pearl
2002

03. Januar 2002  Matinique „St. Anne“


Mirjam und Herbert von der MEWA


Wie zuvor vereinbart, ist es uns am 18. Dezember gelungen, über das SSB Kontakt aufzunehmen mit Mirjam und Herbert von der "MEVA", die hier vor St. Anne vor Anker liegen.

Herbert hatte in dieser Zeit auch einen aktuellen Bericht in der Hompage für uns geschrieben, und brachte uns täglich Aktualitäten und News an Bord.

In der Nacht unserer Ankunft hatte er uns in die Bucht gelotst, und mit ihm und Mirjam haben wir in den frühen Morgenstunden mit einem Drink auf unsere Ankunft angestossen. Sie haben uns in den Ort, und in den Kreis ihrer Freunde eingeführt, was wesentlich dazu beitrug, dass wir uns hier schnell zu Hause fühlten.


09. Januar 2002

Le Marin


Täglich legten wir mit dem neuen Dingi die fünf Kilometer nach Le Marin zurück. Mit dem 15 PS MERCURY-Aussenborder bringen wir das Zodiac leicht zum Gleiten. Über die Wellen zu jagen, was meistens zu einem wilden Ritt ausartet, bereitet uns Spass, fordert uns aber auch einiges ab.

Le Marin bietet gute Versorgungsmöglichkeiten. Nebst Esswaren, die hier bereits spürbar teurer als in Spanien sind, fanden wir alles was Jachties so brauchen. In der Bucht liegen denn auch einige hundert Jachten, deren Eigner sich auf diese oder jene Weise versorgen und ausrüsten.


Geselligkeit und Hilfsbereitschaft sind hier unübersehbare Werte. So entstanden an vielen Orten in der Karibik Treffpunkte wo sich, wie hier oder in St. Anne, deutschsprachige Segler zum Sundowner treffen. Es wird über Schiffe und die Welt diskutiert, und für jedes Problem wird man mit mindestens ,einem’ guten Rat versehen, oder darf Anteilnahme und Beistand erwarten. Für die Hilfsbereitschaft unter Seglern zeugt auch die Erfahrung, die ich kürzlich in Le Marin gemacht hatte.

Nach gewohntem Höllenritt auf unserem Dingi, das bei Wellengang mit einem Rodeo vergleichbar ist, schulterte ich den Autopiloten von Raytheon, der in den letzten Tagen vor unserer Ankunft hier in St. Anne alle viere von sich gestreckt hatte. Die lange Schubstange in der Hand haltend, die Antriebseinheit im Nacken, fühlte ich mich wie Willhelm Tell mit Armbrust, oder Peter Reber mit seiner Gitarre.


Mit diesem Pack belastet, zogen wir denn auch aller Leute Aufmerksamkeit auf uns. Jederman vor Ort konnte unter dem Plastiksack den Autopiloten ausmachen. Wer hat sich nicht schon mit dem Autopiloten rumgeschlagen, tagelang Hilfe gesucht, weite Wege und Rückschläge in Kauf genommen. So wurden wir denn bald von einer französisch-sprechenden Frau mit Kindern angesprochen. Sie hatte erkannt wonach wir suchten, und erklärte uns den Weg zum Geschäftssitz von Raytheon. Ein deutsch sprechender Mann gesellte sich dazu. Er wusste zu berichten, dass bei Raytheon zurzeit keine kompetente Ansprechperson präsent wäre, da er soeben von dort komme.


Uns war am Vorabend beim Sundowner ,Carlos’, der aus Österreich stammende Schiffselektriker empfohlen worden. Wir hatten die Absicht ihn zu finden, und vertrauten seinem Können. Uns wurde der Weg zu Carlos’ Marine erklärt, und wenig später landeten wir vor der Marina, wo Dingis in Reihen vor dem kurzen Anlegesteg schwojten.

Kaum hatte ich den Autopiloten geschultert, erkannte man vom Steg her unsere Absicht. Bemerkungen, die Anteilnahme an unserem Malheur zum Ausdruck brachten, folgte der Hinweis, dass Raytheon nicht in diesem Teil des Hafens zu finden wäre. Wir jedoch waren fest entschlossen Carlos aufzusuchen, und kletterten über die vor uns liegenden Dingis zum Steg. Hier fragten wir nach Carlos’ Marine. Uns wurde zu verstehen gegeben, dass die beste Adresse für unser Problem bei Raytheon wäre. Unser Zögern wurde von einem Ehepaar bemerkt, welches uns erklärte, dass Carlos ihr Radio völlig zerstört, statt repariert hätte, und dafür auch noch viel Geld bekam. Hingegen hatte man ihnen bei Raytheon beim Problem mit dem Autopiloten Hilfe und besten Service geboten.


So fand denn unser Autopilot nach vergleichbar kurzer Odyssee den ‚rechten’ Weg. Einige Wochen später haben wir Carlos zur elektrischen Installation einiger neu eingebauter Geräte zugezogen. Er erwies sich als echter Kumpel. Wir hätten ihm auch ohne Zögern unser Schiffsradio anvertraut.



Besuch von Patrick


Am Montag Abend hatten wir unseren Sohn Patrick vom Flughafen abgeholt. Er wird die nächsten zwei Wochen mit uns verbringen. Vorgesehen ist, mit ihm in die Tobago Cays zu segeln, um dort in einem der schönsten Reviere der Karibik zu tauchen. An dessen Aussenriffen sind sogar Begegnungen mit Haifischen möglich. Vorerst haben wir uns jedoch von St. Anne nach Le Marin verschoben, um hier die Reparatur am Autopiloten abzuschließen.

Der Motor bekommt neue Sielendblöcke und die Welle wird um zehn Zentimeter gekürzt. Eine flexible Kupplung von VETUS wird eingesetzt, und der Motor dann neu ausgerichtet. Damit hoffen wir den Vibrationen ein Ende zu setzen, die uns plagen, seit die BLUE PEARL die Werft verlassen hat.

Die letzten Tage haben wir uns bestens erholt. Auch wenn uns lange Wege nicht besonders strapazieren, bleibt immer ein gewisses Schlafmanko.

Wir schätzen das freundschaftliche Verhältnis unter den Seglern, und beim Sundowner in einer Dorfkneipe stoßen täglich Neuankömmlinge zu uns, dem harten Kern. Es gibt Jachten, die schon bald zehn Wochen hier vor St. Anne liegen. Das spricht nicht zuletzt für die angenehmen Seiten dieses Ortes.

Zurzeit ist jedoch eine allgemeine Aufbruchstimmung auszumachen. Die verschiedensten Destinationen werden von den jeweiligen Crews genannt, und bald werden sie an ihrem Ziel mit alten und neuen Bekannten über Alt- und Neuerlebtes berichten. Auch uns treibt es weiter, voller Erwartung dessen, was uns die nächsten Wochen bringen werden.


In der Salina findet sich die Karibik


In diesen Tagen besuchten wir oft die Salina. Ein Strand, der vor dem ehemaligen, heute jedoch zum Teil trocken gelegten Entsalzungsfeld liegt. Der Palmengürtel, der den kilometerlangen halbrunden Strand säumt, findet sich als Objekt auf vielen Karten und Souvenirs wieder.

Hier hatte denn auch Patrick gefunden, wonach wir die Wochen zuvor vergeblich suchten.

Von vielen Karibik Illusionen befreit, fand er an diesem Strand das Ambiente, mit dem Karibikträume geschürt werden.


Insel Les Saintes


Die Inselgruppe ist südlich von Guadeloupe. Die wenigen Menschen die hier wohnen leben in schmucken Häusern. Alles ist auf Tourismus ausgerichtet. Mit dem Besuch des Fort Napoleon öffnete sich uns ein Stück Seefahrtsgeschichte.

In freier Natur können Leguane bewundert werden. Die verschiedenen Ankerbuchten sind sauber und laden zum Schnorcheln oder Tauchen ein. Uns öffnete sich hier eine Unterwasserwelt, die ihresgleichen sucht.




Nordwärts Mittwoch 17. Februar 2002

„Guadeloupe – Antigua – St. Maarten“


Am Mittwoch, dem 17. Februar, liefen wir in Le Marin aus in Richtung Grd. Anse d’Arlet.

Unterwegs mussten wir feststellen, dass die Lichtmaschine für die große Batteriebank ausgefallen war. Wir bauten die Lichtmaschine aus, und fuhren mit einem gemieteten offenen Jeep zurück nach Le Marin, um diese prüfen zu lassen. Ein Bruch in deren Wicklung veranlasste uns, am frühen Samstag Morgen, an den Ausgangsort zurückzukehren.

Als wir unmittelbar nach dem Ablegen feststellten, dass die zum Laden der Starterbatterie montierte Lichtmaschine unter gewissen Voraussetzungen auch 15 bis 20 Amper in die große Batteriebank lud, kehrten wir kurzerhand um, und setzten Kurs nach Deshaies, einer Bucht auf Guadeloupe.

Die spärliche Stromproduktion aus der sich noch im Einsatz befindenden kleinen Lichtmaschine, zusammen mit dem Windgenerator, der schon seit längerer Zeit angeschlagen ist, genügten, um unseren Bedarf bei sparsamem Verbrauch zu decken. Am Montagmorgen ging es weiter nach English Harbour auf Antigua. In diesem Naturhafen leitete Admiral Nelson ab 1784 die hier stationierte Englische Flotte.

Der Eindruck, den die stattlichen, massivgebauten Gebäude dieser Anlage auf den Besucher machen, ist überwältigend. Mir schwebte vor, dass jeden Moment das Leben in diesem als Museum gepflegten Ort, wie ich es mir zur Zeit Nelsons vorstelle, seinen Fortgang nehmen könnte.


Am Abend des 20. Februar machten wir uns auf nach St. Marten. Unser Ziel, die Simson Bay. Anfänglich glitten wir auf ruhiger See mit 7 –8 Knoten Wind und 4 Knoten Fahrt, gemächlich dahin. Um 20 Uhr informierte uns Herbert von der MEWA über SSB, dass zu dieser Zeit bereits schon Regenfronten über St. Marten hinwegpeitschten. Eine Viertelstunde später war es dann auch bei uns mit dem friedlichen Abend vorbei. Bei anhaltendem Wind von 30 –35 Knoten refften wir das Groß auf halbe Größe, und setzten anstelle der Genua den Kutter, mit weniger als zwanzig Quadratmeter Segelfläche. Die BLUE PEARL wurde von den Wellen, die bei halbem Wind von Steuerbord kommend auf unsere Luvseite stießen, hochgehoben, und ließ diese ohne geringste Einbusse an Stabilität unter sich hindurchgleiten. Die Wellen, die schon im Begriff waren zu brechen, schlugen mit ihren weißen Wassermassen an den Rumpf, stiegen hoch, und stürzten auf das Deck nieder.

Kaum auf diese Verhältnisse ansprechend, hielt unser Schiff bei teilweise stockdunkler Nacht Kurs auf die Simson Bay. Um wenige Minuten verpassten wir die um 9.30 Uhr geöffnete Brücke, und somit den Zugang zur Lagune in der Simson Bay. Die Brücke öffnete jedoch bereits zwei Stunden später wieder. Nebst vielen anderen Schiffen, die mehrheitlich die letzte Nacht in der Marigot Bay gelegen hatten, und dort von über drei Meter hohem Schwell überrascht wurden, reihten wir uns ein, und setzen in die Lagune über. Auch in der Lagune, so vernahmen wir, waren in der Nacht Schiffe abgedriftet, weil ihre Anker nicht gehalten hatten.

Selbst zur Mittagszeit hatte das Ankern im dichtbesetzten Ankerfeld bei bis dreißig Knoten Wind so seine Tücken.


#qs_975 #qs_974 #qs_973 #qs_976 #qs_977


US Virgins 27. Februar 2002


Am Mittwoch dem 27. Februar hatten wir uns in St. Martin, wo wir einige Tage in der Lagune vor Anker lagen, von Herbert und Miriam verabschiedet, für sie ist dort Wendepunkt. Auch für Hugo, der auf SSB die „Hugo - Runde“ führt, wird auf Höhe der Virgens in Richtung Süden wenden. Die meisten Jachten segeln nicht weiter in den Norden, als Virgin Islands.

Inzwischen liegt St. Croix , eine Insel die zu den US. Virgins gehört bereits hinter uns. Die Insel St. Thomas (St, Thomas Harbor) war unser nächster Anlaufpunkt. Die Imi - & Emigration arbeiteten hier im Gegensatz zu St. Croix im Schnellverfahren. Uns graute schon vor den Klarierungsprozederen, die uns auf US-Territorium zu erwarten schienen.


Auffallend an diesem Ort ist der lange Steg, der drei grossen Kreuzfahrschiffen Platz bietet, und täglich von solchen benutzt wird, damit werden der Stadt viele tausend Gäste beschert.

Juwelier - Schmuck und Souveniersshops sind entsprechend vertreten. Morgen werden wir uns in einem Schlag auf den Weg nach der 500 Meilen entfernten „Great Inagua Island“ machen. Unser erster Anlaufpunkt auf den Bahamas. Dabei bleiben die auf Backbord liegenden Inseln „Puerto Rico – Dominikanische Republik und Haiti“ unbesucht. Anstelle von Cuba werden wir durch die Bahamas segeln. Die Bahamas sind aus Sicht der Navigation anspruchsvoller. Nachtfahrten kommen in diesem Gebiet auf Grund der vielen Flachwasser und Untiefen nicht mehr in Frage. Ankünfte nach dem Dunkelwerden möchten wir vermeiden.


Uns bleibt dafür die Unsicherheit bezüglich dem Verhalten der US-Behörden gegenüber einer nicht in Cuba stationierten Jacht erspart. Die 700 Meilen von Great Inagua Island bis zu den Florida Keys sollten in ca. acht Etappen zurückgelegt werden, so dass wir rechtzeitig „noch vor Ende März“ in Naples zu unserer Verabredung mit Toni & Arlette Steiner eintreffen. Anfang Mai werden wir möglicherweise zwischen Georgia und Philadelphia Marcel und Frieda Hiltmann treffen.

Details dieser Etappe sind jedoch noch nicht geplant.


Bahamas Mittwoch 6. März 2002

Great Inagua Island – Acklins Island – Crooked Islands – Rum Cay – Great Exuma Islands bis Cat Islands


Vorgestern Abend sind wir in Great Inagua angekommen. Die Insel mit ihrer kleinen, wenige hundert Einwohner zählenden Stadt, dem „International Airport“. Eine ca. zwanzig Meter lange, eingeschossige Bauruine markiert den Ort, wo dereinst die Fluggäste abgefertigt werden sollten. Das Strassennetz der Insel verfügt über etwa, die Dorfstrassen mitgerechnet, zehn Kilometer befestigte Strassen. Eine im Verhältnis zur Grösse der Insel erstaunliche Anzahl Fahrzeuge, die meisten schwere Jeeps, zum Teil mit Brücken, säumen die Strassen.


Alle Neubauten, von denen sich zurzeit noch etliche im Bau befinden, sind mit Doppelgaragen ausgestattet. Die Bewohner scheinen an dem Dieselkraftwerk, das mitten im Dorf , ununterbrochen dumpf röhrt, und den entsprechenden Abgasen, kein Anstoss zu nehmen. Im Gegensatz zu den vielen Landfahrzeugen, sind kaum Schiffe auszumachen. Wir sind an der geschützten Westküste weder auf Fischer, noch auf einen Hafen gestossen. Great Inagua verfügt in seinem Zentrum über einen einmalig sauberen Sandstrand, und glasklares Wasser, ein Anlegesteg für Bewohner oder Besucher fehlt. Wie kommt es, dass in diesem Ort das Leben auf den wenigen Strassen pulsiert, und die See, die sich traumhaft schön in türkis bis tiefblau präsentiert , von den Bewohnern kaum beachtet wird.


Great Inagua ist eine der Inseln, wo in die Bahamas einklariert werden kann. Für das Permit, das uns bis ein Jahr Aufenthalt in diesem Teil der Karibik gestattet, wurden uns hundert Dollar abgenommen. Nachdem wir am 6. März den Ort und die Umgebung mit unseren Fahrrädern erkundigt hatten, machten wir uns abends um elf auf den Weg zu dem achtzig Meilen entfernten Acklins Island.


An diesem Abend war eine weitere Jacht an der Westküste von Great Inagua eingetroffen, ansonsten trafen wir in diesem Teil der Bahamas auf keine weitere Fahrtenschiffe. Kaum hatten wir aufgeankert, mussten wir feststellen, dass unser Autopilot ein weiteres Mal defekt war. Die nächsten achthundert Meilen bis Florida werden wir von Hand steuern. Acklins Island begeistert mit seiner vielfältigen Unterwasser Fauna. Unsere Schnorchel Expedition wird von Barrakudas beobachtet, an die Begegnung mit den Revierherrschern dieser flachen Küstenstreifen werden wir uns in den nächsten Tagen noch gewöhnen. Wie schon gewohnt lagen wir allein in der Bucht. Einige Taucher, die auf Lobster aus sind, liegen etwa drei Meilen nördlich von uns vor Anker.


Zwei von ihnen hatten uns besucht, und uns nach den Wetteraussichten gefragt. Von ihnen erfuhren wir, dass sie mit ihren offenen Booten von dem vierzig Seemeilen entfernten Long Island herüber gekommen sind. Dies sei ihr erster Versuch, hier Lobsters zu fangen. Die Überfahrt mit mehr als zehn Fuss hohen Wellen muss es in sich gehabt haben, laut ihres Berichts, wurde ihnen dabei einiges abverlangt. Die Überfahrt nach Crooked Island verlief ruhig. Es waren zehn Knoten Wind angesagt, in Wirklichkeit waren wir mit halbem Wind und zum Teil über fünfundzwanzig Knoten unterwegs. Meilenweit säumt ein weisser Sandstrand die zum Ankern bestens geeignete Westküste von Crooked Islands. Das Wasser der Bucht, in dessen weissen Sand sich die Sonne reflektiert scheint glasklar.


Kleine Koralleninseln mit ihren Bewohnern bedecken einen Teil des Bodens. Die bunten Wohngemeinschaften, die sich aus den verschiedenartigsten Fischen in allen Farben zusammensetzt, stehen in Leuchtkraft und Farbe, den bunten Gewächsen ihres Wohnsitzes um nichts nach. Wieder wurden wir von einem Barrakuda beobachtet, der uns ständig auf den Fersen blieb, und nur kehrt machte, wen man auf ihn zuschwamm. Die Bewohner des kleinen Dorfes wahren freundlich, im Dorfladen mit etwa fünfzehn bis zwanzig Quadratmeter Fläche, gibt es wöchentlich nach Eintreffen eines Versorgungsschiffes Frischwaren. Bei unserem Besuch war Samstag Abend, also geschlossen.


Auf Grund unserer Recherchen durch die verglaste Tür, konnten wir feststellen, dass der Besuch des Versorgungsschiffes überfällig war. Das Sortiment der in Holzgestellen zum Verkauf angebotenen Güter war kaum zu vergleichen, mit den Schätzen, die sich zum grossen Teil noch in Europa oder Kapstadt zu günstigen Preisen eingekauft in den Stauräumen der BLUE PEARL befinden. Weiter ging es zum 55 Seemeilen nordwestlich liegenden Rum Cay, wo wir am Sonntag Abend eintrafen. Am Rand der menschenleeren Dorfstrasse türmte sich Schutt, Matratzen, ausgeschlachtete Autos, und vieles mehr. Damit ging auch unsere Stimmung bachab. Wir fuhren mit unserem Dingi zurück, zurrten das Beiboot am Heck der BLUE PEARL fest, so dass wir den Ort am frühen Montag morgen verlassen konnten. Als nächstes lag Great Exuma Island in unserem Bereich. Die östliche Zufahrt war recht anspruchsvoll. In diesem Zusammenhang brachten wir mit unserem Kiel einige Korallenstöcke zu Fall, die auch sichtbare Spuren in dessen Antifouling hinterliessen.

In der riesigen Bucht vor dem bescheidenen Ort Georgs Town, lagen einige Hundert Jachten vor Anker. Infrastruktur und Jachtservice waren kaum vorhanden. Der Dorfladen „Supermarkt“ war ziemlich ausgeschossen. So gab es denn weder Frischprodukte, noch Jogurt zu kaufen. An den langen Stirzeln des Kabis, der nebst einigen Rüben und unansehnlichen Kartoffeln noch im Angebot war, konnte man leicht feststellen, wie oft die äussersten Blätter schon entfernt wurden. Die Inselkette, die sich nordwestlich bis Cat Island erstreck, hat es denn auch in sich. Unzählige Ankerbuchten, und glasklares Wasser laden zum Verweilen ein. Hier, abseits aller grossen Ansiedlungen, hätten wir unserem Unternehmen gerne noch einige Wochen angehängt.


Da die Versorgung in dieser Region dürftig, und zudem sündhaft teuer ist, empfiehlt es sich für Fahrtensegler, in der USA, oder wie wir, vom Süden herkommend auf den französischen Inseln für die Zeit durch die Bahamas mit allem Nötigen zu versorgen. Eine kleine Episode ereignete sich beim Ankern in der Farmers Cay, einer kleinen, mit vielen Untiefen durchsetzte Bucht. In unserem umfangreichen Kartenmaterial konnte ich feststellen, dass die Wassertiefe im Teil der Bucht in dem ich zu Ankern gedachte von neun auf zwei Fuss, also von 2.7 auf 0,6 Meter abnahm. Das Boot machte noch leicht Fahrt vorwärts, ich war mit dem Klarieren des Ankers beschäftigt, als wir einen leichten Ruck verspürten, und festsassen. Mit dem Motor konnte ich das Schiff um 180° wenden, es jedoch nicht freikriegen. Wir hatten bereits das Schlauchboot gewassert, und wollten den Anker ausbringen, um uns damit Freizuziehen, als ich spürte, dass unser Schiff wieder frei schwamm. Durch den Tidenhub hatte es uns in diesen paar Minuten um einige wenige Zentimeter angehoben.


Anschliessend machten wir den Fehler ein zweites Mal über untiefem Grund zu ankern. Beim darauf folgenden Schnorcheln bemerkten wir, dass unter dem Kiel kaum mehr als zwanzig Zentimeter Wasser war. Schon bald setzte ein starker Tidenstrom ein, der uns noch weiter auf die Sandbank versetzte. Einige Male spürten wir bereits Grundberührung auf dem weichen Sand. Ein Blick in unser Tidenprogramm zeigte, dass wir uns dem höchsten Tidenlevel näherten, und in den nächsten sechs bis acht Stunden ein Tidenfall von achtzig Zentimeter zu erwarten war. Der Crew des in der Nähe geankerten Kats, die schon beim ersten Festsitzen ihren Spass hatten, konnten wir unmöglich eine weitere Freude machen, also ankerten wir auf, und setzten das Schiff mitten in die Einfahrt, auf vier Meter Wassertiefe. Warum nicht schon das erste Mal??


Am nächsten Abend in der Highborne Cut, einer weiteren Bucht mit einem kleinem Hafen für etwa zwanzig Schiffe war ich wieder vorsichtiger. Ich drehte eine Runde auf dem vorgesehenen Ankergrund, bevor wir den Anker fallen liessen, was uns aller bekannten Probleme enthob. Mit Flossen und Schnorchel machte ich mich zu einem Besuch des etwa fünfhundert Meter entfernten Hafens auf den Weg. Anita, die ich dazu bewegen wollte, mich zu begleiten, verzichtete darauf. Der Hafen war dann wirklich eine Idylle, nebst drei, vier Segelbooten waren ausschliesslich mittelgrosse Luxusjachten vertäut, ein kleiner Kiosk mit Gartenrestaurant gab dem ganzen eine heimelige Atmosphäre.


Unter für diese Region selten grossen Bäumen waren zwei Frauen „Angestellte einer der Jachten“, damit beschäftigt einen grossen Tisch zu decken. Am anschliessenden Sandstrand warfen sich zwei Jugendliche einen durch die Luft heulenden keulenähnlichen Gegenstand zu. Ich war im Begriff, mich auf den Rückweg zu machen, und hatte mich noch kaum vom Ufer entfernt, als mir in etwa zwei Meter Wassertiefe ein Hai entgegenschwamm. Erschrocken verharrte ich, der Hai drehte ab, einen kurzen Augenblick musterten wir uns, der grosse dunkelgraue Körper des Tiers versetzten mich in Erstaunen, nie hätte ich gedacht, in dieser Region einem derart grossen Hai zu begegnen. Sein kleines Auge schien mir ausdruckslos.

Irgend etwas an seinem Kopf veranlasste mich zu denken, dass es sich um ein altes Tier handeln müsse. Langsam drehte er ab, und verschwand mit leichten Schwanzbewegungen im zunehmenden Dunst der Entfernung. Unbewusst hatte ich mich während dieser Begegnung, den Hai nicht aus den Augen lassend auf den Rücken gedreht, und die beflossten Füsse zwischen mich und ihn gebracht. Als dieser nun weg war, schwamm ich zurück ans Ufer, mir war alles andere als wohl dabei. Im Hafen erklärte ich einem in Armylook gekleideten grossen dicken Mann, dass ich auf einen Hai getroffen bin, und fragte, ob dieser für mich als Schwimmer zu einem Problem werden könne.


Der Mann bestätigte mir das Vorkommen von Haien, diese seien aber kein Problem. Mir blieb nichts weiter übrig, als ihm zu glauben, und machte mich ein weiteres Mal auf den Weg zum Schiff. Ich wusste nicht, was mich in den nächsten Minuten erwarten würde, ich hatte mir die erste Begegnung mit einem Hai beim Tauchen vorgestellt, mich ruhig verhaltend, möglicherweise im Schutz von Felsen oder eines Riffes. Nun platschte ich durch fünf bis sechs Meter tiefes Wasser, für einen hungrigen Hai wie auf dem Präsentierteller, ohne mich im Falle eines Angriffes wehren zu können.

Wie ein Sperber beobachtete ich das Wasser auf allen Seiten, und versuchte den Schleier der Entfernung zu durchdringen. Unversehrt erreichte ich das Schiff, und war erstaunt, dass der Hai kein weiteres Interesse an meiner Anwesenheit gezeigt, oder sich selbst möglicherweise bereits weit vom Ort unseres Treffens entfernt hatte. Heute weiss ich noch weniger als vorher, ob die Furcht vor Haien begründet, oder unangebracht ist. Ein gehöriger Respekt vor diesen Tieren bleibt nach dieser Begegnung allemal.


#qs_978 #qs_979


Nassau – Bimini Islands 14. März 2002


Am Morgen des 14. März machten wir uns auf die Überfahrt nach Nassau. Vom Ort, an dem wir die Nacht verbracht hatte, bis Nassau waren vierzig Meilen flaches Gewässer von höchstens sechs Meter Tiefe zu durchqueren. Viele Korallenbänke und Untiefen mussten umfahren werden. An diesem Morgen trafen wir auf ein Dutzend Jachten, die sich anschickten, dieses Gewässer zu queren. Kaum acht Stunden von Nassau entfernt ist Great Exuma mit ihrer entlang des Exuma Sounds nach Nordwesten ausgedehnten Inselkette, ein Paradies für Segler. Unser Kartenset, das bereits zwanzig Jahre alt ist, zeigt in Nassau von Osten her keine Durchfahrt in den Hafen, dazu war dieser Teil laut Karte geradezu verseucht von Untiefen. Wir waren überrascht, dass dieses Gebiet von verschiedenen Jachten zielstrebig befahren wurde. Wir suchten uns einen Weg weiter im Norden, um den Hafen durch die westliche Einfahrt anzulaufen.


Wir mussten dann feststellen, dass die Brücke, die nach unserer Karte einst den Hafen trennte, in den letzten Jahren entfernt, und mit zwei zwanzig Meter hohen Bogenbrücken ersetzt wurde. Am Morgen des 15. März unterquerten wir dann die Brücken, um im östlichen Teil des Hafens Diesel zu bunkern. Gespannt fuhren wir mit unserem etwa neunzehn Meter hohen Mast ab Wasserlinie auf die Brücke zu. Beim unterqueren schien uns, der letzte Meter über dem Mast reduziere sich auf wenige Zentimeter. An diesem Vormittag brachten wir unseren Mercury Aussenbordmotor zur Reparatur. Einer der Zylinder hatte starke Aussetzer. Der Mechaniker fand als Ursache die Elektronik der Zündung, konnte sie jedoch nicht ersetzen, weil es sich bei unseren Motor um ein europäisches Modell handelt, und diese Ersatzteile in Amerika nicht lagernd sind.


Anita wollte sich nicht geschlagen geben, und besorgte sich bei einer Konkurrenzfirma in der Nachbarschaft nach den genauen Angaben des Mechanikers das Ersatzteil, das in fünf Minuten eingebaut war. Tatsächlich war damit auch die Störung behoben. An jenem Abend machten wir uns auf nach Bimini Islands. Vor uns lagen 115 Seemeilen, davon etwa 80 durch die Great Bahama Bank, ein hunderte von Quadratkilometer grosses Gebiet mit vielen Untiefen, und grössten Tiefen von kaum drei Faden „fünf bis sechs Meter“.


Noch in der Nacht erreichten wir deren Anfang der Bank, der auf dieser Route mit einer Boje mit Blitzlicht markiert ist. Aufmerksam navigierten wir durch die nahen Untiefen, was von Hand gesteuert, ohne Autopilot und Wegpunkte grosse Sorgfalt voraussetzte. Am Abend erreichten wir Bimini, wo wir auszuklarieren gedachten. In der Immigration sagte man uns, wir brauchten nicht auszuklarieren, die Emigration sei aber drei Häuser weiter, wenn wir es dennoch tun wollten. Und ob wir es wollten! In der Emigration erklärten wir dem schwarzen Beamten, „alle Bewohner der Insel sind schwarz“, unsere Absicht. Die Frage, ob wir ein Permit nach Florida „Key Largo“ wollen, bejahten wir.

Solches wurde uns ausgestellt, und dafür 34 US$ kassiert. Ausklarieren wollte er uns nicht, wir sollen das Permit, das uns beim einklarieren auf Inagua ausgestellt wurde, einfach per Post nach Nassau zu einer auf dem Dokument vermerkten Adresse schicken. Langsam bemerkte ich, das Dokument, das uns ausgestellt wurde und aussieht wie ein Diplom, ist überflüssig, mit dem sich noch in unserem Besitz befindenden Dokument der Bahamas fällt es uns leicht in der USA unsere Herkunft zu dokumentieren. Ist es möglich, dass wir ausgenommen wurden?


Uns blieb nicht weiter als gute Mine zu diesem Spiel zu machen.

An dieser Insel beschränkt sich das Strassennetz auf den Ort selbst, und besteht neben der Hauptstrasse, aus einer parallelen Nebenstrasse. Wie auf anderen Inseln sind hier auffallend viele schwere Jeeps anzutreffen. Im Gegensatz zu diesen begnügt sich der Rest der Einwohner mit leichten Elektro Golffahrzeugen. Täglich landet ein Wasserflugzeug, dasselbe das wir schon in Nassau gesehen hatten. Der Platz, an dem es aus dem Wasser fährt, um die Passagiere ein und aussteigen zu lassen , ist mit International Airport beschriftet. Zum Teil leben die Bewohner von den Hafenanlagen, die vielen kleinen Motoryachten Platz bieten. Amerika ist mit diesen schnellen Gleitern in wenigen Stunden zu erreichen. Auch für uns ist es Zeit, uns auf den Weg in Richtung Florida Keys zu machen.



Key West 20. März 2002


Am Abend des 20. März sind wir in Key West, dem südlichsten Punkt der USA eingetroffen. Hier in der USA gilt ein streng zu befolgendes Einklarierungsprozedere, von dem wir als Greenhörner natürlich nichts gewusst haben. So überraschten wir denn die zuständigen Beamten mit unserer Anwesenheit in ihren Ämtern. Schon einmal da, war es ihnen nicht mehr möglich, mit uns ihr gewohntes Ritual durchzuführen. Wir wurden von dem freundlichen Beamten am Schalter des Customs über die üblichen streng einzuhaltenden Gepflogenheiten aufgeklärt. Weil wir zum ersten Mal mit einem Schiff in der USA eingetroffen sind, und er uns die Überraschung über das Gehörte von den Gesichtern ablesen konnte, machte er sich an die Arbeit, unseren Fehler zu korrigieren.


Er rief das Gesundheitsamt an, erklärte unser Malheur, und fragte in deren Auftrag, ob wir Fleisch, Obst oder Gemüse von den Bahamas, oder gar einen Gefrierschrank mit solchen Dingen mit uns führen. Da an Frischwaren nur eine Peperoni an Bord hatten, erübrigte sich der Besuch des Gesundheitsbeamten auf der BLUE PEARL. Die Immigration wurde auf die selbe Weise über unsere Anwesenheit informiert. Auch der Beamte, den wir dort vorfanden war sehr freundlich. In kurzer Zeit waren wir einklariert. Wir können nun für ein Jahr mit der BLUE PEARL jeden Ort auf den US. Wasserwegen bereisen. Jeweils bei der Ankunft in einem Hafen müssen wir an eine uns gegebene gratis Telefonnummer rapportieren, diese Massnahme ist, wie viele andere Sicherheitsvorkehrungen auf das Attentat vom 11. September zurückzuführen. Hier in Key West versuchten wir ein Natel mit der 1900-Frequenz zu kaufen, und einige e- Mails abzusetzen.


Bis am Abend waren wir fünf Stunden zu Fuss unterwegs, ohne auch nur einen Teil unseres Vorhabens umgesetzt zu haben. Natels mit Simkarte, damit die Karte unseres Schweizer Handys darin eingesetzt werden kann, gibt es in Key West nicht. Ebenso taugten die Internetshops die wir fanden nichts, dem einen fehlte die Verbindung, oder die Übertragungsleistung war zu schwach, bei einem weiteren waren die Rechner abgeschlossen, so dass keine Disketten eingesetzt werden konnten, bei einem weiteren wurden wir nach Absetzen des ersten Mails aufgefordert zu gehen, weil der Shop in einen Supermarkt integriert war, und dieser um sechs Uhr geschlossen wurde. Uns blieben schmerzende Füsse, und Anita hatte diesen Effort mit einigen Blasen, ausgelöst durch neue, ungewohnte Schuhe zu bezahlen. Als positiver Effekt lernten wir viele Strassen und Winkel abseits der für die Touristen aufgepuschten Attraktionen kennen. Wir kreuzten das Hemingway Haus, den Leuchtturm, sahen das Little White House, in das sich Präsident Truman mit seinem Mitarbeiterstab gerne zurückzog, die Sloppy „Joes Bar“ in der schon Hemingway verkehrte, und vieles mehr.


Vom kleinen Bürgerhaus bis zur ansehnlichen Villa sind die meisten Häuser als Holz- Fachwerkbauten erstellt, und datieren zum Teil weit in das letzte Jahrhundert zurück. Nachdem ab 1880 die goldigen Zeiten des wrecking vorbei waren, gelang es den Bewohnern von Key West mit zwei neuen Industriezweigen, dem Ernten von Schwämmen aus den flachen Gewässern, mit denen sie zu jener Zeit neunzig Prozent des Amerikanischen Bedarfes deckten, und der durch kubanische Immigranten eingeführten Zigarrenindustrie, ihren Wohlstand noch einige Jahre beizubehalten. Durch die Produktion künstlicher Schwämme, kam die Schwammindustrie zum erliegen, eine Feuersbrunst vernichtete die Zigarrenindustrie, und ein Hurrikan zerstörte 1935 die Eisenbahnverbindung. Zu dieser Zeit lebten 80% der 12000 Einwohner von der Wohlfahrt. Key West verkam, und erst Ende der fünfziger Jahre wurde in die Räumung und Instandstellung der Stadt investiert, so dass der Tourismus wieder dorthin zurückfand.


Am 22. März um 10.30 Uhr hoben wir den Anker vor einer kleinen Key West vorgelagerten Insel, vor der wir mit der BLUE PEARL zwei Tage gelegen waren. Unser Ziel Naples, wo wir Arlette und Toni Steiner besuchen wollten.


#qs_980


Die BLUE PEARL vor dem Regenwald


Nun sind wir mit meiner ältesten Schwester und ihrem Mann unterwegs. Alle Reparaturen wurden abgeschlossen und Ruhe ist wieder eingekehrt. Wir geniessen die Ferien. Nachdem wir uns in Fort-de-France mit Lebensmitteln versorgten, und in Le Marine Diesel und Wasser gebunkert hatten, hoben wir den Anker und versetzten uns in die Grande Anse d’Arlet Bucht.

Die BLUE PEARL war wieder flott und wir genossen die Fahrt unter Segeln. Die Bucht geizte denn auch nicht mit ihren Reizen. Das einfache Dorf mit seinen freundlichen Bewohnern bietet den Ankerliegern bescheidene Versorgungsmöglichkeiten, sowie einige kleine Gaststätten.


Dieser weisse Reiher ist mit uns von Martinique nach Dominica gereist. Möglicherweise wollte er in den dortigen Indian River im Regenwald, den auch wir besuchten, dislozieren.


Besuch im Indian River


Nach einem kurzen Aufenthalt in Fort-de-France (Martinique), besuchten wir den Regenwald in der Prinz Rupert Bay auf Dominica. Auf dem Weg dorthin landete ein Reiher auf der BLUE PEARL. Der weisse Reiher ist anschliessend mit uns von Martinique nach Dominica gereist. Möglicherweise wollte er in den Indian River im Regenwald dislozieren, den auch wir vorhatten zu besuchen.

Schon weit ausserhalb des Ortes kam uns „Spaghetti“, ein Farbiger mit seinem Holzboot mit kräftigem vierzig PS Motor, entgegen. Er bot uns eine Bootsfahrt im Indian River an. Der Reiher, der sich durch diesen unerwarteten Besuch gestört fühlte, hob ab und zog seine Warteschlaufen über dem Schiff.

Auch wir konnten uns in den Elementen der See nicht auf ‚Rivers’ einstimmen, und verwiesen Spaghetti auf später. Der Reiher setzte dann wieder zur Landung an und nahm seine gewohnte Position auf dem Vordeck ‚als Fahrgast’ wieder ein.

Beim Ankerplatz in der Rupert’s Bay wartete Spaghetti bereits auf uns. Er musste sich aber weiter gedulden bis die BLUE PEARL sicher vor Anker lag. In der anschliessenden Verhandlung einigten wir uns, dass er uns für US$ 40, für eine eineinhalbstündige Bootsfahrt in den Indian River rudern würde.

Die dann erlebte Naturkulisse mit vielen Mangrovenbäumen, Bambusbüschen und Palmen war einmalig. Viele Pflanzen, die sich in unseren Wohnungen finden, sind hier in freier Natur zu bestaunen. Hat unser Reiher, der sich in der Zwischenzeit auch vom Schiff abgesetzt hatte, unsere Gastfreundschaft genutzt, um hierher zurückzukehren? Oder war er wie wir aus Fernweh in ferne Gefilde aufgebrochen? Für uns blieb es ein Rätsel.


Guadeloupe


(Die hiesigen Gegebenheiten können nur schwer mit europäischen Verhältnissen verglichen werden.)

Die Karibik hat verschiedene Gesichter. Moderne Ferienresorts und ärmliche Wohnviertel in deren unmittelbaren Nachbarschaft sind keine Seltenheit. Die Bewohner von Guadeloupe sind sehr freundlich und scheinen mit ihren Lebensumständen zufrieden zu sein.

Hier werden die Ankerlieger nicht von Händlern belästigt, die Lobster, Fisch, Früchte und Brot im Angebot haben, und nicht müde werden, mit ihren Booten die Jachten zu umkreisen, wie es auf den südlicheren Inseln üblich ist. Allerdings sind auch hier, verglichen mit der Schweiz, gehobene Preise an der Tagesordnung.


Donnerstag 31. Januar


Am Donnerstag, dem 31. Januar, verliessen wir diesen schönen Ort in Richtung Martinique, um Romy und Jürg zurück an den Ausgangsort zu bringen. Um die Mittagszeit hoben wir in der kleinen Bucht, mit wenigen Häusern und nur einem Hotel, den Anker. Wir hatten uns am frühen Morgen zum Schnorcheln an diesen Ort verholt, nachdem wir dort am Vortag eine ausserordentlich vielfältige Unterwasserfauna mit einer Artenvielfalt an Fischen und anderen Lebewesen ausgemacht hatten.

Die Überfahrt nach Dominica war hoch am Wind, mit ca. zehn Fuss hohen Wellen, recht happig. Im Lee von Dominica reduzierte sich der Wind dann zeitweise auf wenige Knoten. Mit Unterstützung des Motors konnten die Flauten überwunden, und zeitgleich die Batterien, die vom Ankerliegen noch im Minus waren, aufgeladen werden. Beim letzten Tageslicht hatten wir Dominica gequert und machten uns an die zum Atlantik hin offene Überfahrt nach Martinique. Schon bald hatte uns die starke Dünung, mit kurzem, jedoch sicher zehn Fuss hohem Schwell erfasst.

Anita, die für die Navigation zuständig war, hatte uns einen Kurs hart am Wind verordnet. Die ersten Einsteiger liessen dann auch nicht lange auf sich warten. Ab und zu hob sich der Bug der BLUE PEARL aus den Wellen. Das Spritzwasser, das beim harten Einsetzen in die Höhe stieg, fand mit dem starken Wind meistens den Weg ins Cockpit.

Der nach zwei Stunden aufsteigende Mond, der seit dem letzten Vollmond noch nicht viel von seiner Grösse verloren hatte, setzte die Szene in gleissendes Licht. Auch er konnte jedoch nicht verhindern, dass weiterhin Wasser den Weg ins Cockpit der sonst meist trocken segelnden BLUE PEARL fand. Dort blieben denn trotz Sprayhood und Sonnendach nur wenige Stellen trocken.

Nun liegen wir wieder im Ankerfeld von Le Marin. In den nächsten Tagen wird die Heizung in die BLUE PEARL eingebaut, bevor wir uns dann endgültig in Richtung Florida absetzen werden.

Bimini Islands - Florida  17. März 2002


Am 17. März abends um neun hoben wir den Anker vor Bimini Island, mit Ziel Key Largo. Vor uns lagen achtzig Meilen, die wir bis spätestens am Mittag des 18. März zurücklegen wollten. Schon bald spürten wir den Golfstrom, der gegen die Mitte der Überfahrt bis über vier Knoten Stärke in nördliche Richtung erreichte. Aus achtzig Meilen wurden deren hundertachtzehn. Noch immer war unser Autopilot nicht einsetzbar, und wir steuerten wie schon seit einigen hundert Meilen von Hand, was bei solch happigen Etmals leicht zum Überdruss führen kann. Wir waren dann auch wirklich geschafft, als abends nach sieben Uhr in der Nähe von Key Largo der Anker fiel. Ein Gespräch mit einem in der Nähe ankernden Seglerehepaar, liess trotz gegenteiliger Information aus Handbüchern vermuten, dass in Key Largo nicht einklariert werden kann. Am nächsten Morgen entschieden wir uns, weiter nach Key West zu segeln. Da das landnahe Gebiet stark mit Untiefen durchsetzt war, hielten wir Abstand vom flachen Wasser, das teilweise bis acht Meilen vor die Küste reichte.


Die Korallenriffe und Untiefen um Key West führten denn auch dazu, dass nachdem 1822 in Key West die amerikanische Flagge gehisst wurde, und Flottillenadmiral David Porter zehn Jahre später die Freibeuter vertrieben hatte, die Bevölkerung auf etwa 3000 Bewohner anwuchs, die fast alle vom wrecking, dem Ausschlachten der aufs Riff gelaufenen Schiffe lebten. In jener Zeit entwickelte sich deren pro Kopf Einkommen zum höchsten der Vereinigten Staaten. Die Zeiten änderten sich, als ab1880 sechs Leuchttürme die Riffs vor den Keys markierten, und damit eine einträgliche Quelle versiegte.


Heute ist das Riff, das sich von Miami 240 km nach Südwesten erstreckt, und dessen Wachstum durch den Golfstrom ermöglicht wurde, durch die Zivilisation bedroht. Wir hatten das Fischen in den flachen Gewässer der Bahamas eingestellt, nachdem der Fang dort vorwiegend aus Barrakudas bestand, deren Nahrung zum Teil aus Riffischen besteht, die Ciguatera aufweisen und deren Gift sich in den Raubfischen sammelt. Infolge dieser Krankheit sollte dieser Fisch nicht auf den Teller kommen. Wie wir auf dem Fischmarkt in Nassau, an dem vorwiegend Schwarze Kunden einkaufe, feststellten, werden dort Baracudas zu Haufen angeboten, und auch verkauft. Jetzt in den tiefen Gewässern vor Florida schleppten wir im Heck der BLUE PEARL die etwa sechzig Meter lange Nylonleine, mit dem neuen Köder, den ich mir in Nassau gekauft hatte.


Es dauerte dann auch nicht lange, und eine prächtige Dorado stieg an der Angel aus deren Heckwasser. Das war seit der Atlantiküberquerung die erste Dorado, eine willkommene Abwechslung auf unserem Speiseplan. Den nächsten Halt machten wir vor Marathon. Hier fand sich ein Hafen für kleinere Schiffe, dessen Zufahrt durch eine mit Bojen und Lichtern markierte Fahrrinne, entlang der mit Mangroven gesäumten Lagune führte. Wir suchten den Ort mit dem Dingi auf, nachdem wir in den Büchern von Jimmy Cornell lesen konnten, dass hier Einklarieren möglich sei. Nach dem an sich anmutigen Hafen, der wie auch die Hafen in den Bahamas auf Pfähle gebaut ist, treffen wir auf eine riesige Mobilhome Anlage. Die mehr oder weniger bejahrten Gefährte, Wohncontainer und deren Vorbauten hinterliessen einen etwas wilden Eindruck. Die anschliessenden Kleingewerbe waren dann zum grossen Teil als unordentlich oder abgerissen zu bezeichnen. Durch eine mit einfachen Häusern gesäumte Strasse, trafen wir auf den Oversea Highway, dessen Brücken wir schon vielfach aus der Ferne bestaunt hatten.


Dieser Anblick wirkte wie ein krasser Schnitt in einer Filmsequenz. Unverhofft standen wir neuen Dimensionen gegenüber. Von rechts säumten eine Reihe mit schweren Drähten behangene Kandelaber die breite, jedoch nicht übermässig stark befahrene Strasse, nach links war die Sicht frei, auf ein Kilometer langes Viadukt. Gegenüber vor der Brücke eine grosse Tankstelle mit Shop. Dieser Eindruck war für mich so unerwartet, dass ich mich damals in der einbrechenden Abenddämmerung wie im falschen Film wieder fand. Wie wir bereits vor dem Landgang vermutet hatten, fanden wir keine Stelle zum Einklarieren. So setzten wir denn am nächsten Morgen Segel, um das letzte Stück vor Key West hinter uns zu bringen. Noch immer hing an der Sailing unter der US Flagge die gelbe Q-Flagge, die unser Schiff als nicht einklariert bezeichnete.



Naples – Florida 23 März 2002



Am 23 März um 16.30 Uhr passierten wir die Einfahrt in die Naples Bay. Üppiger Pflanzenwuchs, und diverse Seitenarme bestimmten den starken ersten Eindruck, der die Bucht auf uns machte. Vergessen waren die letzte Nacht, die kurzen hohen Wellen, die der Ruderwache die ganze Aufmerksamkeit abverlangte, den Wind gegenan, dem wir mit dem Motor zuleibe rückten. Nach einer Richtungsänderung waren bereits die ersten Anwesen auszumachen, welche den Bewohnern in Grösse, Lage und Ambiente keine Wünsche offen lassen.


Alle Villen stossen mit ihren Parzellen an den Kanal, die meisten mit Boot und Landesteg. Grüner gepflegter Rasen und eine Unmenge Palmen und gepflegtes Buschwerk, bunte Vögel mit ihrem Gesang, wie wir ihn schon seit Monaten nicht mehr wahrgenommen hatten, verbreiten eine paradiesische Ambiente. Von solchen Eindrücken abgelenkt, mussten wir darauf achten, den ausgebaggerten und markieren Kanal nicht zu verlassen, da der Pegel sich ausserhalb der Markierungen schnell auf unpassierbare Tiefen reduziert. Zweimahl mussten wir aufgrund unserer Unachtsamkeit eine Grundberührung in Kauf nehmen. Die Restgeschwindigkeit und zusätzlicher Pover aus unserem Yanmar Diesel, reichten jeweils, um die BLUE PEARL in tieferes Wasser zurückzuführen. Eine halbe Stunde später legten wir im City Dock an dem auf Pfähle gebauten Steg mit Tankstelle an.


Seit wir am 7. März in Inagua losgesegelt sind haben wir das Schiff 820 Seemeilen in eineinhalbstündigen Wachen von Hand gesteuert. Hier in Naples werden wir das Ruder, das uns Peter Wörthmann als Ersatz gesendet hat, an Bord nehmen können, und somit auf der Weiterfahrt zumindest über eine taugliche Windsteuerung verfügen. Wir hoffen, dass sich hier auch das Problem mit dem Autopiloten von Raytheon, der dieses Jahr schon das dritte Mal seinen Dienst quittiert hatte, in Ordnung bringen lässt.

Von der Hafenverwaltung wurde uns für die erste Nacht ein Platz an einem Steg, und für die weitere Zeit eine Boje im Hafenareal angeboten. Wir sind dankbar für diese Gelegenheit, da Fahrtensegler in Naples selten, und Gästeplätze entsprechend spärlich sind. Am Sonntag erkunden wir auf unseren Bikes die nähere Umgebung, und treffen dabei zufällig auf den zwei Mal jährlich durchgeführten Kunstmarkt.


Die 5th Avenue, die in den letzten Jahren mit grossem Aufwand zur besucherfreundlichen Einkaufstrasse herausgeputzt und restauriert wurde, gab mit ihren Boutiquen, Gallerys und Strassencafes den entsprechenden Rahmen. Das Angebot war überwältigend, und in einer kaum vorstellbaren Exklusivität und Vielfalt. Aufgrund der vielfältigen Reize dieser Stadt, verpassten wir das Konzert, das am Sonntagabend in einem Park mit massiv gebauter Openairbühne durchgeführt wurde.



Der Besuch am Montag bei Toni und Arlette Steiner in Kensington übertraf alle unsere Erwartungen. Unsere Gastgeber haben in den letzten zwanzig Jahren hier in Naples verschiedene Bauprojekte realisiert, als letztes und grösstes Unternehmen haben sie in Kensington den Golf und Country Club mit 600 exklusiven Wohneinheiten, und 18 Loch Indoor Golfanlage, grosszügigem Clubhaus, verschiedenen Tennisanlagen und Schwimmbad gebaut. Allein die Ringstrasse im Innern der Anlage, die den Golfplatz einsäumt, und einen Teil der Wohnanlagen erschliesst, misst 7.5 km.


Toni und Arlette befanden sich bei unserem Eintreffen kurz vor der Abreise in die Schweiz. Dennoch erteilten sie uns ihre uneingeschränkte Gastfreundschaft. Toni zeigte uns nach einem üppigen Morgenessen die ganze Anlage. Nebst vielen weiteren Einzelheiten erfahren wir, dass alle Wohneinheiten mit freiem Blick auf einen der vielen Seen ausgerichtet, und mit einem Pool ausgestattet sind. Der Ausbaustandart der Häuser erreicht durchwegs einen Level, der auch für Schweizer Verhältnisse wesentlich über dem Mittel liegt. In der Anlage leben seit jeher Alligatoren und Krokodille, die sich in den vielen Seen und Parkflächen, mitten in den Wohngebieten frei bewegen. Anscheinend sind Floridas Bewohner mit diesen Tieren so vertraut, dass von deren Anwesenheit kaum Notiz genommen wird. Anita und ich hatten in den letzten 25 Jahren verschiedene Projekte realisiert.


Wir wissen, dass Lebenspartner im Team durchschlagende Erfolge erreichen können. Das hier Erlebte und Gesehene setzt jedoch neue Grenzen. Während Arlette uns mit verschiedenen Telefonaten half, technische und organisatorische Probleme zu lösen, kamen wir am Nachmittag in den Genuss von Tonis Auto. Wir nutzten es, um die auf der BLUE PEARL nach den Wochen in den Virgins und Bahamas stark strapazierten Vorräte wieder aufzufüllen.


Am nächsten Morgen mieteten wir ein Auto, um das Ruder des Windpiloten, das inzwischen im Flughafen Fort Meyrs vom Zoll freigegeben wurde, abzuholen. Auch die Seekarten von Kanada, die wir schon lange bei Steiners, auf deren Adresse wir sie senden liessen, wähnten, waren zufällig während unseres Besuches am Vortag dort eingetroffen. Für den Blackbox Computer des Autopiloten wurde uns eine Reparaturzeit von drei Wochen vorgeschlagen. Wir bestellten uns einen neuen, und wollen das alte Stück, das uns laufend versetzt, an der Ostküste reparieren lassen, wo wir annehmen, dass Spezialisten für diese Reparatur zu finden sind. Somit wird dann beim nächsten Ausfall für Ersatz gesorgt sein.


Wir nutzten die Gelegenheit, um am Nachmittag mit dem gemieteten Auto „ein Chevrolet-Cabriolet“ quer durch Florida, dabei den Big Cypress Nationalpark und ein Indianer Reservat querend, nach Fort Lauderdale zu fahren, wo wir unser Problem mit dem Natel zu lösen hofften.


Tatsächlich hatten wir Glück. Die versierte junge Dame erklärte uns kurz nachdem sie unser in der Schweiz gekauftes Natel inspiziert hatte, sie brauchen kein neues Handy zu kaufen, ich werde ihnen die Frequenz 1900 einstellen. Kurz darauf waren wir mit einem funktionierenden Natel unterwegs, das für die Zeit in den Staaten und in Kanada gerüstet sein sollte. Die Zeit reichte auch, um uns eine Spiegelreflex, und eine Digital Filmkamera, zu kaufen. Im Brandsmarkt, einem riesigen Einkaufsviertel mit mehr als hundert Geschäften umfasst von einer mehrspuriger Ringstrasse wurden wir fündig. Die günstigen Preise, die hier in der USA für elektronische Geräte üblich sind, wurden mit dem hohen Dollarkurs egalisiert, aber wir waren froh, nun für die Dokumentation unserer Reise in den Norden, mit dem Nötigsten gerüstet zu sein, nachdem es uns nicht möglich war, in der Schweizer Elektronikbranche für diesen Bedarf einen Partner zu finden. Langsam lösen sich die Aufgaben, die uns die Technik, von der wir nicht lassen können / wollen beschert, zu einem erträglichen Mass.


Wir waren wieder mit den Bikes unterwegs, den Laptop im Rucksack, um einen Spezialisten aufzusuchen, der unser Einwählprogramm, „iPass Connect“ das den nächsten Provider anwählt, und über die Swisscom abrechnet, wieder in Schuss zu bringen. Die Leute im Shop waren dann auch sehr freundlich, der Chef interessierte sich für unser Leben auf dem Schiff, und ordnete uns einen Angestellten zu, der die erste halbe Stunde mit uns kein Deutsch sprach, das obgleich wie wir später vernahmen, er in Deutschland fünf Jahre Germanistik studiert hatte.


Das war dann auch schon alles. Von unserem Problem verstand er weniger, als wir selbst, und liess sich alles erklären. Schon bald ahnte ich es, konnte mich aber noch nicht überwinden, die Sitzung abzubrechen. So fand sich dann auch nach einigen Versuchen die Lösung. „Vor dem Areacode die eins weg, und das ganze mehrmals versucht führte zum Erfolg.“ Anita hatte diese Version gegen den Willen des Spezialisten gewählt, dieser ging von der Annahme aus, wenn das Natel den Areacode nicht braucht, müsse es mit dem Einwahlprogramm dasselbe sein. Nach vierzig Minuten stand der angestellte vor dem Chef, mit der Frage wie abzurechnen sei. Dieser gab ihm zur Antwort „eine Stunde“.


Nachdem wir bezahlt hatten, verliess ich deprimiert den Shop. Ich war wütend, und fühlte mich an diesem Tag zum zweiten Mal über den Tisch gezogen. Anita hatte sich am Vortag im Salon Giovannis Haardesign ihre Haare neu mit Mechè einfärben lassen.


Der Besitzer „Giovanni“ offerierte uns dieses bei unserer Anmeldung mit etwa fünfzig Dollar. Nach ausgeführter Arbeit, verlangte seine Angestellte hundertfünfzig Dollar. Als wir an diesem Morgen den Rest des Geldes brachten, konfrontierte ich den Besitzer mit dem fünfzig Dollar Angebot. Dieser erklärte uns, es handle sich um ein Missverständnis, und zudem sei seine Angestellte für den Preis zuständig, wir hätten sie fragen sollen. Die Angestellte Dame erklärte uns mit süssem Lächeln, dass der Preis günstig sei, und überall in der Strasse für diese Arbeit höhere Preise verlangt würden. Wir hatten nun ein Problem! Wie werden wir solche Übergriffe in Zukunft verhindern können? Sicher dürften wir uns nicht mehr als Schweizer zu erkennen geben. Mit den eben gemachten Erfahrungen entstand der Eindruck, als ob jeder, der von unserer Schweizer Identität erfährt, das Bankengold vor Augen hat.


An Ostern besuchten wir den Strand, dessen Zentrum die Naples Pier bildet. Der viele kilometerlange Sandstrand, an den alle Querstrassen der Stadt führen, war auf seine ganze Länge mit Badegästen besetzt. An den Anstoss der Strassen zum Strand ist jeweils eine kleine Grünanlage mit Dusche gebaut. Der weit in das Meer hinaus reichende Naples Pier war von vielen flanierenden Gästen besucht. Dutzende von Fischern jedes Alters und Geschlechts versuchen ihr Glück, wobei wir feststellen konnten, dass es nicht an Fischen fehlt. Wir konnten viele Delphine beobachten. Eine Gruppe aus drei Tieren wälzte sich in der Nähe, an der Wasseroberfläche. Ob es sich dabei um ein Zeugungsritual, oder um Geburtshilfe handelte war nicht mit Sicherheit auszumachen.





01. Januar 2002 03. Januar 2002 09. Januar 2002 17. Februar 2002 27. Februar 2002 06. März 2002 14. März 2002 17. März 2002 20. März 2002 23. März 2002

Le Marin

Guadeloupe – Antigua – St. Maarten



US Virgins

Bahamas

Nassau – Bimini Islands

Key West

Naples – Florida

01. Januar2002


Andauernde Flaute

Sonntag 23. Dezember 01


Die erste Nacht, in der der Wind zu schwach zum Segeln ist, und wir nicht die Absicht haben, die Flaute mit Einsatz des Motors zu überbrücken. Wir hatten bei schwachen Winden grosse Strecken unter Motor zurückgelegt, um die Passatwinde, die zur Zeit bereits tief in den Südwesten gerückt waren, zu erreichen. Nun, da der Passat durch die Störung der Tiefs, die der Karibik einige Regentage bescherten, verhindert ist, sehen wir uns nach Mitternacht veranlasst, den Gennaker (das letzte Segel, das die leichten Winde noch tragen konnte) zu bergen, und die BLUE PEARL treiben zu lassen.

Der im Atlantik immer präsente Schwell wird durch das gesetzte Grosssegel etwas gedämpft, allerdings müssen wir uns mit den Geräuschen des killenden Segels abfinden.

So drifteten wir mit gesetztem Toplicht ‚Ankerlicht’ mit dem Strom, der zurzeit fast einen Knoten Fahrt über Grund bringt, in Richtung Karibik. Der eingeschaltete Radar mit Alarmanlage wird uns jedes Objekt, das sich auf mehr als sechs Meilen nähert, melden. An Amerikas Ostküste zeigen sich bereits die ersten Anzeichen zu einem Hoch, das sich in den nächsten Tagen weiterentwickeln, und in Richtung Osten ziehen wird.


Schon in wenigen Tagen wird es sich zum Azorenhoch gemausert haben, das uns die langersehnten Winde beschert, die uns dann mit entsprechendem Speed in die Inselwelt der Karibik bringen werden.


Der Passat setzt ein

In der Nacht zum 30. Dezember setzte endlich mit 15 –25 Knoten der Passat ein.

Herbert, der Skipper der MEWA, mit dem wir seit dem 18. Dezember in Funkkontakt über SSB waren, kündete uns diese Wetterentwicklung bereits schon am Vortag an. Die Neujahrsnacht blieb ruhig, wie zuvor schon Weihnachten, aber mit unvergleichbar mehr Speed und Fahrt in Richtung Ziel.


Windsteuerung und Autopilot fallen aus

Nach einem Defekt an der Windsteuerung an Silvester, ist uns am 1. Januar auch der Autopilot ausgefallen. Anita und ich haben die verbleibenden dreihundert Meilen abwechslungsweise von Hand gesteuert.

Mit dem Eintreffen des Passats war es auch mit dem Schönwetter zu Ende. Die Regenfronten mit Böen von bis 35 Knoten jagten sich. Sie brachten der BLUE PEARL teilweise bis über neun Knoten Speed und Tagesetmale von bis hundertachzig Meilen.

Andauernde Flaute

03. Januar 2002  Matinique „St. Anne“

Bimini Islands - Key West


nach oben nach oben nach oben nach oben nach oben nach oben nach oben nach oben nach oben #qs_968