pearl
2004

St. Paul 01. Jan. 2004


Seit wir die Kerguelen vor 5 Tagen hinter uns gelassen haben, sind auch die Wetterverhältnisse mit jedem Grad nördlicher Breite freundlicher geworden.

Jetzt nachdem wir am 1. Januar den 40. südlichen Breitengrad in Richtung Norden gequert haben, entledigen wir uns der letzten Schichten unserer warmen Thermowäsche.

Seit dem frühen Abend ist unser nächstes Ziel, die Vulkaninsel St. Paul im Dunst des Horizontes auszumachen.


Mit ausgebaumter Genua und sechs Knoten Speed ist die Insel jedoch nicht vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen, was uns bewegt, den Motor mitlaufen zu lassen.

Mit nun 1 ½ Knoten mehr Speed, produziert der Motor zeitgleich die benötigte Energie, um damit die Batterien die ihre Leistungsgrenze erreicht haben, zu laden und die Meerwasserentsalzungsanlage zu betreiben, mit der wir die Bordtanks mit Süsswasser auffüllen.

Bei einbrechender Dunkelheit passieren wir das Südostkap, und erreichen damit ruhiges Wasser im Lee der Insel.


Schroff abfallende Wände aus rotbraunem Vulkangestein erinnern, dass nicht alle Tage mit derart günstigen Verhältnissen wie bei unserer heutigen Ankunft gerechnet werden darf.

Ein Rudel Robben schwimmt uns mit grossen Sprüngen entgegen, und tauchen unmittelbar vor erreichen der BLUE PEARL ab. In unserem Fahrwasser kommen sie hoch, und beäugen interessiert oder erstaunt, jedoch ohne eine Spur von Angst den seltenen Besuch.

Die unbewohnte Insel St. Paul nimmt eine Fläche von 8 Km2 ein, und untersteht wie auch die Kerguelen der französischen Autorität.


Zudem sind St. Paul zusammen mit der 90 km entfernten Nachbarinsel "Amsterdam" die abgelegensten Inseln der Welt.

Die Entfernung zum nächsten Festland beträgt mit Madagaskar 3000Km - Australien 3200 km und der Antarktis 3300 Km

Aufgrund mündlicher Informationen wissen wir, dass die Passage in den Krater bei Tidenhoch passierbar ist.


Nachdem wir ein grosses Kelpfeld gequert haben, ziehen wir es vor, die erste Nacht ausserhalb des Vulkans auf einer kelpfreien Stelle auf 11 Meter Tiefe zu ankern.

Beim letzten Licht fällt der Anker auf Position 38°43 Süd 77°32 Ost

Zufrieden verholen wir die Leinen, und hören dabei auf die hundertfachen Geräusche, die aus dem Krater, und von dessen vorgelagerten Steinwall dringen.


Die Geräuschkulisse die fast ausschliesslich auf einen grossen Robbenbestand zurückzuführen ist, beinhaltet mit Bellen, Schreien, Weinen, Heulen und vielem mehr, alles nur vorstellbare.

Nach vier Wochen sitzen wir nun wieder an einem Tisch ohne Krängung. Zur Feier des Tages öffnen wir zu den feinen Spagetti mit Tomatensauce und Ei eine Flasche südafrikanischen Rotwein.

Uns steht eine ruhige Nacht in geschützter Lage im Lee von St. Paul bevor.


St. Paul (Robben Insel)  02. Jan. 2004


Wer Anita kennt weiss, dass die Arbeit vor dem Vergnügen kommt. So war denn heute am Tag nach unserer Ankunft Waschtag. Eine Spritztour mit dem Beiboot in den nahen Krater bringt uns den Grund für die schauerlichen Schreie und Geräusche der letzten Nacht vor Augen.

Unzählige Robben jeden Alters bewohnen den dem Vulkan vorgelagerten Wall.


Riesige Männchen dominieren laut grollend und schnaubend ihre unmittelbare Umgebung, und halten damit die immer präsente Konkurrenz auf Abstand von ihren Damen. Im seichten Wasser tummelt sich der Nachwuchs, der sich zu balgenden Spielgruppen zusammengefunden hat.


Einzelne "Northern Rockhopper" Pinguine hocken unbeteiligt zwischen den Haufen schlafender Robben.

Grössere Pinguinkolonien der selben Art finden sich im steilen mit Gras und Farnen bewachsenen Vulkankraterhang oberhalb der französischen Station, den sie trotz der steilen Topografie bis in die obere Hälfte bevölkern.


In der untiefen mit Kelp und vielen Wasserpflanzen bewachsenen Kratereinfahrt ist es nicht möglich, einzelne Steine auszumachen, da solche vom Blattwerk der vielen Pflanzen bestens getarnt sind. Da das Tidenhoch zwei Stunden zurück liegt, ist es für die Durchfahrt an diesem Tag zu spät,zudem ist die Tidenhöhe in den nächsten Tagen zunehmend, was unserem Vorhaben entgegenkommt.



Wir entern den Vulkankrater   03. Jan. 2004

Der Wind hatte in der Nacht im Zentrum eines Hochs mit 1025 Hectopascal von West auf Nordost gewechselt. Die Bewölkung hatte sich in den frühen Morgenstunden ganz aufgelöst. Die günstigen Windverhältnisse erlauben uns, mit dem Dingi die weitere Umgebung zu erkunden. In nordöstlicher Richtung hatten wir einige interessante Felsformationen ausgemacht, die wir bei diesen Verhältnissen gefahrlos aufsuchen können. (Bei einem Motorendefekt wäre es nicht möglich das Beiboot gegen den Wind zur BLUE PEARL zurückzurudern.)


Die Felshänge aus rotbraunem Vulkangestein mit vielen Vertiefungen und Höhlen vermitteln einen urtümlichen Eindruck.

Das Wasser hat mit der Sonneneinstrahlung eine tiefblaue Farbe angenommen. Rund um uns tummeln sich viele Robben. Selbstvergessen drehen sie sich im starken Schwell der Ufernähe im Kreis und um die eigene Achse. Werden sie durch uns gestört, verschwinden sie in Sekunden mit einer Eleganz und Geschwindigkeit in tiefes Wasser, wie man es den schweren, am Land trägen Tieren kaum zumuten würde.


Unterhalb der Felswände sind die mit Steinen gesäumten Ufer besetzt mit Robbenkolonien.

In den Nischen der zum Teil überhängenden Steilwänden haben sich Seeschwalben eingenistet. Über den Felsformationen segeln Albatrosse.

Trotz der ewigen Brandung, und der nie verstummenden Geräusche der vielfältigen Tierwelt vermittelt dieser Ort im Licht der Morgensonne unangetastete Ruhe und Harmonie.

Zurück beim Schiff wird es Zeit, mit dem Tidenhoch in das innere des Vulkans zu gelangen.

Zwei Albatrosse, die seit unserer Ankunft nicht von der Seite der BLUE PEARL gewichen sind, bleiben zurück.


Problemlos durchfahren wir die Untiefen der Passage und ankern im Krater auf 24 Meter Tiefe. Der allseitig bestens geschützte Ankerplatz lässt keine Wünsche offen. Kaum ein Kräuseln bewegt die Wasseroberfläche. Auch bei viel Wind ist kein Schwell zu erwarten.

Am Nachmittag übersetzen wir an Land, um ausgerüstet mit Foto und Filmkamera das Geschehen rund um die vielfältige Tierwelt zu dokumentieren. Die französische Station ist wie schon am Vortag belagert von Robben, so dass wir uns vornehmen, diese später zu inspizieren. Während die meisten älteren Tiere in der Sonne dösen, finden wir den Nachwuchs wie schon am Vortag im untiefen Wasser platschend, und von Bullen bewacht.


Beim besteigen des Vulkanhanges treffen wir auf viele weitere Robben, die sich auf den von der Vegetation kahlgeschürften Stellen sonnen.

Grosse Pinguinkolonien leben im Schutz des hohen Grases, das mit mächtigen unserem Katzenschwanz ähnlichen Stöcken durchsetzt ist.

Auch in den hohen Regionen die teilweise aus grossen Geröllfeldern ohne Vegetation bestehen, sind "Northern Rockhopper" Pinguinkolonien angesiedelt. Deren Jungtiere haben bereits die Grösse der Eltern erreicht, und hocken zum Teil pudelfeiss, mit bis zum doppelten Gewicht ihrer schlanken Eltern in Gruppen zusammen, und warten auf die nächste Fütterung. Die letzten von ihnen verlieren zurzeit ihren Flaum. Danach sind sie ausser ihrer Körperfülle aber auch weiter an ihrem grauen Federkleid zu erkennen.


Am nächsten Tag besuchen wir die Station, die unverschlossen, allen möglichen Gästen offen steht.

Auf unser stetiges Nachrücken hin, verlassen auch die letzten Robben ihren warmen Platz auf den besonnten Steinplatten vor den Eingängen, und lassen uns passieren. Der Hauptraum dient zugleich als Küche und Essraum für ein halbes Dutzend Personen.

Auf dem Tisch liegt ein Gästebuch, in dem wir uns auch als Gäste eingetragen haben.

Weitere Eintragungen aus den Jahren 02 und 03 sind ausschliesslich in französisch. Aufgrund der Eintragungen vermuten wir, dass die Insel regelmässig von Forschern der grösseren Station der 90 km entfernten Insel Amsterdam besucht wird. Links ist ein bis auf ein paar Konserven und Flaschen leerer Vorratsraum angegliedert.


Eine leere Gefriertruhe weist darauf hin, dass die Räume oft auch intensiver genutzt werden, wobei elektrischer Strom mit einem Generator erzeugt wird......

Rechts ist ein Werkraum mit ein paar Überbleibsel und alten Geräten.

Eine Türe weiter findet sich ein Schlafraum mit sechs Schlafstellen. In einer Ecke die Dusche, jedoch ohne sanitäre Installation. Womöglich wird ein Kübel gefüllt mit Wasser und Seil zum ziehen, an den Dachsparren gehängt.....

Einige Steinruinen und Fundamente zeugen von einer belebten Vergangenheit in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts.


Zwei grosse Stahlzylinder die wir nicht mit Sicherheit einer Verwendung zuordnen können, lassen die Vermutung offen, dass hier einst Robben oder Wale verarbeitet wurden........

Bis auf einige weitere Eisenkonstruktionen, sind alle Altlasten sauber entsorgt.

15. Jan. 2004  Im Zentrum des Hochs.


Seit wir am 6. Januar den Krater von St. Paul mit Kurs SE verlassen haben, sind wir nun schon wieder mehr als eine Woche unterwegs.

Wir wählten den Südostkurs, um zurück in die tieferen Breiten von bis 43° zu gelangen, um dort am Rande der Tiefduckzonen mit räumlichen Winden ostwärts zu halten.

Wir hatten auch nicht wirklich die Wahl, denn bis in die Nacht des 10. Januar herrschten Ost und Ost - Nordostwinde vor.


So kämpften wir darum, auch einige Grade in den Osten gut zu machen.

Am Morgen des 11. Januar wechselte der Wind auf Ost - Südost, was uns weiterhin Wind aus unserer Zielrichtung bescherte.


Mit Gegenkurs Nordost versuchten wir den Schaden in Grenzen zu halten.

Grund für diese Wetterlage waren riesige Hochs, die tief in den Süden reichten, und im Bereich deren grossflächigen Zentrums keine Strategie mehr Früchte trug.

Entgegen aller Monatskarten und Statistiken sind wir wieder, "wie so oft" gegenan unterwegs...

Nach Tagen auf der Kreuz zeigt sich, dass Fahrtenschiffe für Downwindpassagen

konstruiert sind, und die Ausbeute gegen den Wind mit einer gewissen Ernüchterung zu Kenntnis genommen werden darf.

Dabei ist die BLUE PEARL eine moderne Konstruktion, die verschiedene Eigenschaften in höchstmöglichem Masse kombiniert und integriert.

Seit gestern Morgen ist nun endlich ein gewisse Entspannung wahrzunehmen.

Mit Wind aus Süd bis Nordwest wird uns das beschert, was wir und die BLUE PEARL seit Tagen ersehnen. Auch im Bereich der Hochdruckzonen bleiben wolkenfreie Tage selten. Unsere regelmässigen Eintragungen im Logbuch bestätigen die über 80%-ige Bewölkung.

Im südindischen Ozean ist kaum ein Sonnenaufgang zu beobachten. Während die frühen Morgenstunden frisch und dunstig sind, klart der Himmel meistens mit der Wärme der ersten Sonnenstrahlen auf. Nach einer kurzen Zeitspanne mit tiefblauem Himmel bildet sich in wenigen Augenblicken geschlossener Dunst, der sich dann oft den ganzen Tag über nicht mehr auflöst.



Heute erleben wir eine der wenigen Ausnahmen. Während dem Wechsel der Freiwache um drei Uhr wurde es erforderlich, die Genua auszubaumen, um direkt Kurs vor dem Wind zu segeln.

Schon während der Ausführung der Arbeiten beobachteten wir, wie sich ein gelber, ins orangerot übergehender Streifen über den östlichen Horizont zog. Die dunkle Wolkenbank, die den Sonnenaufgang überlagerte, liessen die Farben in grösster Intensität aufglühen.

Nun einige Stunden später segeln wir unter blauem Himmel, in Verhältnissen, die keine Wünsche offen lassen......Aufgrund unseres Empfindens sind das die Sonntage auf unserer Reise ostwärts nach Tasmanien......


BLUE PEARL20.  Januar 2004
Im Süden von Australien


Mit 115° Ost haben wir die Länge von Australiens Westküste erreicht.

Dennoch trennen uns etwa zehn Tage (1400 sm.) von unserem Ziel Tasmanien.

Nachdem wir uns durch schwachwindige Hochs gemogelt hatten, wurden die letzten Tage von einem überraschend stationären Tief geprägt.

Mit bis sechzig Knoten Wind in Sturmstärke, segelten wir zwei Tage in einer Front, die kaum enden wollte. Dazu verläuft hier die starke Strömung mit 1,5 bis 2,5 Knoten in Richtung Süd bis Südwest, also quer zu unserem Kurs.

Wir können beobachten, wie nebst den brechenden Wellen, viele Wellenkämme von der sich kollidierenden Energie in Form von weissem Schwell angehoben, und wie dieser vom Wind erfasst und davongetragen wird.

Nach einer zwischenzeitlichen Beruhigung durchquerten wir letzte Nacht eine nachziehende Front. Die Verhältnisse von Wind, Wellen und Strömung waren derart prekär, dass es uns bis zum frühen Morgen nicht möglich war, die BLUE PEARL entsprechend zu trimmen.

Trotz aller Anstrengung mussten unstabiler Kurs, killende Segel und Vibrationen hingenommen werden.

Unverhofft wie es zu dieser Situation kam, normalisierten sich die Verhältnisse gegen Morgen wieder.

Anita führte die erste Hälfte der Nachtwache, ähnlich wie die brodelnde See, war sie nach diesem Effort aufgebracht, und wünschte die Roaring Forties zum Teufel.

Im Gegensatz dazu amüsierte sie sich am Vorabend blendend, als ich mir eigenhändig eine Tasse Kaffee auf den Kopf schüttete.

Wie anzunehmen ist, war das keine absichtliche Einlage zur Freude meiner Angetrauten.....

Ich befand mich mit einer Tasse frisch gebrautem Kaffee und einem Stück Schokoladenkuchen auf dem Weg von der Pantry zum Salon. Da meine Hände besetzt waren, versuchte ich mit Ellbogen und Knien den Kontakt zu den angrenzenden Einbauten zu halten. Die letzten anderthalb Meter führten durch freien Raum zu meinem Platz auf der Sitzgruppe.

Wie ich das schon oft gemacht hatte, bewegte ich mich harmonisch mit der Dünung in den freien Raum, setzte zu einem halben Axel an, um mich dann in die Polster fallen zu lassen, die Tasse auf dem Weg zum Mund, um allenfalls überschwappenden Kaffe in die rechten Wege zu leiten.

Allerdings, so weit kam es nicht....... in Gedanken bereits auf die Landung konzentriert, barst im selben Moment ein Monster von Welle am Rumpf der BLUE PEARL, was mich im Bruchteil einer Sekunde rückwärts durch den Salon katapultierte.

Schon bevor ich mit dem Rücken in eine Türeinfassung prallte, brachte der Rückwärtsdrall den Kaffee in Schwung. Sauber, wie es normal nur mit Jauchesprenger möglich ist, verteilte sich der Kaffee in die Atmosphäre. Dass mit der Schwerkraft ein grosser Teil des Kaffees den Weg auf meinen Kopf fand, schien purer Zufall zu sein.

Von Kaffee triefend, war mein erster Reflex, die Tasse, die ich noch immer in der Hand hatte, auszutrinken. Da diese schon leer war, hinderte mich nichts mehr daran, mich meiner Wut hinzugeben.

Der Kuchen, der Schuld trug, dass ich mich nicht anständig halten konnte, landete als Geschoss auf der Sitzgruppe. Dieser bewährte sich mit diesem Umstand, nebst der langen Haltbarkeit, auch noch als sauber und unzerstörbar.

Dass Anita, die Zeuge des Geschehens wurde, mir in Schreikrämpfen die ganze Haushaltpapierrolle reichte, bestätigt, dass ich furchtbar ausgesehen haben musste, ...oder war es ein weiterer Beweis für ihre unfehlbaren Reflexe.......

Am 21. Januar hatten wir seit langem wieder Wale gesichtet. Bei hohem Seegang und trübem Wetter reduziert sich der Beobachtungsradius auf die unmittelbare Nähe der BLUE PEARL.

So war das Ausmachen dieser Walgruppe ein reiner Zufall. Nebst einigen Walrücken und Dampffontänen konnte unmittelbar hinter uns im Kielwasser eine riesige Schwanzflosse beobachtet werden, womit der ganze Spuck in wenigen Minuten wieder vorbei war.


31. Januar 2004

Ankunft in Tasmanien


Am späten Vorabend hatte der Wind von Süd auf Südost gedreht, womit es uns nicht mehr möglich war, die BLUE PEARL auf Kurs Ost zu halten.

Da wir in diesen Breiten schnelle Wetterwechsel gewohnt sind, hofften wir, dass mit der uns querenden Front das ganze ausgestanden ist, und wieder Kurs Hobart angelegt werden kann.

In diesem Fall jedoch hielt uns der Südost für die nächsten fünf Tage in seinen Fängen.

Am 29. Januar hörten wir "zweihundert Meilen vor Tasmaniens Küste" mit dem Triebwerk eines Jets, der kaum zweihundert Meter über uns die tiefe Wolkendecke unterflog, seit Wochen das erste ‚zivile' Geräusch.



Unmittelbar darauf meldete sich die Coastguard über VHF.

Die Jacht in unserer Position wurde aufgefordert sich zu melden.

Anschliessend wurde nach dem Schiffsnamen und Kennung - Herkunft und Ziel gefragt, womit wir in australischen Gewässern registriert waren.

Inzwischen hatten wir von unserem ursprünglichen Ziel Hobart abgelassen, und als neuer Landfall Burnie in der Bass Strait, an Tasmaniens Nordküste ausgwählt.

Hoch am Wind war es uns möglich den Kurs südlich von dem in der Bass Strait liegenden King Island zu halten.


In der Nacht zum 31. Januar querten wir die Tasmanien vorgelagerten Inseln Hunter Island und Three Hummock Island. In dieser Nacht war der Wind eingeschlafen, und mit der ablaufenden Tide machten wir unter Motor kaum noch vier Knoten Fahrt.

Am nächsten Morgen wurden wir von der Immigration in Burnie aufgerufen, und nach unserer Ankunftzeit gefragt.

Lynn, von der Immigration, die wir noch am selben Abend treffen werden, hatte unsere Position und unser Ziel Burnie, zwei Tage zuvor von der Coastguard, die uns mit dem Jet aufgespürt hatte, erfahren.



Seit dem Morgen ist auch wieder 15 Knoten Westwind aufgekommen. Unter blauem Himmel, auflaufender Tide, und beinahe ohne Schwell näherten wir uns gegen Abend in flotter Fahrt unserem Ziel Burnie.

Während wir die in der Sonne liegende Küstenlandschaft genossen, war im Landesinnern eine dunkle Gewitterwolke auszumachen, aus der ab und zu das schwache Leuchten von Blitzen drang.

Am nächsten Morgen konnten wir der Sonntagszeitung entnehmen, dass seit Menschengedenken in dieser Region kein Gewitter in dieser Stärke niedergegangen ist. Kleine Bäche wurden zu reissenden Flüssen. Brücken wurden weggerissen, und grosse Schäden an den Kulturen angerichtet.

Nachdem wir unsere Ankunft drei Stunden vor dem Landfall bei OTC gemeldet hatten, erkundigte sich Lynn von der Immigration abends um sechs Uhr Ortzeit ein weiteres Mal nach unserer genauen Ankunftszeit.

Als wir dann kurz nach sieben Uhr im Frachthafen von Burnie eintrafen, wurden wir am Pier von den Beamten erwartet.

Wie wir später erfuhren, haben diese Leute nach Feierabend eine Extraschicht eingelegt, um uns und die Segelyacht BLUE PEARL abzufertigen.



Mit Burnie wählten wir einen Hafen, der schon seit langer Zeit nicht mehr von einer einzuklarierenden Jacht angelaufen wurde. So war es für die Beamten Ermessenssache,

wie sie die amtlich vorgegebenen Bestimmungen auslegen und umsetzen wollten.

Da viele Tierseuchen und Krankheiten den Weg auf diesen Kontinent noch nicht gefunden haben, wird mit strengen Einfuhrbeschränkungen vorgesorgt, dass es dabei bleibt.

Mit einer Auflistung aller an Bord mitgeführten Esswaren und Getränken waren wir für diesen Fall gut gerüstet.



In der Folge entsprach alle mitgeführte Ware den Einfuhrbestimmungen, und wenn auch viele Formulare ausgestellt werden mussten, waren die Beamten "von Quarantäne Zoll und Immigration" an unserem Trip interessiert.

Oft wurde in der Unterhaltung auf unsere Erlebnisse abgeschweift; waren doch unsere letzten angelaufenen Häfen Kapstadt, Ushuaia und Puorto Williams bei Kap Hoorn sowie Port Stanley auf den Falklands. Diese und weitere Angaben waren Grund genug, dass die Beamten oft von den Formalitäten abschweiften.



Wiederholt musste Lynn von der Immigration, Patrick vom Zoll auffordern, sich mit seinen Fragen, und interessanten Informationen etwas zurückzuhalten, um nicht vom wesentlichen abzulenken. Abschliessend wurde auch auf der BLUE PEARL nach Spuren von Drogen gesucht.

Wir gehen natürlich davon aus, dass es sich dabei um Routine handelte, und nicht der von uns gemachte Eindruck dafür ausschlaggebend war.

Mike die rechte Hand des Hafenmeisters war rührend um unser Wohl besorgt.

Nachdem er uns bereits via VHF und zur besseren Kennung mit eingeschaltetem Blinklicht auf dem Dach seines Busses an die richtige Stelle an einer der verschiedenen Molen lotste, nahm er auch die Leinen entgegen, und sorgte dafür, dass die Beamten den Weg auf die BLUE PEARL fanden. Am Sonntag Morgen half er uns beim Versetzen an eine andere Mole, da für den von uns besetzten Platz ein Frachter erwartet wurde.

Mike versorgte uns auch mit Frischwasser, und entsorgte unsere angestauten Abfälle, und dabei waren alle Leistungen, sowie das Liegen in Tasmaniens Hauptfrachthafen für die BLUE PEARL gebührenfrei.

Diese Tatsache ist darauf zurückzuführen, dass das Liegen von Jachten in diesem Hafen nicht vorgesehen ist, und es dafür keine Bestimmungen gibt. Da Tasmanien nur von wenigen nicht australischen Fahrtenseglern aufgesucht wird, erleben wir hier eine Gastfreundschaft, wie sie uns sonst nur an den entlegensten Orten dieser Welt zuteil wird.


In den folgenden Tagen erkundeten wir Burnie, eine Stadt die mit 25000 Einwohner auf uns verkehrsarm und ruhig wirkte.

Das Wohngebiet ist auf eine grosse Fläche verteilt, da die Tasmanier beinahe ausschliesslich als Besitzer in ihren eigenen Parterre-Einfamilienhäusern wohnen. Burnie`s Altstadt ist praktisch unbewohnt, und von vielen Geschäften besetzt.

In den farbenfrohen Einkaufstrassen finden sich einzelne Gebäude aus den Anfängen der Siedlungszeit in buntem Kontrast zu den farbigen Fassaden der anschliessenden Geschäftsgebäude.

Zu Tasmaniens frühen Siedlungszeit ist zu sagen, dass, bevor die weissen Siedler ab 1803 Tasmanien

besiedelten, dort 4000 Aborigines gelebt hatten.

Die Urbevölkerung wurde von den Siedlern in ähnlicher Art dezimiert, wie die Urbewohner in Feuerland.

1835 blieben nur noch 210 von ihnen übrig. Diese wurden eingefangen und auf Flinders Island im Nordosten von Tasmanien in der Bass Strait ausgesetzt. 1876 starb der letzte von ihnen.



Nebst verschiedener Vorkommen von Bodenschätzen, spielt der Forstbau in Tasmanien eine wichtige Rolle. Das geschlagene Holz wird zu Schnitzel zerkleinert und zur Papierverarbeitung vor allem nach Japan exportiert. Dabei gilt der Hafen von Burnie als Umschlagplatz.

Es ist imposant zuzusehen, wie riesige Trucks mitsamt ihren grossen Auflegern auf hydraulischen Plattformen angehoben und die Späne in einen grossen Trichter gekippt werden.

Das Holz wird in Rohrleitungen zu grossen Schnitzelbergen transportiert, und dort mit Planierraupen verteilt.

Via Rohrleitungen werden die Holzschnitzel bei Bedarf über die Ausleger grosser Kräne in die Frachträume von Schiffen verladen.

Die Bahn spielte in Tasmanien im letzen Jahrhundert noch eine wichtige Rolle. Heute sind viele Strecken stillgelegt, oder einzig für den Industrieverkehr und als nostalgische Attraktion für den Tourismus erhalten geblieben. So ist es möglich, am nostalgisch wirkenden Holzbahnhof von Burnie Fahrten in einer mit Dampf betriebenen Eisenbahn zu buchen.



Tasmanien verfügt über viele hundert Meilen Sandstrände. Die meisten jedoch abgelegen, und von der nächsten Besiedlung weit entfernt. Überhaupt scheint hier in Burnie die See kaum wahrgenommen zu werden, trotz dem eigenen kleinen Sandstrand, der einen Teil der Küste vor der Stadt ziert, findet sich hier selbst im Sommer, und am Sonntag kaum jemand.

Dabei ist zu erwähnen, dass die durchschnittliche Wassertemperatur von 15° nur für harte Kerle als Badegelegenheit geeignet ist.

Am Segelsport findet hier an der Bass Strait anscheinend niemand Interesse. Selbst im Jachtclub von George Town, 50 Meilen weiter östlich teilte man uns einige Tage später mit, "es findet sich kein Nachwuchs.... der Club ist praktisch tot"


Am Rande ist zu erwähnen, dass wir in Kapstadt 700 Liter Wasser gebunkert hatten, und unterwegs nebst dem Trinkwasser, das wir mit dem Wassermacher produzieren, 300 Liter in den Tank produziert hatten.

Beim Eintreffen in Burnie führten wir noch ca. 200 Liter Wasser mit uns.

Das ergibt "nebst dem Trinkwasser" in 56 Tagen einen Bedarf von 800 Liter, und per Tag einen Verbrauch von rund 14 Liter Wasser "pro Person 7 Liter"............

Wie passend ist da die Aussage einer Seglerin die uns vor Jahren in Kapstadt erklärte, wir Segler sind manchmal etwas dirty......



BLUE PEARL  ab 03. Februar 2004

Tasmanien / Burnie - Devenport - Georges Town


Um 13 Uhr löste uns Mick die Leinen von der Mole, nachdem zuvor Lynn von der Immigration kurz vorbeigeschaut hatte.

Obwohl es auch hier in der Region von Burnie viel zu sehen gäbe, drängten wir darauf, uns auf den Weg nach Hobart, der Hochburg der Segler zu machen.

Bereits um 17 Uhr enterten wir den Mersey River und ankerten vierzig Minuten später vor dem gleichnamigen Jachtclub.

Weiter Flussabwärts hatte auch die grosse Fähre "SPIRIT of TASMANIA" festgemacht, die für die Verbindung nach Melburne sorgt.

In dem kleinen Ankerfeld waren nur wenige Jachten vertäut, und davon die meisten mit nostalgischem Einschlag.


Nachdem wir unser Dingi ausgebracht, und bereits einen kurzen Besuch in Devenport am Westufer des Mesery Rivers gemacht hatten, besuchte uns Steve, der Commodore des Clubs und anerbot uns, an einer freien Boje festzumachen.

Wir glaubten, uns später im Club wieder zu treffen, soweit kam es jedoch nicht.

Beim Anlegen am Clubsteg, an dem einige Jachten vertäut waren, weckte der Bugsprit einer Segelyacht unser Interesse.

Der Eigner, Steven, erklärte uns nur zu gerne dessen Technik und wenige Augenblicke später hingen wir zusammen über dem geräumigen Bugraum auf dem Vordeck der NAHANI.

Kurz darauf trafen wir im Innern der Jacht, die Steven, dessen Beruf Schiffsbauer ist, selbst gebaut hatte, auf seine Frau Christine.


Die Jacht war mit ausschliesslich edeln, alten Hölzern ausgebaut, wobei das handgehauene Tischblatt weit über hundert Jahre alt ist, und in seiner Vergangenheit nachweisbar den Weg von Australien nach England, und zurück auf die NAHANI gefunden hatte.

Das Handwerk war von höchstem Niveau und mit grösster Sorgfalt ausgeführt , was uns überraschte, da wir mehrfach gehört hatten, dass in Australien Jachten oft spartanisch ausgebaut werden.

Anschliessend verging beim Rotwein die Zeit im Fluge, und als wir später mit dem Dingi vom Steg ablegten, lag auch der Jachtclub im Dunkeln.

Am nächsten Tag versorgten wir uns in der Stadt, wo wir an einem kleinen Fähranleger in der Nähe des Zentrums festmachten.


Nachdem wir am Vorabend im Jachtclub in den Genuss einer Dusche kamen, und an der Theke der Clubbar die Bekanntschaft mit einigen Mitgliedern gemacht hatten, setzten wir am fünften Februar nach zwei Uhr nachmittags die Segel, mit Ziel Georges Town.

Am Abend erreichten wir mit raumem Wind die Mündung des Tamar Rivers, dessen erste Meilen schiffbar sind.

Da das Wetter günstig war, wählten wir den Kurs zwischen der in die See ragenden Landzunge "West Head" und dem Hebe Reef. Die breite Mündung des Flusslaufes selbst war gut markiert, aber mit einigen Richtungsänderungen, und vielen Untiefen war höchste Aufmerksamkeit geboten.

Weil die Zeit unserer Ankunft gut gewählt war, profitierten wir von der auflaufenen Tide, die uns in Richtung Georges Town schob.

Die Flussbucht von Georges Town wird von einem modernen Anleger mit geschlossener Gangway dominiert, in der Art wie wir sie zum besteigen von Flugzeugen kennen.


Doch dieses Relikt gehört bereits zur Vergangenheit, da Georges Town als Folge fehlender Passagiere "zum Unmut der Einwohner" seit Jahren nicht mehr von der Fähre angelaufen wird.

Nach einem fehlgeschlagenen Ankerversuch wurden wir an den Anleger gewunken, wo Richard unsere Leinen entgegennahm.

Mit dem Clubcommodore, der den Club selbst als praktisch tot erklärte, vereinbarten wir für das liegen am Steg und die Benutzung der Duschen zwanzig AU$, was etwa 20.- Sfr.. entspricht.

Während sich der Vorstand des Georges Town Jacht Clubs zur Krisensitzung traf, begleiten wir Richard in die Bar eines nahegelegenen Hotels, wo wir den Abend im Kreise von ihm und seinen Freunden verbrachten. David ein Segler fragte uns nach der Passage des Riffs, das westlich der Flussmündung liegt. Als er hörte, dass wir das Riff landseitig gequert hatten, liess er verlauten, dass diese Passage Insidern vorbehalten sei, und er bisher keine ortsunkundige Segler kenne, die dieses innenseitig passier hätten. Zudem gehöre die Anfahrt nach Georges Town nachts mit zu den gefährlichsten.


Wir hatten die Anfahrt am Tag passiert, aber die Bar, die mich schon beim Betreten das Schwanken spüren liess, das wir als Segler oft in geschlossenen Räumen wahrnehmen, und das sich anfühlt, als wäre ich auf See, schien es in sich zu haben.

Ich bin mir indessen sicher, dass ich auch am späteren Abend nur diese natürlichen Schwankungen auszugleichen versuchte.

Wobei unsere Freunde in dieser Atmosphäre ihren gewohnten Tagesablauf beendeten, würde mir dieses Leben auf Zeit sicher zu anstrengend..... "Man wird älter"

Richard der uns anschliessend zum Schiff begleitete liess es sich nicht entgehen, die BLUE PEARL in unserer Gesellschaft um eine in Kapstadt gebunkerte Flasche Chardonnay zu erleichtern.

Am nächsten Abend dann legten wir nach einem kurzen Besuch von Richard noch vor dem abendlichen Tidenbruch ab, so dass wir im Fluss die Strömung noch nicht gegenan hatten, und später die steigende Tide zusätzlichen Speed in Richtung Osten versprach.

Mit der einbrechenden Nacht waren wir unterwegs in Richtung des tasmanischen Nordostkaps, an dessen Ostküste wir uns am nächsten Tag eine sichere Ankerbucht erhofften.



BLUE PEARL 20. Feb. 2004

Tasmanien "Hobart"


Am 14. Februar sind wir hier in Hobart eingetroffen, nachdem wir die letzten zwei Tage in der Bucht vor Port Arthur vor der Insel Peninsula gelegen hatten.

Port Arthur war eine Festung, die ab 1830 als Strafkolonie gebaut wurde.

Bis Ende 1877 die Deportation von Straffälligen eingestellt wurde, durchliefen etwa 12500 Strafgefangene die Gefängnisstadt.

Zum Teil sind die Verliesse noch im Originalzustand und lassen die Besucher erahnen, wie kärglich die Gefangenen dort dahinvegetierten.


Ausgetretene Steine in den Gängen und Verliessen sowie abgegriffene Kerkertüren, Handläufe und Griffe lassen in meinen Gedanken die Vorstellung alter Zeiten aufleben.

Die Gruften für die Dunkelhaft jagen mir noch heute einen Schauer über den Rücken.

Die Einsicht in Dokumente aus dieser Zeit beweisen, dass sozial schlechtgestellte Personen schon für kleinste Vergehen aus England deportiert, und im fernen Tasmanien für viele Jahre eingekerkert wurden.


Von der gepflegten Parkanlage mit Alleen, alten Eichen und herrlicher Sicht in die Bucht, werden die meisten Insassen nicht viel mitgekriegt haben.......

Gut erhalten ist auch die 1836/37 von Strafgefangenen in Naturstein erbaute neogotische Kirche, deren Ruine selbst ohne Dach und Ausbau mit einer starke Ausstrahlung auf den Besucher wirkt.

Am Nachmittag des 13. Februar wollten wir die geschützte Bucht vor Port Arthur verlassen, um auf halbem Weg nach Hobart, in der Wedge Bay, Zwischenhalt zu machen. Der Wind gegenan war jedoch so stark, dass wir es vorzogen, bereits nach fünf Meilen in der Saftey Cove Schutz zu suchen.

Nach einer ruhigen Nacht lichteten wir am nächsten Morgen kurz nach sechs Uhr den Anker, und genossen in schneller Fahrt mit halbem Wind das herrliche Sommerwetter.


In der Anfahrt zum Dervent River querten wir den auf einem flachen Felsen der Landzunge vorgelagerten Leuchtturm "Iron Pot". Mit seinem Licht weißt er den von der Storm Bay einlaufenden Schiffen den Weg, und präsentiert sich uns wie alle Leuchttürme, die wir in Tasmanien passierten in einem baulich ausgezeichneten Zustand.

Am frühen Nachmittag erreichten wir die Bucht vor Hobart, wo gleichzeitig Regatten in verschiedenen Klassen ausgetragen wurden.

Während wir uns noch zögernd der Einfahrt zur Kings Pier Marina näherten, wurden wir vom Tower aufgerufen, und gefragt ob wir einen Liegeplatz im Constitution Dock wünschen, wofür uns eine Zugbrücke geöffnet werden musste.

Nach kurzer Zeit lagen wir sicher vertäut an der Stadtpier von Hobart.

Wie viele Grosstädte hat auch das von Kapitänleutnant David Collins 1804 gegründete Hobart, seinen eigenen Charme.

An die Ostflanke des 1270 Meter hohen Mount Wellington gebaut, und von der grossen Bucht des Dervent River gesäumt, vermittelt die Inselhauptstadt mit ihren 190'000 Einwohnern einem beinahe kleinstädtischen Flair.

Mit über hundert historischen Bauwerken in georgianischer Architektur gilt Hobart als grösstes Freilichtmuseum Australiens.

Die wenigen Hochhäuser wurden sorgfältig in das Stadtbild eingefügt. In deren Front wurden mehrheitlich die alten Fassaden erhalten und integriert.

Heute liegen wir mit einigen weiteren Jachten und zwei, drei von Australiern zu Fahrtenschiffen ausgebauten Fischtrawlern, zur Freude vieler Passanten im "in dem in der Stadt liegenden" Constitution Dock, das an seiner Westseite vom alten in georgianischem Stil gebauten Customshaus flankiert wird.


Gegen Jahresende quillt dieser kleine Hafen über von Menschen und Jachten, wenn alle dem Ausgang der Regatta Sydney - Hobart entgegenfiebern.

Vor den Kulissen der einst von Häftlingen in Sandstein gebauten alten Lagerhäuser und Kontore, die heute als Boutiquen, Cafes, Souvenierläden und vieles mehr dienen, findet jeden Samstag der nach dem Platz genannten Salamanca Markt statt.

Wir hatten uns bei dieser Gelegenheit mit gebrauchten australischen Bilderbänden und Reisebüchern zum Bruchteil des Neupreises versorgt.

Anscheinend fanden ausser uns noch einige tausend weitere Besucher Spass an diesem Anlass.

Das Reisen in der weiten Region um die Hauptstadt für das ganze Busnetz mit einem Tagesabonnement für Fr. 3.90 ist ausgesprochen billig...........


Nachdem wir die Stadt bis in die letzten Winkel durchstreift hatten, führten uns weitere Besuche in den botanischen Garten und auf den Mount Wellington.

Dabei stellten wir fest, dass neben vielen bei uns heimischen Bäumen und Pflanzen auch viele tropische Pflanzen anzutreffen sind. Selbst Papageien besiedeln die Insel, deren Temperaturen im Winter in tieferen Regionen mit durchschnittlich fünf Grad kaum auf den Gefrierpunkt fallen.

Andererseits sind die Wetterwechsel abrupt, und selbst im Sommer kann es in höheren Regionen zu für die Touristen gefährlichen Temperaturstürzen kommen.

Nebst der Bergwelt, die sich kaum von Schweizerverhältnissen unterscheidet, geniessen wir die Aussicht in die Buchten und Hügelkämme, die den Südosten Tasmaniens zu einem Eldorado für Segler machen.



BLUE PEARL 25. Feb. 2004

Tasmanien Die "Russell Falls"



Der erste Trip mit dem gemieteten Kleinwagen führte uns zu den Russell Falls.

Wie allen Wasserfällen in Tasmanien fehlt dem Russell Fall die Wassermenge, um imposant zu wirken.

Dennoch ist beeindruckend, wie sich das wenige Wasser in der abgestuften Wand verteilt, und wie ein leichter Vorhang von den Felskanten plätschert.

Weit mehr als dieser Wasserfall beeindruckte uns der Regenwald, der in dieser Region als Nationalpark unter Schutz steht.

Riesige zum Teil bis über neunzig Meter Hohe Eukalyptusbäume, die mit zu den grössten Bäumen der Welt gehören, ziehen uns in ihren Bann.

Auch wenn deren Kronen von Jahrhunderten gezeichnet sind, offenbaren uns die langen Stämme mit zum Teil weit über zwei Meter Durchmesser neue Dimensionen.


Selbst wenn sie nach einer Lebensdauer von bis über dreihundert Jahren, vom Alter geschwächt, den Elementen zum Opfer fallen, wirken sie in ihrer fast unglaublichen Proportion majestätisch. Es wird viele weitere Jahre dauern, bis sie dem Erdboden gleichgemacht sind.

Selbst die Farne erreichen in dieser Umgebung ungekannte Dimensionen.

Wie Palmen treiben sie stetig neue Schosse. Dabei entwickelt sich ein Stamm, der im laufe der Zeit einen beträchtlichen Umfang erreicht, und mehrere Meter hoch werden kann.

In diesem Umfeld sichteten wir die ersten Kängurus, die sich allerdings schon bald in dichteres Unterholz absetzten.


Am Parkeingang trafen wir auf einen Caravanpark. Es ist erstaunlich wie einfallsreich zum Teil alte Busse und Trucks in Wohnheime und Expeditionsfahrzeuge umgebaut werden.

In der vergangenen Woche besuchten uns die Schweizer Thomas und Christine, die mit ihren zwei kleinen Kindern mit einem Pinzgauer unterwegs sind.

In ihrer Gesellschaft befanden sich Dieter und Dagmar aus Deutschland, sie hatten mit ihrem extrem geländegängigen ausgemusterten Armee-Unimog nebst weiteren Destinationen auch China und Russland bereist.

Für sie muss wohl anstelle "auf Grenzen stossen", an Grenzen stossen angebracht sein...




BLUE PEARL 12. März. 2004


'Trouble'....


Hier in Hobart vernahmen wir, dass unser japanischer Freund Masayuki, mit dem wir in Kapstadt viel Zeit verbracht hatten, auf dem Weg nach Australien ein weiteres Mal aus Seenot geborgen werden musste.

Weil das Ruder der BEAM noch nicht repariert war, als wir Kapstadt verliessen, haben wir von unserem ursprünglichen Vorhaben, ihn auf der Insel St. Paul im indischen Ozean zu treffen, abgelassen.


Als wir in Hobart eintrafen wurden wir im Jachtclub nach dem Japaner gefragt, der mitten im südindischen Ocean von seiner Jacht abgeborgen werden musste.

Später informierte uns John, der mit seiner FARAWAY noch in Kapstadt weilte, dass Masayuki mit seiner BEAM durchgekentert, aber nun in Sicherheit sei. Nachdem er von einem australischen Suchflugzeug geortet wurde, konnte er anschliessend von einem Frachtschiff abgeborgen werden.

Damit fand nun seine Weltumseglung (gegen die übliche Richtung), die er gegen alle Widerstände und Pannen mit ungebrochenem Willen anstrebte, ein vorzeitiges Ende. Seine BEAM ist verloren.

Noch nie zuvor hatten wir erlebt, dass das Schicksal wiederholt derart hart und unerbittlich in die selbe Bresche schlägt.

Nichts hätten wir ihm, dem immer aufgestellten und freundlichen Masayuki, mehr gegönnt, als dass sein Traum dereinst wahr wird, und er als Weltumsegler mit seiner BEAM in seinem Heimathafen Sapporo eintrifft.....

Wir werden ihn nächstes Jahr in Sapporo besuchen.


Bereits in den ersten Tagen nach unserer Ankunft in Hobart sind uns die Mountainbikes vom Deck der BLUE PEARL gestohlen worden.

Um von diesem Ereignis zu schreiben brauchte ich erst etwas Distanz, da wir mit diesen Rädern die Schweiz mitsamt ihren Bergen erkundeten. Zudem haben uns diese Bikes auf unserer Reise viele unvergessliche Touren ermöglicht.

Selbst während unseres langen Aufenthaltes in dem von Diebstahl geplagten Kapstadt, blieben sie uns erhalten.


Vor wenigen Tagen trafen wir uns mit Mike Harris, dem Eigner der vor uns am Constitutions Dock liegenden Segelyacht PANGOLIN.

Auch sein Bike wurde gestohlen, und zusammen gelangten wir zu dem Entschluss, in der Tageszeitung MERCURY auf diesen Misstand hinzuweisen.

Auf dem Weg zur Redaktion erfuhren wir von Mike, dass er nautische Programme kreiert.

Auch wir sind im Besitz eines "Tidenprogramms", das wir von ihm gekauft hatten.

Wir wussten nicht, dass Mike Harris als Fahrtensegler unterwegs ist.

Auf unserer Homepage findet sich schon seit den Anfängen unserer Reise ein Link auf seine Website.....


Der Zeitungsartikel erschien umgehend in der Freitag-Ausgabe, just am Tage unserer Abreise in Hobart.

Dass keines unserer GHOST Bikes mit Foto gezeigt wurde, dämpfte unsere anfängliche Hoffnung, wieder in Besitz der Räder zu gelangen.



14. März 2004

Noch mehr trouble...


Damit noch nicht trouble genug.......

In der vorangegangenen Woche blieb es uns auf Bruny Eiland versagt, den schmalen Sandstrand der die Isthmus Bay von der Adventure Bay trennt, zu besuchen.

Wir waren damals im "Chanel" unterwegs.

Der „D` Entrecasteaux Chanel“, wird von den hier heimischen der Einfachheit halber "Chanel" genannt. Die durchgehende Wasserstrasse, führt von der Storm Bay im Süden bis zum Derwent River, der Zufahrt nach Hobart im Norden.


Entlang dieser Route sind unzählige gut geschützte Ankerbuchten, ein Eldorado für die Segler vor Ort, und die wenigen Gastyachten aus aller Welt.*

Wir erreichten die Isthmus Bay am Nachmittag, bei tiefem Tidenstand. Unter diesen Voraussetzungen war es auch mit dem Beiboot nicht möglich, die über eine halbe Meile breite, für Schiffe nicht befahrbare Untiefe zu passieren.


Als wir dann Hobart verliessen, dachten wir uns, es sei ein leichtes, in der Adventure Bay zu Ankern, und mit dem Beiboot in der riesigen Bucht mit Sandstrand anzulanden.

Kurz nach zwei Uhr erreichten wir die Bucht. Als Folge des starken Schwells, der ungehindert vom Südindischen Ocean auf diese Bucht trifft, setzten wir den Anker etwa dreihundert Meter vor der Küste auf zehn Meter Wassertiefe.

Schnell war das Beiboot im Wasser, und der 15 PS Aussenborder montiert.

Bei der Anfahrt zum Strand sahen wir die Treppe, die zu unserem Ziel, dem Aussichtspunkt auf einer kleinen Erhöhung, führt. Kurz vorher waren dort noch Touristen, die sich jedoch bereits wieder entfernt hatten.


Vor uns schob sich eine mächtige Brandung gegen die Küste.

Nachdem sich die Welle als tosender Brecher auf dem Strand entladen hatte, unterquerten uns weitere leichtere Wellen. Ich folgte einem dieser kleineren Ungetüme.

Als der Sand durch den weissen Schaum sichtbar wurde, gab ich mit dem Motor den letzten Schub, und war dabei den Schaft anzuheben, um anzulanden, als unser Zodiacschlauchboot in Fahrt geriet.

In unserem Rücken hatte sich eine hohe Wasserwand gebildet, in deren Front wir mit dem Heck zusehends steiler angehoben wurden.

In dem Moment, als die Welle zu brechen begann, berührte das Dingi mit der steil nach unten gehaltenen Schnauze Sandgrund.


Noch während wir uns überschlugen, toste die Brandung über uns hinweg.

Bereits im Wasser, erwartete ich im ersten Moment vom Beiboot, oder dessen Aussenborder die ich als grauen Schatten über mir wahrnahm, getroffen zu werden. Sekunden später fand ich mich im brusttiefen Wasser wieder.

Das Schlauchboot trieb kopfüber vor mir im Wasser. Anstelle des Motorgehäuses ragte der Schaft des Aussenborders aus dem sandbefrachteten Nass.

Unverzüglich versuchte ich das Boot aufzurichten, während sich Anita sofort auf die Verfolgung der treibenden Plastiksäcke machte, in denen sich unsere Fototasche mit Apparat, und in einer weiteren Tasche die Filmkamera befand.


Mit dem zweiten Versuch gelang es mir, das Boot zu drehen, doch in diesem Augenblick befanden wir uns bereits schon wieder in knöcheltiefem Wasser, und waren bestrebt, unsere Habe in Sicherheit zu bringen.

Kaum war das Boot auf den trockenen Strand gezogen, versuchte ich den Aussenborder zu starten, was zur grössten Verwunderung ohne Probleme gelang. Das blecherne Knattern des auf dem trockenliegenden Motors tönte wie Musik.

Ein Wunder, der mit Sicherheit im Salzwasser ertränkt geglaubte Motor schien nicht im geringsten angeschlagen.


Inzwischen hatte Anita die Taschen in den Plastiksäcken inspiziert. Das Wasser mit grossem Sandgehalt war bis zu den Kameras vorgedrungen, wurde aber von der starken Schaumstoffpolsterung der Taschen in beiden Fällen restlos aufgesaugt, so dass an den Geräten keine Schäden festgestellt werden konnten.

Schnell wurden die Taschen in die Plastiksäcke zurückgestaut, und diese verknotet.

Es blieb uns keine Zeit, wir mussten den Strand verlassen, und hofften, dass der Aussenborder auch weiterhin einsatzfähig blieb.


Doch bereits als wir das Beiboot in Richtung Wasser schoben, toste eine weitere Brandung über uns hinweg, womit das Beiboot wieder randvoll Wasser und Sand war, und wir uns bemühen mussten, dieses ein weiteres Mal zu entleeren. Weitere versuche endeten mit dem selben Resultat. Ich war mir indessen nicht mehr sicher, dass der Aussenborder, der inzwischen einiges abbekommen hatte, und weitere Brandungen durchgestanden hatte, noch einsatzfähig war.

Trotz ablandigem Wind war es unmöglich, ohne Motor durch die Brandung, zurück zur BLUE PEARL zu gelangen.


Also stellten wir uns ins Wasser, liessen die nächste Brandung über uns hinwegtosen, und bestiegen dann rasch das mit Wasser gefüllte Boot.

Wieder sprang der Aussenborder ohne stottern an, und wir bemühten uns, zusammen mit der ablaufenden Brandung, tieferes Wasser zu erreichen.

Doch Sekunden später scharrte die Schraube bereits wieder im Sand der seichten Küste. Der nächste Brecher überflutete uns. Wie an einem Anker hielt sich das Boot durch die im Sand eingegrabene Schraube in Position. Der Brecher brachte zugleich das Wasser zum Steigen, so dass unser "vollbelastetes" Boot wieder ins Schwimmen kam, und dank dem kräftigen Aussenborder weitere Meter seewärts gutgemacht werden konnten.


Die nächste Dünung erreichte uns noch ungebrochen, so dass der Bug des Bootes angehoben wurde, womit sich das im Boot befindende Wasser zum grossen Teil über die Rückwand entleerte. Um vieles leichter legten wir an Speed zu, und kamen kurz darauf ins Gleiten.

Der Strand lag nun hinter uns, die BLUE PEARL vor uns.

Ausser den triefend nassen Kleider, einer verlorenen Sonnenbrille, und einem kleinen Anker, der nun irgendwo in der Brandung liegt, blieben wir schadlos.

"*Gott* sei Dank" hatte *Anita* mit Spritzwasser gerechnet, und die Foto und Filmausrüstung zusätzlich in Plastiksäcke verpackt......................

Die Fotosession wollte ich mir dennoch nicht entgehen lassen.


Nachdem wir den Sand aus allen unseren Körperteilen gewaschen, und uns neu eingekleidet hatten, machte ich mich auf den Weg in den Mast. Nebst den etwas dürftigen Bildern, die aus dieser Perspektive möglich waren, entdeckte ich auch noch eine angebrochene untere Wante, die dringend repariert werden musste.

Nach Einbruch der Dunkelheit erreichten wir in der geschützten Saftey Cove, in der wir bereits vor Wochen vor Anker gelegen hatten, womit für uns die Anfahrt bei Nacht nicht zum Problem wurde.


Der Bruch im Rigg war unerwartet, da wir in Kapstadt nebst diversen Verstärkungen an der Verstagung auch für genügend und die richtigen Ersatzteile gesorgt hatten, war der Schaden am nächsten Morgen schnell behoben.

Bei Gelegenheit wollen wir auch diese Wanten durch Dyform "einem stärkeren Produkt im selben Durchmesser ersetzen".

Am nächsten Nachmittag nahm ich mir in der Bucht vor Schouten Island den Aussenbordmotor vor.

Die Innenseite des Gehäuses war stark versandet.

Selbst die Kabelzüge für die Schaltung und das Gas, die im Schutz des Gehäuses angebracht sind, haben ihren Teil Sand abbekommen, was bestätigt, dass der Motor im Innern der Abdeckung völlig geflutet war, und dennoch nicht ernsthaft Schaden nahm...



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St. Paul

St. Paul (Robben Insel)

Wir entern den Vulkankrater

Im Zentrum des Hochs.

Im Süden von Australien

Ankunft in Tasmanien

Tasmanien / Burnie - Devenport - Georges Town

Tasmanien "Hobart"

Tasmanien Die "Russell Falls"

Trouble'....

Noch mehr trouble...


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