieht, würde den selben Komfort bringen, wie wir ihn mit der Genua schon lange geniessen.

Dazu ein hydraulischer Baumniederholer, der, wie ich an einer altgedienten Americanscupjacht hier im Hafen gesehen habe, eine Dirk überflüssig macht.

Eine zusätzliche Selbstwendefock unmittelbar hinter der Genua angeschlagen würde die Jacht unter Segel sehr viel wendiger machen...... In Zukunft würden wir unter Segel, anstelle des knatternden Diesels durchs Ankerfeld kreuzen.

Das alles ist nicht neu, doch auf die Frage nach der richtigen Wahl der Technik gibt es unzählige Antworten....



25. Januar 2005

Hauraki Gulf


Nach einigen Besuchen in der City zog es uns wieder hinaus in den Gulf, wir wollten die zwei Wochen Lieferzeit für das neue Grosssegel nicht im Hafen absitzen.

An der Westküste von Waiheke Island fanden wir in der Matiatia Bay besten Schutz gegen den zurzeit vorherschenden Südostwind.

In der Bucht befindet sich ein moderner Anleger für die stündlich verkehrenden grossen Fähren, die den zehntausend Bewohnern der Insel Anschluss an das Festland bieten, dabei aber auch einiges an Schwell, für die dort am Anker liegenden Jachten mit sich bringen.

Auf der Insel finden sich einige kleine Orte, sowie ein Supermarkt, den wir per Bus bequem erreichen konnten.


Wir verbrachten viele Stunden mit Wanderungen entlang der Küsten und Klippen, mit bester Sicht auf die umliegenden Inseln, sowie auf Auckland.

Am Donnerstag wurde eine Skulpturenausstellung eröffnet, deren Pfad uns entlang der Klippen zu über zwanzig Skulpturen von ebenso vielen Künstlern führte.

Wir sahen eine aufwändig aus Aluminium gebaute Treppe, deren Stufen nach oben verjüngt in Richtung Festland wiesen, mit Titel „Der Weg zum Festland“. Ein Stück weiter fünf rote mit Gas gefüllte Ballone. Der Künstler brauchte einen halben Nachmittag, um sie mit dem Ruderboot an langen Schnüren. im seichten Küstenwasser zu platzieren.

Im Weiteren fand sich eine Anlage, die von der Küstenbrandung via Rohre Geräusche zu grammaphonartigen Trichtern leiten sollte. „Die Stimme des Herrn“, wie sie der Künstler nennt, blieb jedoch stumm.


Es ging wohl darum, die Besucher zum horchen zu bringen...

Am Samstag setzten wir über zur Rangitoto Insel, die sich vor kaum sechshundert Jahren, mittels einer Vulkaneruption aus der Bucht gehoben hatte.

Vor dreihundert Jahren wurde der Insel durch eine weitere Eruption einen Güpf von 259 Meter Höhe beschert.

Heute ist die Insel durchwegs mit Bäumen und Sträuchern bewachsen, es ist kaum zu glauben, dass die Insel nicht älter ist.



05. Februar 2005

Unser Aufenthalt im Hauraki Gulf vor Auckland

Wir hätten nie gedacht, dass wir auf der Reise mit der BLUE PEARL derart viele Städte auf verschiedenen Kontinenten besuchen würden.

In Grossstädten wie New York und Sydney fanden wir an günstiger Ausgangslage mitten im Zentrum Liegeplätze, die als Basis für längere Aufenthalte bestens geeignet waren.

Die Erkundung der jeweiligen Städte, basiert speziell in den ersten Tagen unseres Aufenthaltes auf Botengängen. Vorräte müssen ergänzt, Reparaturwerkstätte für defekte Ausrüstung ausfindig gemacht und aufgesucht werden. So sind wir dann täglich viele Stunden zu Fuss, Bus und U-Bahn, oder Tram unterwegs.

Hier in Auckland blieb uns genügend Zeit, um den grossen Hauraki Gulf und die Stadt zu erkunden.


Nachdem wir Great Barrier und Waiheke Island, sowie einige weitere Inseln besucht hatten, fanden wir mit der Halfmoon Bay in der Mündung des Tamaki Rivers eine weitere Möglichkeit die BLUE PEARL zu ankern, um weitere Teile der Stadt zu erkunden.

Am 3. Februar wurden wir dann allerdings durch den vom starken Nordwind erzeugten Schwell derart gebeutelt, dass wir es vorzogen, die BLUE PEARL in die im Westen der Harbour Bridge liegende Little Shoal Bay zu verholen.

Dort erhofften wir uns von der Landzunge, auf der die Anfahrt zur Brücke verläuft, besseren Schutz gegen den zunehmenden Nordostwind.


Da der starke Tidenstrom aber die Jacht oft quer zum Wind stellte, bot sich uns auch in dieser Bucht kein ruhiges liegen. (Hier in Auckland verzeichnen wir einen Tidenhub von zum Teil über drei Meter.) Es sind riesige Wassermengen, die sich da im Rhythmus von sechs Stunden Bucht ein - oder auswärts bewegen. Wir hatten es versäumt, bei guten Verhältnissen, einen entsprechend geschützten Platz aufzusuchen.

So erkundeten wir den Stadtteil Northcote, jedoch immer mit einem Auge auf die Jacht, da wir trotz genügend vorgelegter Kette nicht ganz sicher waren, dass der Anker im weichen Mud uneingeschränkt hält.

So fügen sich die von uns erkundeten Gebiete, wie Teile eines Mosaiks zusammen, und das was anfänglich für uns unbekannt und oft abweisend wirkt, bietet unserem Schiff dann Schutz und uns das Gefühl zu Hause zu sein.


Wir verwenden gegenseitig oft das Wort "zuhause", und können uns darunter zurzeit kaum etwas anderes vorstellen, als die Geborgenheit der BLUE PEARL.

Oft aber überkommt mich (in der Regel immer zuerst) das Gefühl, nun genug gesehen zu haben...... Uns ist bewusst, dass die verborgenen Schätze vieler Orte geradezu unerschöpflich sind. Da uns jedoch nichts an einem bestimmten Ort hält, und wir keine langfristigen Pläne hegen, fällt es uns leicht, dem Fernweh nachzugeben. Wir beeilen uns dann, die Pendenzen aufzuarbeiten, oder diese auf später zu verschieben, um mit der nächsten für unser Vorhaben geeigneten Wetterlage abzulegen.


06. Februar 2005

Die Zeit in einer anderen Dimension


Für Fahrtensegler bekommt die Zeit ein neue Dimension... Es sind nicht mehr die Stunden und Tage, die unsere Zeitrechnung bestimmen, nein, heute sind es die Monatskarten, aus denen die Zyklone, oder Hurrikansaisons in den vor uns liegenden Gebieten bestimmt werden können.

Auf jeder Route zeigt sich nach dem Studium dieser Karten, der logische Zeitablauf.....

Verzögerungen haben oft zur Folge, dass die Weiterreise in die gewünschte Richtung um eine ganze Saison (ein Jahr) verschoben werden muss. Andernfalls müsste das Vorhaben neu definiert und den Verhältnissen angepasst werden.

Dabei zeigt sich, dass unsere Route in Nordpazifik ab Anfang September vermehrt von schweren Stürmen heimgesucht wird. Laut der Monatskarten sollen im August einen bis zwei, und im September durchschnittlich deren vier bis sechs Stürme mit mehr als Windstärke 8 aufkommen. Grundsätzlich aber können sich im Nordwestpazifik das ganze Jahr Zyklone bilden.



07. Februar 2005

Die Route Nordwärts


Von Anfang März bis Ende August bleiben uns sechs Monate, "viel zu wenig" um die sehr interessante Route, von 30`000 Kilometer, oder 16`600 Meilen quer durch die Südsee zu befahren. Aber auch hier bleibt uns nur die Wahl zwischen einem halben, und anderthalb Jahren.

Um diese sechs Monate Zeit (anstelle von vier Monaten) für die nächste grosse Etappe zu gewinnen, haben wir uns dazu entschieden, die Reise von dem auf der Südinsel liegenden Ort Christchurch, in Richtung Osten zu starten.

Auf ca. 45° Süd werden wir bis 150° West ** segeln, und dann Kurs Nord nach Tahiti anlegen. Weiter geht es dann zum Aequator.


Damit segeln wir ca. 2`700 Meilen in den Roaring Forties, umsegeln aber Zyklone gefährdete Gebiete. Ende April werden wir die Distanz von etwa zehntausend Kilometer oder 5`500 Seemeilen, und somit genau einen Drittel der Gesamtdistanz hinter uns gebracht haben.

Erst um diese Zeit "könnten" wir von Neuseeland in Richtung Norden starten.

Mit der Änderung unserer Route wird die Distanz länger, es bleibt uns aber beträchtlich mehr Zeit unterwegs, speziell im Bereich des Aequators.

Mit den nördlichen Cook Inseln, der Phönix Inselgruppe, den Marshall Inseln, den Caroline und den Mariana Inseln, gibt es duzende von Riffs - Atolls und Lagunen, deren Besuch sich lohnt.

Bei den Stützpunkten Truk und Guam sollen viele Wracks aus dem zweiten Weltkrieg liegen.


** Bis Kap Hoorn, und einer kompletten Weltumseglung in diesen Breiten, "fehlen" uns ab dieser Position nur noch 3`000 Seemeilen.....



14. Februar 2005

Tauranga


Am Montag dem 7. Februar verholten wir uns in die Westhaven Marina, wo wir am Mittwoch das neu angefertigte Grosssegel übernahmen.

Beim Versuch das Unterwasserschiff zu reinigen, erkannten wir, dass das Antifouling nach nur einem halben Jahr, in derart desolatem Zustand ist, dass dieses noch vor unserem Aufbruch in den Norden, erneuert werden muss.

Tauranga schien uns der geeignete Platz, da die Auswasserungskosten und die Standzeit an Land, im Vergleich günstig sind.


Unterwegs in einer Front mit dreissig Knoten Wind, zeigte unser Autopilot nach vielen Tausend beschwerdelosen Meilen seine ersten Macken.

Es gilt nun, die Ursache zu finden, um den Schaden noch vor unserer Weiterreise zu beheben.

In Tauranga trafen wir wiederholt auf unsere Freunde Helene und Bruno mit der HELENA ZWO. Seit wir uns letztes Jahr in Coffs Harbour kennengelernt haben, hatten sich unser Wege bereits schon in Opua gekreuzt.

Auf Ende Woche ist das Auswassern vereinbart. Sobald das Schiff wieder eingewassert ist, und wir die bestellten Seekarten an Bord haben, werden wir in Tagesetappen in Richtung Süden segeln.


Nach dem Besuch von Wellington und den Marlborough Sounds im Norden der Südinsel, werden wir uns bei geeigneter Wetterlage, in Richtung Osten auf den Weg machen, womit unsere nächste Teiletappe nach Vancouver beginnt.



02. März 2005

Unser Ziel Neuseeland's Südinsel


Am zweiten März war es soweit... Die BLUE PEARL war, mit dem nun wieder makellosen Unterwasseranstrich in der Lage, ihre besten Werte in Speed umzusetzen.


Um 18 Uhr, eine Stunde vor Tidenbruch legten wir ab, um noch mit auslaufendem Strom das offene Wasser der Bay of Plenty zu erreichen. Mit achterlichem Wind und ausgebaumter Fock nahmen wir Kurs Ost. Hinter uns verlor sich die Silouette des Mt. Maunganui in der zunehmenden Dämmerung. An seiner Stelle reflektierte das Licht der Stadt im leichten Dunst, der über dem Land lag.


Einige Meilen vor uns lag Motiti Island. Etliche Untiefen und Felsen, die dort einige Meter aus dem Wasser ragen, verlangten eine aufmerksame Navigation. Mit Beginn der ersten Wache, hatten wir auch diese Hindernisse hinter uns. Die zu erwartende ruhige Nacht wurde jedoch mit zunehmendem Wind und Speed von acht bis neun Knoten zum sportlichen Ereignis.


Am Donnerstagmorgen um neun Uhr, erreichte der Wind mit dem queren von Cape Runaway mit bis 45 Knoten seine höchsten Werte. Unser Bordcomputer verzeichnete einen Topspeed von 12,6 Knoten. Zur selben Zeit prognoszierte Maritime Radio für den betreffenden Küstenabschnitt per VHF 20 Knoten.


Nach drei Stunden Dauer, war auch dieser Spuck vorbei. Im Lee des Kaps erfreuten wir uns wieder bester Verhältnisse. Ich hatte inzwischen die Schleppangel mit dem selbstgebauten Köder ausgebracht.

Dem aus Spinnakerstoff angefertigten undefinierbaren Ding, hatte ich aus der Dose einseitig etwas Pink verpasst. Damit war ich auf Anhieb unerwartet erfolgreich. Als ich schon nach verhältnissmässig kurzer Zeit einen Tuna von etwa drei Kilo einholte, meldete Anita "Wasser in der Bilge"


04. März 2005
Zurück zum Ausgangshafen


Das Wasser kam aus dem Ruderschaft - Skegbereich, da wir die genaue Ursache bei den nun wieder mässigen Bedingungen nicht mit Sicherheit ermitteln konnten, entschlossen wir uns umzukehren.


Mit "neuem" Gegenkurs war es an der Zeit, den Tuna, der geduldig im Kielwasser gewartet hatte, an Deck zu holen, um ihn seiner Bestimmung zuzuführen. Am Freitagabend, knapp zwei Tage nach unserem Ablegen, lagen wir wieder am selben Steg und warteten, dass die BLUE PEARL ein weiteres Mal aus dem Wasser gehoben werden konnte.


Wir hatten einige Tage zuvor Paul Sharratt, den Besitzer der AMF Werft kennengelernt. Paul baut seit zwanzig Jahren Aluminium – Motor- und Segeljachten. In seinem neugebauten Betrieb in Tauranga baut er Boote vom Feinsten.... Er selbst sieht sich als den weltweit besten Aluminiumbootbauer....aus der Perspektive des Inhabers müssen wir ihn bestätigen, es ist nichts auszumachen, was noch zusätzlich unternommen werden könnte, um seinen Betrieb zu perfektionieren.

Seine hochqualifizierte Crew ist äusserst freundlich und das Betriebsklima weckt auf Anhieb das Verlangen, an der Arbeit teilzunehmen.

Entsprechend sind die hier produzierten Boote.. Die BLACK PEARL, ein ca. sechs Meter Motorboot, das Paul speziell für die Boat Show in Auckland entwerfen liess und gebaut hat, scheint bis in die tiefsten Gründe makellos zu sein.

Paul hatte uns auf der BLUE PEARL besucht, und nun lag es an uns seine Dienste in Anspruch zu nehmen.

Überrascht, uns schon wieder zu sehen, traf er schon nach kurzer Zeit bei der BLUE PEARL ein. Wir analisierten das Problem und obschon anzunehmen war, dass das meiste Wasser aufgrund der undichten Ruderschaftdichtung eingedrungen war, entschlossen wir uns, das Ruder auszubauen, um weitere Abklärungen zu treffen.

Wir hatten schon beim Auswassern in Bundaberg (Australien) erkannt, dass der Skeg - Ruderschaftbereich der BLUE PEARL unterdimensioniert ist, und hatten diesen damals mit zusätzlich eingeschweissten Streben verstärken lassen.

Trotz der Auslastung des Hartstandes für die ganze Woche, hob uns Bruce bereits am Montagabend mit dem Travellift auf das Terrain der Bridge Marina. Noch am selben Abend bauten wir das Ruder aus und räumten den achterlichen Stauraum für die anstehenden Arbeiten.


Wie ein Arzt analisierte Paul am nächsten Morgen den Skeg. Die durch kräftige Schläge verursachten Vibrationen gaben ihm genausten Aufschluss, wo sich versteckte Bruchstellen befanden, und wie der Skeg und Ruderschaft verstärkt werden musste.

In der Folge bestätigte sich seine Analyse. Durch die enorme Hitze der Schweißungen öffnete sich zwischen Skeg und Schaft ein Riss, der zuvor nicht auszumachen war.



09. März 2005

Am 9. März waren die Reparaturen abgeschlossen


Am Mittwochabend waren die Reparaturen abgeschlossen. Der Ruderschaft war inwendig mit neuen Streben versehen, die Risse zugeschweisst und der ganze Schaftbereich mit einer acht mm starken Manschette zur besseren Verteilung der Lasten verstärkt.

Damit sollte dieses Problem für alle Zeiten aus der Pendenzenliste gestrichen werden können.Wieder am Steg ergänzten wir die letzten langfristigen Vorräte, und vereinbarten mit den Zollbeamten die Ausklarierung auf Freitagnachmittag. Wir hatten nun alle vorgesehenen weiteren Anlauforte in Neuseeland gestrichen, und uns vorgenommen als nächstes Ziel Chatham Islands anzulaufen.


Am Freitag stellten wir fest, dass die langfristige Prognose Südost sein wird, genau die Richtung, in der unser Ziel liegt.


Also, strichen wir den Termin mit den Behörden bis auf Weiteres. Unsere Aufenthaltsbewilligung wird am Sonntag, dem 13. März ablaufen. Aufgrund der speziellen Situation aber wird unser Aufenthalt hier in Neuseeland bis günstige Winde uns das Auslaufen erlauben, geduldet sein.


......Unser nächstes Ziel war nun die Bootsmesse in Auckland.......


12. März 2005

Boat Show in Auckland


Bald waren wir mit dem gemieteten Wagen auf dem Weg.

Wir hatten Plaketten mit, die uns mit fremden Namen als Mitarbeiter der Firma AMF auswiesen. Als wir mit schlechtem Gewissen neben den anstehenden Besucherscharen den Seiteneingang benutzten, wurden wir von dem Sicherheitsbeamten angewiesen, unsere Erkennungsmarken sichtbar zu tragen. Ohne diese zu sehen, war er davon ausgegangen, dass wir im Besitz solcher Dinger sind......


Das absolute Highlight war die ausserhalb der Messe, im Hafen liegende SPIRIT OF ATVENTURE eine 65 Fuss Segeljacht. Diese wurde auf der Basis von Open 60s mit seitlich schwenkbarem Kiel, und allem drum und dran vor kurzem hier in Auckland gebaut.

In den letzten Monaten wurde die vom renommierten Jachtdesigner Owen Clarke gezeichnete Jacht durch die Fachpresse wiederholt vorgestellt und kommentiert


Schon nach kurzem Dialog wurden wir von Allen einem Mann von Martensyacht, der just im Begriff war sich in einen Tauchanzug zu zwängen, aufgefordert, uns die 19.5 Meter lange, und einige Millionen teuere Jacht von innen anzusehen.


Wie die F1 im Autorennsport zählen die Open 60s zur Königsklasse im Jachtrennsport. Mit der „Owen Clarke 65“ einem „Cruising offshore roader“, hat der Designer neue Grenzen gesetzt.


Ein Ferrari zu Wasser, dessen schnelle Rumpfform „übernommen aus der Königsklasse“, gepaart mit dem Komfort von Luxusjachten, es dem Eigner ermöglichen, allein mit über zehn Knoten Grundspeed an jeden beliebigen Ort zu segeln.


Weder eine Familienkutsche, noch ein Gerät für jedermann...... Und eben diese Einmaligkeit, das noch nicht Dagewesene, gibt dieser Jacht das exotische Flair, eine Spannung, die sich nicht so schnell verflüchtigt... sie zieht den Betrachter in ihren Bann.


Was unser Eindruck unter Deck betraf, lässt sich am besten mit dem Text eines Yachting World Artikels beschreiben .


Eindrucksvoll unter Deck.... Während auf Racern wegen des Mehrgewichtes oft auf Komfort verzichtet wird, ist die SPIRIT OF ATVENTURE nicht nur das ‚racy' aussehende Spielzeug. Sie wurde designed zum Segeln langer Distanzen, um entfernte Ziele zu erreichen, das zeigt sich auch unter Deck.

Bevor du den ersten Schritt durch den ovalen, als wasserdichtes Schott gearbeiteten Niedergang machst, lenkt der auffällige Mix von blauem Trimm, gelben Polstern, und hellem Holz die Aufmerksamkeit auf sich.


Treffend umschrieben mit Mc Donalds trifft IKEA. Mit diesem Look wird klar.... dies ist kein traditioneller Cruiser.....


Unsere Aufmerksamkeit galt mehr den technischen Details.... Im Laufe der aufkommenden Diskussion erhielten wir in kurzer Zeit, viele für uns wertvolle Informationen. Da Martenyacht ausschliesslich hochstehende Karbonjachten baut, empfahl uns Allen, das Deck unserer nächsten Jacht in Karbon oder Polyester Composit zu bauen. (Einige Stunden später sahen wir in einer Filmvorführung und einer Demonstration an einem Modell, wie Bootsrümpfe und Decks im Composit- Vakuumverfahren in der Praxis erstellt werden.)


Wir muten uns den Bau eines Negativs für das Deck unserer nächsten Jacht zu.... zudem waren wir von dem Vakuumverfahren derart begeistert, dass wir nun in Betracht ziehen, das Deck unserer nächsten Aluminiumjacht in dieser Ausführung selbst zu bauen.


Damit kann einiges an Mehrgewicht, das aufgrund der gewünschten, sehr starken Rumpfkonstruktion unvermeidlich ist, kompensiert werden. Im Weiteren vernehmen wir, dass die Jacht trotz extremer achterlicher Breite, auf am Wind Kursen gute Eigenschaften aufweist.


Aufgrund des für Cruiser einmaligen seitlich schwenkbaren Kiels, bleibt die Krängung in Grenzen, was sich günstig auf das Verhalten der Jacht auswirkt. Mit einem achthundert Liter-Tank im Heck, wird die Jacht auf Vorwindkurs getrimmt.

Damit steht ausser Frage, dass das bevorzugte Revier für die SPIRIT OF ATVENTURE die Roaring Forties sind. Mit einem solchen Gerät in den Wellen dieser Region zu surfen, dürfte den Adrenalinspiegel eines jeden Seglers in unermessliche Höhen treiben....................


Voll von neuen Ideen fuhren wir heimwärts .....Richtung Süden, wo die BLUE PEARL geduldig am Steg der Bridge Marina schwojend, auf uns wartete. Wo sie auch noch die nächsten Tage lag, da sich ein über Neuseeland liegendes stationäres Hoch statt zu verschieben, geplagt von seitlichen Tiefs, sich um die eigene Achse drehte.


16. März 2005

Mit Edi in die Luft


Am 16. März fragte uns Edi, ein Schweizer Segler, der zusammen mit seiner Partnerin Almuth die letzten Jahre hier in Neuseeland mit Segelfliegen ein neues Hobby gefunden hatte, wiederholt, ob wir mit ihm fliegen wollten.


Da die letzten Tage mit Warten dahinflossen, fanden wir, es sei nun an der Zeit, mit Edi in die Luft zu gehen..... Es war ein tolles Erlebnis. Komischerweise fand ich den ganzen Flug so selbstverständlich, als ob ich jeden Tag in einer solchen Kiste liegen würde. Tauranga aus der Vogelperspektive zu sehen, war unser letztes Abenteuer in Neuseeland.


Am nächsten Tag war es dann soweit. Ein aus Norden kommendes Tief war entgegen jeder Norm in Richtung Südwesten bis an die Ostküste Neuseelands vorgedrungen. Der Besitzer der Tankstelle erzählte Anita, dass das Tief im Verhalten gewisse Merkmale eines Zyklon aufweise. Ich hatte gehört, dass das Tief die restliche Energie eines auslaufenden Zyklons sein soll.


Das alles können wir nicht bestätigen, da wir das Wetter, und somit den Verlauf dieses Tiefs im Norden nicht beobachtet hatten. Jetzt galt es, diese kurze Chance zu nutzen, so dass wir dann, wenn sich das Tief laut Prognose wieder vom Land absetzt, und der Südost erneut überhand nimmt, wir uns schon im Rücken dieser Wetterlage befinden.


Dennoch löste dieser übereilte Aufbruch einige Diskussionen aus. Da diese Wetterlage vier Meter hohen Schwell mit an die Küste gebracht hatte, brauchte Anita noch etwas Anklimatisierung, um sich auf die uns erwartenden Verhältnisse einstimmen zu können.


Bevor der Vormittag vorbei war, hatten wir uns mit Frischprodukten versorgt, den Zollbeamten die Zeit unseres Aufbruchs bekannt gegeben, und uns von unseren Freunden im Hafen verabschiedet. Als wir dann vom Steg ablegten, dröhnte ein Horn aus dem Fenster des Hafenbüros, von wo wir winkend verabschiedet wurden.

Wir hatten uns an der gegenüberliegenden BP Tankstelle erkundigt, ob wir nach dem Ausklarieren zollfrei Diesel tanken können. Das Angebot war um einen Drittel günstiger als in der Marina, was bei der Menge die wir bunkern wollten, ins Geld ging.

Die Zöllner hatten ihre Mühe damit, weil sie uns die Ausklarierungspapiere in einem versiegelten Kuvert überreichten. Wir sollten dieses auf Chatham Island der zuständigen Person überreichen.


Da wir nun über keine Ausklarierungspapiere verfügten, sollten wir das Original der Einklarierung an der Tankstelle abgeben, und sie wollten es dort abholen. Als wir nach über einer halben Stunde Wartezeit dort anlegten, warteten die zwei schon ungeduldig darauf, dass sie ihre Formalitäten beenden konnten. Da eine nach Chatham Island auslaufende Segeljacht für die Behörden in Tauranga neu war, hatten sie sich auf dieses Ausklarierungsprozedere festgelegt und es bis zum Ende durchgestanden.


Beim Verlassen des riesigen Naturhafens von Tauranga, in die grosse, nach Nordost offene Bay of Plenty, schlug der Schwell schäumend gegen die Küste, und wurde als feiner Wasserstaub vom Wind davongetragen. Im Lee des Mount Maunganui waren wir jedoch bestens geschützt gegen die anschwellenden Massen.


In tieferem Wasser zeigte es sich, dass die Dünung derart lang war, dass sie unsere Jacht nicht aus der Ruhe bringen konnte. Im Gegensatz zu unserem ersten Versuch, wo wir mit 9 Beaufort einen nicht angesagten Sturm abzuwettern hatten, fehlte es uns an genügend starkem Wind, so dass die Schiffsbewegungen die Segel zum Killen brachten



21. März 2005

Auf Südostkurs unterwegs zu den Chathams


Nach einigen Stunden Fahrt unter Motor, setzte mit dem Einbruch der Nacht Südwind ein, der uns unter Segel flott in Richtung Ost Cape brachte. Am Freitag waren die Verhältnisse unbeständig, mit dem Erreichen des Ost Capes aber setzte sich Südwestwind in Sturmstärke durch.

Das Tief, in oder auf dessen Rücken wir die Chathams erreichen wollten, hatte sich mit der Annäherung an das Festland komprimiert, so dass sich entlang der Küste eine Front mit vierzig Knoten Windstärke bildete, die wir zu Queren hatten.

Mit zunehmendem Abstand zum Cape, setzte der Sturm seine Wellen auf die zuvor schon bestandene hohe Dünung, was wiederum ausmachte, dass wir beide die Nacht schlaflos hinter uns brachten.

Am Samstag Morgen war es ausgestanden. Die weitere Reise verlief planmässig. Der Tuna, der unsere Speisekarte in diesen Tagen dominierte, hatte sich schon am ersten Tag mit uns angelegt. Gegen das Ende des Trips lockerte sich in der Nacht sogar ab und zu die Bewölkung auf, so dass wir den südlichen Sternenhimmel bewundern konnten. Hier begleitet uns das Kreuz des Südens, aber auch der Orion lässt sich leicht ausmachen.

Am zweiten Tag war eine Inspektion des Motorraums fällig....Anita hatte in der Bilge Wasser ausgemacht. Es bestätigte sich, dass das Heck im Bereich des Skegs wie erwartet keine Probleme mehr aufwies und trocken war. Mit den Reparaturarbeiten wurde die richtige Firma betraut, was zu einem sauberen und dauerhaften Ergebnis geführt hatte.


Die Schraubenwellendichtung aber, die ich in Kapstadt vor Jahresfrist mit einer Wartungsfreien Dichtung von VETUS ersetzt hatte, machte Wasser. Dem konnte mit einem speziellen Fett abgeholfen werden, das über eine Schraubenöffnung in die Dichtung eingefüllt wird.

Nun war es sichtlich an der Zeit, diesen Vorgang zu wiederholen.


Die Dichtung sollte zu einem Drittel mit dem geleeartigen Fett gefüllt werden.... Da das Ergebnis der Arbeit nicht sichtbar ist, bleibt das ganze weiterhin Glückssache....


Erfreulicherweise konnte das Leck damit ohne Einschränkung trockengelegt werden. Die Wasserpumpe, der ich in Auckland neue Dichtungen eingesetzt hatte, leckte bereits wieder, was aufgrund des vom Frostschutz grün gefärbten Wassers in der Motorenbilge, dessen Herkunft "aus unserem geschlossenen Kühlsystem", leicht auszumachen war.


Wir hatten diese Dichtung bereits wiederholt ersetzt, und damit jeweils für einige hundert Motorenstunden Erfolg gehabt. Hatte ich die Dichtung beim Einbau verletzt??

Die Zerlegung der Pumpe wird es an den Tag bringen.


Mit diesem Aufenthalt in den Gründen der BLUE PEARL zeigte die See zum ersten Mal Wirkung auf meinen gesunden Appetit... Selbst die gebratenen Tunfischfilets konnten mich weder an diesem, noch am nächsten Tag an die Krippe bringen. Eine Suppe war den Verhältnissen angepasst.... Sollte sich mein Gewicht auf dieser Fahrt reduziert haben, ist das ausschliesslich meiner tugendhafte Zurückhaltung zuzuschreiben.


Die gebratenen Filets assen wir später in Stücke zerkleinert, „zu Reis“ an einer Tomatensauce mit Zwiebeln und Knoblauch, gewürzt mit Oregano & Basilikum, sowie verschiedenen weiteren Gewürzen. Das ganze von südafrikanischer Herkunft, mit italienischem Einschlag.


24. März 2005

Kurs Tahiti


Dank der Windkarten von Sailmail deren sehr zuverlässige Vorhersage bis 72 Stunden reicht, konnte unsere Weiterreise dennoch auf einer soliden Basis geplant werden. Am Donnerstag, dem 24. März erlaubte uns die auf die nächsten Tage absehbare Konstellation den Start in Richtung Osten. Die ersten zwei Tage verliefen angenehm, und es war abzusehen, dass sich bald die Routine und Ruhe einsetzen würde, wie wir es uns auf langen Trips gewohnt sind.


Doch schon am Sonntag war es mit der Ruhe vorbei; als wir am Lineardrive einen unreparierbaren Lagerschaden feststellen mussten. Da dieses Stück auf der BLUE PEARL nicht als Ersatzteil vorhanden ist, war nun Steuern von Hand angesagt.


Die ersten zwei Stunden lebten wir mit der Hoffnung, das Ding irgendwie notdürftig reparieren zu können. Nach dem Ausbau der Antriebseinheit, und dessen Zerlegung, zeigte sich, dass dem Schaden mit Bordmitteln nicht beizukommen war. Wir befanden uns derzeit auf 42°40 Süd und 167°30 Ost.


Neuseeland lag 1000 sm im Lee. Dorthin zurückzusegeln, bedeutete gegen den Wind anzukämpfen, der uns derzeit ostwärts trieb. Und das Ergebnis wäre, nach einer unbestimmt langen und harten Zeit, in Neuseeland wieder von Null zu beginnen. Vor uns lag Tahiti 2000 sm in Front. Wir entschieden, uns vorwärts zu orientieren.

Als erstes setzten wir nun den Kurs direkt auf Nordost, um schnell aus den zum Teil harten Verhältnissen der südlichen Breiten zu kommen. Weiter im Norden mussten wir mit weniger stabilen Winden rechnen, erwarteten aber, dass die Ausläufer der Fronten uns dort weniger hart treffen würden.


Das Land der Albatrosse...... Wäre der Titel, den ich diesen Breiten geben würde.


Der ewige Horizont, der ständige Begleiter auf unseren Reisen, der den für uns sichtbaren Radius begrenzt, in dessen Sichtweite sich jedoch so viele, sich ständig wechselnde Ereignisse beobachten lassen, dass nie auch nur der Gedanke an Langeweile aufkommt.


Des nachts sind es die Sternengebilde, die hier im Süden von der Konstellation des Orions, dem Kreuz des Südens, dem Skorpion, und vielen anderen mehr, dominiert werden.


Daneben die Millionen weisser Punkte, die sich im Bereich der Milchstrasse zu einem weissen Schleier verdichten. Am Tag die Wolkendecke, die in südlichen Breiten vorherrscht, und wirklich sonnige Tage zur Seltenheit werden lassen.


Die Sonnenuntergänge, deren Strahlen die ganzen Wolkengebilde von unten beleuchten, ein Schauspiel, dessen Farbe vom glühenden Gelbrot zum graugefärbten Pink wechselt. Die Sonne, deren glühende Masse am Horizont zu zerfliessen scheint......


Die See, die sich uns in Tausend Nuancen und Farben zeigt....

Und immer die Albatrosse....

Sie sind unsere treuen Begleiter hier im Süden. Ein Schauspiel dessen unübertreffliche Perfektion und Eleganz kaum zu beschreiben ist. Alle Albatrosse, deren Art und Grösse verschieden ist, haben die perfekte Flug -und Gleittechnik gemein.


In ihrer Flugposition bildet ihr Körper der höchste Punkt.. Ihre langen schmalen Flügel bilden nach unten einen Bogen.. Mit den Flügelspitzen berühren sie zum Teil die Wasseroberfläche.. Harmonisch passt sich ihr Flug der bewegten Wasseroberfläche an. Ohne einen Flügelschlag gleiten sie in ständigem Kontakt zu dem Wasser durch Wellentäler und über deren Kämme. Ein Spiel, das den Beobachter ständig von neuem fasziniert. Ab und zu ziehen sie ihre Bahn wiederholt nahe an dem Cockpit der BLUE PEARL vorbei. Es scheint unser Interesse an diesen Gleitern beruht auf Gegenseitigkeit.


Oft setzen sie sich vor dem Schiff ins Wasser, um uns beim Vorbeitreiben in Ruhe betrachten zu können. Die Albatrosse inspirieren uns, so wie sie sich mit dem Horizont verschmelzen, halten sich unsere Gedanken an keine Grenzen, ist auf der BLUE PEARL alles in Ordnung, ist es die Zeit, wo wir mit ihnen auf Reisen gehen.....


Doch in den letzten Tagen hatte sich unser Leben an Bord grundlegend geändert. Unsere Tage waren aufgeteilt in 12 Stunden Rudergehen, und 12 Stunden Freiwache, die wir zum grossen Teil zu unserer Erholung brauchten.


Die Downwindkurse brauchten unsere ganze Aufmerksamkeit beim Steuern. In der Nacht wurden die Augen zum Teil vom Licht der elektronischen Geräte, nach denen wir steuern, derart überfordert, dass sich während der drei Stunden Wache, die Zahlen zum unkenntlichen Mix auflösten, und das Rudergehen zum Chaos wurde.


Nach der Freiwache aus dem tiefen Schlaf gerissen, brauchte es einige Zeit, um wirklich wach zu werden... Hatte der Wind gewechselt, waren die während der letzten Wache gebrauchten Daten nicht mehr gültig. Oft waren diese dann aber noch wie unauslöschlich, und entsprechend irreführend präsent. Knallte dann der Wind von Back in das durch die Bullentalie gesicherte Grosssegel, kam das Erwachen mit einem Schlag.


So schlugen wir uns durch die Zeit. Anita war von dem ständigen Effort zusehends gezeichnet, und als sie verlauten liess, dieser Trip mache sie um zehn Jahre älter, fehlte nicht viel, und ich hätte ihr trotz der Übertreibung geglaubt..


Auch mein Gesicht im Spiegel betrachtet, gefiel mir nicht.


Ab und zu verpasste ich mir eine Rasur, um mich wieder wie ein Mensch zu fühlen. In dieser Zeit querten uns zwei Tiefs in Sturmstärke, die uns neben der Faszination die dessen Seen auf uns ausüben, doch recht happig gefordert hatten.


Die Bugkoje füllte sich zusehends mit ungewaschenen Kleidern, und unsere gemeinsame Koje, in die wir täglich duzende Male, mehr oder weniger ausgezogen schlüpften schmeckte auch nicht mehr nach grünen Äpfeln. Als wir dann einige Tage vor der Ankunft in Tahiti über Nacht in die warmen, und einen Tag später „heissen“ Tropen vorstiessen, wendeten sich diese Verhältnisse nicht zum Bessern.


Wir hatten zusehends Mühe, in der für uns ungewohnten Hitze, Schlaf zu finden, was zu einem Zustand dauernder Erschöpfung führte, und uns das Leben, trotz des zunehmend schönen Wetters zur Tortour werden liess.


Unter Deck waren die Verhältnisse besonders prekär, da es der immer noch hohe Seegang nicht zuliess, dass wir Lucken öffnen konnten. Wir machten uns daran, unsere Doradenlüfter, die wir im Süden wasserdicht verschlossen hatten, zu öffnen, und deren Hutzen aufzusetzen, was kaum spürbare Erleichterung brachte.


In dieser Zeit gelang es uns, per SSB Funkkontakt mit der MEWA „Miriam und Herbert“ aufzunehmen, die sich auf der Barfussroute, unterwegs zu den Markuesas befanden. Auch NYALI „Ruth und Rene“ auf dem Weg nach Mexiko, konnten wir zu unserer Überraschung in bester Qualität empfangen.


Diese Kontakte mit unseren Freunden, die uns bereits im hohen Norden Grönlands, und in der Antarktis begleitet hatten, gaben uns Auftrieb. Die eine oder andere Dusche im Heck der BLUE PEARL verhalf im Weiteren dazu, dass wir uns mit der Ankunft in Tahiti wieder wie Menschen fühlten, und das Lachen in unsere Gesichter zurückgekehrt war.


Wir hatten nun zweitausend handgesteuerte Seemeilen in genau zwei Wochen hinter uns. Davon hatten wir in einer Nacht mit wenig Wind, ein paar Stunden unter Kutter, bei festgezurrtem Steuer, in Richtung Norden driftend geschlafen.


Ein weiteres Mal konnten wir mit einem Kurs am Wind das Steuer mittels Gummistruppen festzurren, so dass wir einen Tag nicht selbst zu steuern brauchten. Durch die Flexiblität der Gummis konnte das sich bewegende Ruder auch die damals hohen Wellen aussteuern, und die BLUE PEARL auf Kurs halten.


Im Weiteren hatten wir die Datumsgrenze übersegelt. Wir hatten es gewusst, waren aber überrascht, dass wir in Tahiti nebst der Stunde Zeitverschiebung, unsere Uhren um einen Tag zurückstellen mussten.


Das erinnert stark an die Geschichte von „In 80 Tagen um die Welt“, wo der betreffende seine Wette bereits verloren glaubte, und sich dann doch als Sieger im Klub einfand.



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Great Barrier Island

Reparaturen abgeschlossen

Auf Südostkurs zu den Chathams

Tauranga

Whangarei

(Neuseeland)


Hauraki Gulf

Zurück zum Ausgangshafen

Die Route Nordwärts

Mit Edi in die Luft

Kurs Tahiti

Auckland und der American's Cup

Boat Show in Auckland

Die heissen Quellen von Wai-o-tapu

Unser Aufenthalt im Hauraki Gulf vor Auckland

Die Zeit in einer anderen Dimension

Unser Ziel Neuseeland's Südinsel

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