pearl
2001

HANSEATIC


bekannt durch die Expeditionsreisen in Arktis und Antarktis

Am Sonntag ist die HANSEATIC hier im Hafen eingetroffen. Wir waren überrascht, als dieses für uns äusserst spezielle Schiff im Duncan Dock unmittelbar vor dem Royal Cape Yacht Club wendete, und in das 50 Meter neben uns liegende Trockendock versetzt wurde. Mit ihren 123 Meter Länge gehört sie nicht zu den grossen Passagierschiffen, ihr Wendemanöver nahm jedoch die ganze Dockbreite in Anspruch. Am 4. September 1994 hatte die HANSEATIC die speziell für extreme Breiten gebaut wurde, mit 149 Personen an Bord, als viertes und grösstes Passagierschiff die Nordwestpassage passiert. Die Passage, die nach 500- jähriger Suche, 1903-1906 von Roald Amundsen ausgemacht, und seither bis zu jenem Zeitpunkt 56 Mal durchfahren wurde. Die 4000 Meilen lange Passage hat heute nicht mehr den Charakter eines mit Gefahren gespickten Labyrints, aus dem während der Suche nach einem nördlichen Seeweg viele Schiff nicht wieder zurückgekehrt sind. Genaue Seekarten, moderne Technik und augewählte Ausrüstung machen die Durchfahrt möglich. Allerdings vergisst man bei solchen Überlegungen leicht, dass die See des ganzen Nordwest - Territoriums während 9 Monaten im Jahr unter meterdickem Eis auf den nur 3 Monate dauernden Frühling - Sommer und Herbst wartet. Für die Besatzung eines Schiffes, das nicht eisbrechende Eigenschaften aufweist, oder keine diesbezügliche Unterstützung erhält kann ein solches Unternehmen leicht zu einem längeren Aufenthalt unter Eskimos werden.

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Kapstadt 24. Januar 2001


Am 24. Januar sind wir in Kapstadt eingetroffen. Die BLUE PEARL, die hier seit ihrem Einwassern im Juli 2000 in der Obhut von Fuad Jacobs lag, wurde uns von ihm in bestem Zustand übergeben. Die ersten Schläge in der Table Bay liegen bereits hinter uns. Zurzeit bin ich damit beschäftigt, den Stauraum im Backbordheck mit wasserfestem Schiffsbausperrholz auszubauen, und einige Geräte "Navtex - Radio-CD & Lautsprecher - Drucker - etc". ein- und die aus Europa mitgebrachte Windsteuerung (WINDPILOT PACIFIC PLUS II ) anzubauen. Zudem werden die beiden Achterstage isoliert, und das SSB eingebaut. Bis Ende Woche sollten diese Arbeiten abgeschlossen sein. Nebst dem Anbau der in Auftrag gegebenen Sprayhood und Sonnendach, sollte uns dann genügend Zeit bleiben, um die weitere Region zu erkunden.

Nordwärts 03. April 2001

Nachdem das Schiff fertig ausgerüstet ist, und die ersten Testfahrten in der Kapregion hinter uns sind, werden wir, sofern es das Wetter will, am 3. April in Richtung St. Helena (Englische Insel im Atlantik) auslaufen. Weitere Anlaufpunkte sind dann die Kap Verden, Kanarische Inseln, Madeira, Gibraltar, und diverse Küstenorte im Mittelmeer.


Kap der Guten Hoffnung 06. März 2001


Am 6. März hatten wir bei bestem Wetter das Kap der Guten Hoffnung gerundet. Nachdem wir bereits an Samstag vom Royal Cape Club in Kapstadt nach Hout Bay gesegelt sind, und dort die Nacht im Hafen verbracht hatten, haben wir am Sonntag morgen um halb acht wieder abgelegt. Unterwegs trafen wir weit von der Küste entfernt auf viele Robben, zum Teil ganze Familien, die dann meistens einen Kreis bildeten. Am Anfang sind wir ihnen ausgewichen, um sie nicht zu stören. Später haben wir unseren Kurs beibehalten. Die Robben sind dann vor unserem Bug weggetaucht, um wenig später uns neugierig betrachtend, im Kielwasser wieder aufzutauchen. Das Kap konnten wir mit etwa einer halben Meile Abstand runden, was nur Dank der ausgezeichneten Wetterlage möglich war. Mit dem Feldstecher beobachteten wir die Besucher, die sich für uns gut sichtbar auf dem Weg hinauf zum Leuchtturm, oder zurück befanden. Ein Augenblick, den wir uns schon seit Jahren vorgestellt hatte, und gebührend mit einem Drink begossen wurde.

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Total Distanz 6400 Seemeilen / 11520 Km




Mittelmeer - Karibik - Florida

7128 Seemeilen / 12830 Km


Nach zwei Sonnen-Tagen, nun wieder Bewölkung.


Nachdem ich gestern den ersten Fisch einen Bonito „ein kleiner Thunfisch“ gefangen hatte, haben heute zwei Doraden den Weg auf unser Deck gefunden. Einige Meilen vor uns ist ein Unterwassergebirge, das von 5000 Meter Tiefe bis 23 Meter unter die Oberfläche reicht. Nach meiner Vorstellung müsste das unter Wasser liegende, einige Quadratkilometer grosse Plateau ein fischreiches Gebiet sein, was mich bewog, gleichzeitig die am Heck befestigte hundert Meter lange Angelleine, mit einem künstlichen Fisch als Köder, und die Angelrute mit Löffel, „ein blankes, sich drehendes Eisenstück mit Angel" auszubringen. Da schon nach kurzer Zeit gleichzeitig an jeder Angel eine Dorade zubiss, und wir damit für einige Tage versorgt sind, kann der Beweis über den Fischbestand im umschriebenem Gebiet nicht erbracht werden. Dafür bringt uns der Unterwasserberg andere Sorgen. Der Benguela- Strom, der im Südatlantik in Richtung Nordwest strömt, bricht sich an diesem Gebirge, und es steht nun so viel Gegenstrom an, dass sich unsere Fahrt von derzeit fünf Knoten über das Wasser neutralisiert, und wir uns bis zum späten Abend richtig festgefahren haben. Die ganze Nacht über läuft unser Yanmar Diesel mit, um das Hindernis, das auf unserer Karte in diesem Sinne nicht erwähnt ist, zu überwinden.

18. bis 22. April Aufenthalt auf St. Helena


Mit St. Helena haben wir uns wirklich einen besonderen Ort, mitten im Südatlantik, „1700 Meilen von Kapstadt und über 2100 Meilen von unserem nächsten Ziel, den Kapverden“, für unseren ersten Landfall als Fahrtensegler ausgesucht. Die Behörden sind hier sehr freundlich. Brian; zuständig für Imigration besucht uns heute Morgen auf der BLUE PEARL. Von ihm werden wir über den Ablauf bezüglich des Einklarierens informiert. Nebenbei gibt er uns über wissenswertes dieser Stadt Auskunft. Nach seinem Besuch bergen wir die Q-Flagge, und haben nun freien Aufenthalt auf St. Helena. Wir besichtigen die Stadt, in der Napoleon während seiner Gefangenschaft von 1815 bis zu seinem Tode 1821 mit seinen Leuten residierte. Nebenbei suchen wir alle Ämter auf, die für das einklarieren zuständig sind. Bis zum Mittag werden wir diesbezüglich um Fr. 125 .- erleichtert.

Mit Pieter und Susan die wir in Kapstadt kennen gelernt haben, und die mit ihrer Segelyacht unterwegs nach Brasilien sind, mieten wir ein Auto und besichtigen die Insel. Schroffe Hänge aus Vulkangestein wechseln mit üppigem Grün. Hier auf St. Helena herrscht ein tropisches Klima. Nebst Napoleons erster Grabstätte, besuchen wir das Haus, in dem er bis zu seinem Tod, am 8. May 1821 seine letzten Jahre verbracht hatte. Als weitere Attraktion gilt die Jacobsleiter, die von der James Bay mit über siebenhundert Stufen fast senkrecht hinauf zum Ladder Hill führt. Am späten Freitag abend trifft Norbert Sedlacek mit seiner Oase III in der James Bay ein. Norbert aus Österreich haben wir auch in Kapstadt kennen gelernt. Seine Crew wird hier auf das Versorgungsschiff St. Helena umsteigen. Am Montag morgen werden wir unsere Vorräte ergänzen, ausklarieren, und noch vor Mittag auslaufen.

Mittwoch 2. Mai 2001 ‚Bamboo’


Seit wir am Abend des 24. April aus der Bucht von St. Helena ausgelaufen sind, haben wir regelmässig Funkkontakt mit Norbert Sedlacek, von der OASE III. Dass wir uns noch nicht weit in seinem Lee befinden, ist anscheinend auf unsere etwas glücklichere Kurswahl zurückzuführen. Norbert hat den direkten Kurs auf die Kap Verden vorgezogen, währenddessen wir weiter westlich die Insel Ascencion gerundet haben. Gestern Morgen mussten wir den Bambus, der uns seit St. Helena den Spibaum ersetzt, vorzeitig in den Ruhestand schicken. Da an unserem Mast die Beschläge fehlen, haben wir diesen auf die starke Mastreling aus Aluminium festgezurrt. Bei starkem Schwell war die Belastung so gross, dass die Schweissstellen an zwei Punkten der Reling zu brechen begannen. Bereits vor zwei Tagen entschlossen wir uns, bei wenig Wind den Genacker vor dem Wind zu setzen. Mit dem Bambus, dessen Niederholer einen Meter innerhalb des Topbeschlags, „an dem das Unterlik des Genackers geführt wurde“ angebracht war, wurde dieser auf Backbord ausgebaumt. Nachdem nun der Genacker aus seinem Schlauch befreit wurde, und sich auf seine ganze Grösse entfaltet hatte, wurde eine riesige Hebelwirkung zwischen Top und Niederholer auf den Bambus wirksam. Die Geräusche die dieser von sich gab, liessen schlechtes ahnen. Hilflos musste ich zusehen, wie er sich bog, und in wenigen Sekunden vom Niederholer stranguliert aufsplitterte. Der letzte Meter unseres ‚Bamboo’ wurde, vom Genacker gezogen, in die Höhe gerissen. Nachdem der Bruch geschient, geklebt, und mit Schoten verstärkt war, kehrten wir ihn, so dass die gebrochene Stelle im Zentrum des Schiffes weniger beansprucht wurde. Auf diese Weise konnte der Bambus seinen Dienst an der Genua wieder aufnehmen.

Freitag 4. Mai 2001 um 08.40 Uhr überquerten wir mit der BLUE PEARL auf 14°30 West, das erste Mal den Aequator. Mit einem Drink feierten wir das Ereignis, das sich auf dem GPS genau nach Minuten und Sekunden beobachten liess.


Konvergenzzone Samstag 6. Mai


Der in breiter Front vor uns liegende Kalmengürtel dessen Hoch aufgetürmte weisse Wolkengebilde eine faszinierende Kulisse abgeben, lassen vermuten, dass sich unter ihnen nicht die friedliche Szene abspielt, die ihr traumhaft schöner Anblick vermitteln will. Nach unserer Beobachtung, hat jedes Wolkengebirge sein eigenes Wetter. Bereits in den letzten Tagen konnten wir aufgetürmte Wolkengebilde wahrnehmen, deren eigene Wetterfront über uns hinwegfegte, oder als Gewitterfront in nächster Nähe beobachtet werden konnte. In dem Kalmengebiet, wo sich die Wetterfronten der nördlichen und südlichen Hemmisphäre durchdringen, verdichten sich diese Vorkommen zu einer kompakten Gewitterfront, der Konvergenzzone, die zu durchsegeln einige Schwierigkeiten mit sich bringen kann. Zurzeit scheint sich diese Front mit uns weiter nördlich zu verlagern. Schon seit Stunden motoren wir in dessen Lee, scheinbar ohne ihr näher zu kommen. Sie hinterlässt uns eine flache mässige Dünung, mit konstanten vier bis sechs Knoten Wind, die in der schwülen Nachmittagssonne kaum etwas Kühlung bringen.


Das Gebiet, vom Aequator bis zur Konvergenzzone, in dem wir nun seit 250 Meilen unterwegs sind, wird Rossbreiten genannt, und kann bei bestimmter Wetterlage wochenlang windfrei sein. Freunde die wir vom Trans Ocean kennen, haben eine dieser Flauten wochenlang ausgestanden, da ihre Jacht nicht über genug Treibstoff verfügte, um solche Passagen unter Motor zu bewältigen.


Langsam näherten wir uns der Wolkenwand, die von verschiedenen Wolkentürmen weit überragt wurde. Nach Stunden durchquerten wir diese Wolkenfront, als ob wir durch einen Schleier in die nächste Welt wechseln würden. Wir befanden uns nun im innern der Kalmen, (Kovergenzzone). Einem Gebiet, das in den verschiedenen Jahreszeiten verschieden gross , ein bis dreihundert Meilen breit ist, und über den ganzen Atlantik reicht. Wir waren überrascht, dass hier die Bewölkung ziemlich aufgelockert war.


Der Wind hatte auf Nordost gedreht. Hier standen sie nun, die riesigen Wolkenberge, die fünf bis zehn Kilometer Durchmesser haben, und etwa die selbe Höhe aufwiesen. Der Wolkenturm, der uns am nächsten war, und sich genau auf unserem Kurs befand, sah furchterregend aus, so dass wir unseren Kurs neu auf dessen Seite auf Backbord anlegten. Auf dem nun zugeschalteten Radar konnten wir sehen, dass sich die Wolke etwa zehn bis zwölf Meilen vor uns befand, wir also etwa zwei Fahrstunden von ihr entfernt waren. Nach meiner Schätzung wären es nur etwa zwanzig Minuten gewesen, ich hatte einfach diese riesigen Dimensionen nicht richtig eingeschätzt. Am Radarbild konnten wir beobachten, dass in der Mitte der Wolke, ein gewaltiger Niederschlag mit etwa zwei Seemeilen Durchmesser eingesetzt hatte. Die von der Sonne abgewandte Unterseite wirkte nun düster, ja fast schwarz.


Der Niederschlag war in derselben Farbe wie ein Stamm an dem riesigen Gebilde auszumachen. Während in der Wolkenkrone, von der Sonne hell beleuchtet alles noch wie weisse Watte in grossem Frieden schien, tobte unter ihr ein Sturm. Zwei Stunden später, als wir die Stelle passierten, waren nur noch einige Wolkenfetzen zu sehen, die sich nun wie von unsichtbarer Hand gezogen wegstahlen, und sich mit einem Wolkengebilde hinter uns vereinten, welches im Begriff war ein Monster zu werden. Mitten in der Nacht endete auch diese Wolke, im gleissenden Vollmondlicht, mit einem heftigen Gewittersturm.


Die kühle Luft, die der Regen aus grosser Höhe mit in die Tiefe riss war für uns in der tropischen Hitze mit über 30° und 75% Luftfeuchtigkeit eine willkommene Abwechslung. Wir haben weitere solche Wolkenbrüche mit Sturmstärke erlebt, in deren Front die BLUE PEARL in rasender Fahrt mit kleinster Segelfläche auf der hier fast wellenlosen See dahinfegte.



Sal (Kap Verden) ab 16. Mai 2001


In Sal ankerten wir an dem kilometerlangen Sandstrand vor Santa Maria. Morgens um halb sieben fuhr ich mit dem Dingi zur Küste, um barfuss einige Kilometer dem Strand entlang zu joggen. Beim Wendepunkt weit ausserhalb des Ortes setzte ich mich in den Sand, und träumte eine Weile, während ich das Spiel der Wellen beobachtete, die sich am Horizont dunkelblau mit weissen Kronen, und näher am Ufer vom satten türkis heller werdend präsentierten, bis sich die Farbe dann mit dem beigen Sand mischte.



Hart am Wind 30. Mai 2001


Die letzten zwei Tage „hart am Wind“, waren wirklich hart! Nachdem wir vor neun Tagen die Insel Sal, und damit die Kap Verden verlassen hatten, segelten wir die erste Woche einen offenen Kurs von etwa siebzig bis neunzig Grad am Wind in nördliche Richtung.


Mit sechs bis sieben Knoten Fahrt reichte es immer für Tagesetmale von über hundertfünfzig Meilen. Dieser Kurs war nicht ganz so komfortabel wie es die Vorwindkurse sind, aber Anita und ich haben uns in den letzten Wochen an die See gewohnt, so dass wir unsere Reise wirklich geniessen konnten. Nun wechselte der Wind auf Nord, hat aber dauernd Rückfälle auf Nordost und Ost, und wir mussten acht geben, dass wir nicht auf den Kanarischen Inseln landen, die wir eigentlich umfahren wollen.


Also trimmten wir die BLUE PEARL was das Zeug hielt, um beim jetzt anliegenden Ostkurs, möglichst auch noch einige Grade nach Nord zu machen. Wir hatten in den letzte zwei Tagen mit siebzehn bis fünfundzwanzig Knoten Wind die BLUE PEARL in die zwei bis drei Meter hohen Wellen gejagt, so dass Crew und Material auf das höchste gefordert wurden. Bei den lauten dumpfen Knallen, die durch das harte Einsetzen in die See ausgelöst werden, nachdem Wellen den Bug des Schiffes weit aus dem Wasser gehoben haben, wurde es selbst mir etwas unwohl.


Den Forderungen von Anita, dass wir etwas dagegen tun, konnte ich jedoch nicht oft Folge leisten, denn wenn man Höhe segeln will, bleibt wenig Spielraum. Tatsächlich ist es so, dass ein Schiff von der Bauart der BLUE PEARL seine Crew, und nicht diese das Schiff weich fährt.



02. Juni 2001 Madeira und Porto Santo


Mit leisem Klatschen durchpflügte der Bug der BLUE PEARL am Morgen des ersten Juni die spiegelglatte See. Seit der Nacht war der Wind ganz eingeschlafen. Im Lee der etwa fünfzig Meilen vor uns im Norden liegenden Insel Madeira vermochte sich kein Schwell aufzubauen. In der Nacht hatten wir die Fock geborgen, und sind unter Motor, auf unser Ziel Porto Santo weitergelaufen.

An diesem Tag besuchte uns die grösste Delphin-Familie, die ich jemals gesehen hatte. Im tiefblauen, glasklaren Wasser schwammen sie mit dem Schiff, legten sich neben dem Bug zur Seite, und äugten freundlich – interessiert zu uns hinauf. Selbst ein Muttertier mit ihrem Jungen war unter der spiegelglatten Oberfläche auszumachen.


Zwischen Madeira und Porto Santo vermochte, durch die Düsenwirkung begünstigt, nur wenig Wind aufkommen. Mit wenig Fahrt liefen wir weiter unter Motor in Richtung Zielhafen. Für einige Stunden verharrten wir dann in der Nacht treibend vor der Insel, um mit dem ersten Morgenlicht in den Hafen einzulaufen. Die Insel Porto Santo liegt etwa fünfzig Kilometer von Madeira entfernt, und ist vom Massentourismus noch unberührt. Der neun Kilometer lange saubere Sandstrand, „dem Sand wird therapeutische Wirkung zugesprochen“, ladet zum verweilen ein. Zurzeit herrscht in der Stadt reger Baubetrieb. Die Bemühungen, Individual - Touristen für ihre einzigartige Ambiente zu gewinnen, scheinen Früchte zu tragen. Berühmtheit erlangte Porto Santo nicht zuletzt dadurch, dass Christoph Columbus dort für einige Zeit ansässig war. Er hat Filipa Moniz, die Tochter des Gouverneurs der Insel geheiratet.



Gibraltar 09. bis 13 Juni 2001


Heute Nachmittag sind wir nach dreitägigem Aufenthalt in Gibraltar, "der Pforte zum Mittelmeer" aufgebrochen, um das letzte Stück unserer ersten Etappe zurückzulegen, und die BLUE PEARL nach Benalmadena zu bringen, wo sie die nächsten Wochen stationiert sein wird.



18. Juni 2001


Ab dem 18. Juli Überführten wir die BLUE PEARL nach Alicante, um ab diesem Ausgangspunkt mit Familienangehörigen die Insel Ibiza zu umrunden. Termingebunden kämpften wir uns mit bis dreissig Knoten Ostwind drei Tage „und Nächte“ gegenan, um Alicante rechtzeitig zur vereinbarten Zeit zu erreichen. Ibiza mit ihren schönen Buchten und Ankerplätzen entschädigte uns dann für diesen Effort.

Leider ist es kaum möglich, hier in Spanien ein versiertes Unternehmen zu finden, mit dessen Know-how einige spezielle Arbeiten an der BLUE PEARL fach- und termingerecht ausgeführt werden können. Demnächst werden wir uns auf Mallorca, oder in Frankreich nach einer geeigneten Werft umsehen.



Puerto Cristo August 2001

Nun sind wir zwanzig Tage auf dem Trockenen. Das Unterwasserschiff ist seit Tagen fertig gestrichen, die Mastschienen für den Spinackerbaum-Traveler montiert, und das Heck für die neuen Aufbauten vorbereitet.

Auch der Motor wurde ausgerichtet, um die seit Beginn auftretenden Vibrationen zu beseitigen.


Anfang nächster Woche sollte nun die bei Swiss-Tech vorbereitete neue Heckstufe eingebaut, und diverse Aluminiumarbeiten geschweisst werden. Zudem ist der Sprayhood mit Sonnendach in Bearbeitung.

Wir hoffen, Mitte Woche ins Wasser zu kommen. ‚Wasser’, davon könnten wir und die BLUE PEARL zurzeit nicht genug kriegen.



Eile mit Weile


Wie gewohnt tun wir uns schwer damit, aus den Startpflöcken zu kommen. Auf Freitag war die letzte von uns erwartete Kuriersendung versprochen. Alles war für den Aufbruch vorbereitet. Die Wetteraussichten waren mit vier bis fünf Windstärken aus N-O äußerst günstig. In zwei Tagen wollten wir die dreihundert Meilen von Alicante bis Gibraltar hinter uns gebracht haben.

Bis heute ‚Sonntag’ ist die ausstehende Post jedoch noch nicht eingetroffen. Ab Montag sind vier bis fünf Windstärken aus Südwest und später aus West angesagt. Genau aus unserer Fahrrichtung. Sollte dies zutreffen, stehen uns drei bis vier harte Tage am Wind bevor. Trotzdem werden wir so schnell wie möglich aufbrechen, und hoffen, dass diese Prognosen wie schon oft nicht zutreffen.

Weihnachten im Kreise unserer Freunde in der Karibik ist bereits nicht mehr möglich. Am 24. Dezember werden wir hoffentlich mit Passat einige hundert Meilen vor der Ostküste Amerikas unser Bordleben genießen. „Weihnachten ohne allen Kommerz“ ist doch, was ich mir immer schon gewünscht hatte.



Die Strasse von Gibraltar 30. November


Drei Tage sind es her, seit wir durch die Strasse von Gibraltar in den Atlantik gesegelt sind. ‚Segeln’ traf allerdings nur auf die erste Hälfte der Strasse zu, weil Tide und Strömung sich bald einmal vereinten, und mit bis über fünf Knoten unsere Fahrt zum Stillstand brachten. Selbst unter Motor war die Fahrt über Grund ‚trotz der von der Logge angezeigten sechs Knoten’ kaum mehr auszumachen. Weißer Schwell, ähnlich wie dieser bei viel stärkerem Wind aufkommt, wies auf die riesigen Wassermengen hin, die sich gegen das Mittelmeer drängten. Das ist mit ein Grund, dass diese Meerenge „in Richtung Atlantik“ bei Westwind für Segelschiffe schnell unpassierbar wird.


Während unseres Aufenthaltes im Mittelmeer mussten viele Vorbereitungen für unsere späteren Vorhaben in die nördlichen Fahrgebiete getroffen werden. Nach diesen Wartezeiten, die auch Emotionen ansteigen liessen, fühle ich mich nun in den Weiten des Atlantiks wie befreit.


Zurzeit verbringe ich meine Nachtwache. In Wirklichkeit ist diese zu einem Teil meines Lebens geworden, denn unser Fahrgebiet muss vor allem in Küstennähe 24 Stunden am Tag beobachtet werden. Mit dem Radar, der heute auf Segeljachten weit verbreitet und mit Warnanlage ausgerüstet ist, wird diese Aufgabe stark vereinfacht, und es bleibt viel Zeit für andere Beschäftigungen.


Ein Blick aus dem Deckhaus, das nebst einer u-förmig angeordneten Sitzgruppe mit Tisch auch der Navigationsecke und dem Innensteuerstand Platz bietet, bestätigt, dass der Wind jetzt ganz auf Süd gedreht und um drei bis vier Knoten zugelegt hat. Auch der Radar meldet den Seegang, der nun vereinzelt als Punkte auf dem Bildschirm angezeigt wird, und damit den Alarm auslöst.


Es ist nun an der Zeit, die Segelfläche an der Genua, dem Vorsegel, zu verkleinern. Zu diesem Zweck ist die BLUE PEARL mit einer Rollreffanlage, die in den Vorstag eingebaut ist, ausgerüstet. Da deren Schotten in das Cockpit geführt sind, brauche ich dazu nicht auf das Vordeck zu gehen. Mit reduzierter Segelfläche, und damit wieder ausgewogenem Trimm, legt das Schiff sofort an Fahrt zu. Harmonisch liegt nun die BLUE PEARL in den Wellen, und trotz des hohen Kurses von nur etwas mehr als vierzig Grad am Wind, machen wir über fünf Knoten Fahrt.

Diese Harmonie der Bewegung, der Vollmond, sein helles Licht, das über die Wellentäler flutet und das Kielwasser als silberner Schweif unter dem Heck hervorschießen lässt, breitet einen großen Frieden über diese Szene aus. Als Beobachter fühle ich mich im Zentrum des Geschehens. Ein Gefühl, das meine Gedanken befreit und mich eine tiefe Verbundenheit spüren lässt. Solche Empfindungen waren in meinem früheren Arbeitsleben selten. Nicht oft gelang es mir, meine Gedanken vom Alltag zu lösen, um mich solchen Eindrücken öffnen zu können.

Der Traum des Fahrtenseglers wird viel realer gelebt als dieser geträumt wurde. Alle Gefühle und Emotionen, zu denen man im früheren Alltag fähig war, werden auf die neue Szene transferiert und es eröffnen sich in diesem neuen Umfeld auch viele neue Perspektiven.


Auf Distanz verlieren viele Probleme an Gewicht, lösen sich ganz auf. Werte werden neu definiert und Ansichten, die ein Leben lang Stand hielten, können kurzerhand über Bord geworfen werden.

Diese Fahrt durch die Nacht hat uns wieder ein rechtes Stück weiter nach Südwesten gebracht. Da der Wind nun aus Süd anliegt, kann unser Ziel, die Kanarischen Inseln nicht mehr direkt angepeilt werden. Unser Kurs liegt somit um 30° weiter westlich und wird wieder korrigiert, sobald die Verhältnisse es zulassen.

Inzwischen ist das kurze Morgengrauen in den neuen Tag übergegangen. Während sich im Westen der Mond noch immer als blasse Scheibe am blauen Morgenhimmel zeigt, steigt im Osten die Sonne blutrot aus dem Morgendunst, der dort den Horizont säumt.

Alle Anzeichen versprechen den Beginn eines weiteren herrlichen Tages.



Delphine - Atlantik


Die fünfte Nacht, seit wir in Gibraltar abgelegt haben. Mit jedem Tag kehrt mehr Ruhe und Gelassenheit in unser Bordleben ein. Durch die zurzeit vorherrschenden moderaten Winde aus Ost bis Ost-Nord-Ost, und einer langen Dünung, werden wir allerdings ab und zu aus dieser Ruhe gerissen.

Killende Segel bringen uns schlagartig in die Realität des Augenblickes zurück. Ab und zu verbringen wir Stunden damit, den richtigen Trimm und die beste Segelführung zu finden. Wenn die Dünung, und damit die Bewegung des Mastes schneller ist als die Windgeschwindigkeit, ist das Schlagen der Segel kaum zu unterbinden. Mit den neu erstandenen Spibäumen sind unsere Möglichkeiten auf unserem derzeitigen Kurs zwar wesentlich effizienter, aber oft, wenn man nach etlichen Versuchen den richtigen Trimm gefunden hat, macht eine kleine Winddrehung diese Arbeit zunichte. Es kommt aber auch vor, dass eine Zunahme der Windstärke von wenigen Knoten uns umgehend aller diesbezüglichen Probleme enthebt.

Täglich treffen wir auf Delphine. In Wirklichkeit treffen diese jedoch auf uns. Delphinen ist es möglich, Schiffe auf grosse Distanz auszumachen. Sie lieben das Spiel in der Bugwelle und das Schlagen des Buges lässt sie fast ausflippen. Mit zunehmendem Speed des Schiffes werden ihre Bewegungen flinker und ihr Spiel raffinierter. Das unerschöpfliche Lachen in ihren Gesichtern, und die angeborene Harmonie und Freundlichkeit ihrer Wesen, erfüllt mich mit einer tiefgreifenden Faszination. Oft, wenn ich spüre wie sie auf ‚unsere’ Anwesenheit reagieren, verspüre ich den Wunsch, mental mit diesen zauberhaften Wesen in Verbindung zu treten. Ihr leises Flöten scheint zu bestätigen, dass sie an einer Kommunikation interessiert sind.



Sternschnuppen 14. Dezember


Seit heute Abend segeln wir im Passat. Nachdem wir während den letzten Tagen, meistens unter Motor, bestrebt waren in südlichere Breiten zu gelangen, sind wir auf ca. 17° Nord / 33° West auf den Passat getroffen.

Seit dem Ablegen von Las Palmas, am Sonntag dem 9. Dezember, hatten wir meistens umdrehende (nicht richtungsstabile) Winde. Mit Werten unter acht Knoten war an Segeln kaum zu denken. So haben wir denn die ersten eintausenddreihundert Meilen hauptsächlich mit Hilfe des Motors zurückgelegt.


Eigentlich eine nicht sehr angenehme Art zu reisen. Wir haben dann jeden auch noch so schwachen Wind begrüsst und Segel gesetzt.

An der BLUE PEARL sind noch einige Arbeiten pendent. Diese sollen dazu beitragen, den Komfort bei Fahrt unter Maschine wesentlich zu verbessern. So haben wir denn die Isolation für die Abgas-Anlage, um deren Abwärme und Schall zu reduzieren, kurz vor unserer Abreise in Alicante an Bord genommen. Ebenso ist vorgesehen, die Schallentwicklung des Motors mit grossflächig anzubringender Noppenisolation wirksam einzudämmen. Der Standort des freistehenden Motors unter dem Deckhaus erweist sich diesbezüglich als ungünstig.

In Puerto Cristo hatten wir den Motor neu ausrichten lassen, um den Vibrationen, die uns seit dem Anfang plagen, beizukommen. Leider ohne Erfolg. Wir werden nun den Motor ein weiteres Mal ausrichten, und mit der flexiblen Schraubenwellenkupplung BULLFLEX von Vetus diesem Übel ein für allemal den Garaus machen.

Allerdings, ganz so trostlos wie dieser Beschrieb vermittelt war unsere bisherige Reise denn doch nicht. Da wäre zum Beispiel vom Sternenregen zu berichten, der in der Nacht vom Donnerstag dem 13. auf Freitag 14. Dezember über unserem Fahrgebiet niederging.

Bei leichter Brise und langer, flacher Dünung waren wir ausnahmsweise mit gesetzten Segeln unterwegs. Die Nächte sind seit dem Auslaufen in Las Palmas noch spürbar wärmer geworden. Auch wenn die Technik, die in die BLUE PEARL eingebaut ist, nicht erfordert im Cockpit Ruder zu gehen, verbringe ich solche Nächte gerne im Freien.

Schon bei der Übernahme der Wache, um drei Uhr morgens, hatte mich Anita auf die Sternschnuppen aufmerksam gemacht. Im Laufe des frühen Morgens konnte ich beobachten wie ein wahrer Regen von Schnuppen in der fast mondlosen Nacht über uns niederging.


Es schien so, als wollte sich die ganze Milchstrasse aus dem All in unsere Hemisphäre ergiessen. Bei so vielen Sternschnuppen sollte ich mir etwas wünschen. Ich brauchte mir nicht lange zu überlegen. Schon viele hundert Meilen von jeder Zivilisation entfernt, fiel es mir leicht, jede Art Gedanken materieller Herkunft auszuschliessen.

Selbst Wind, der uns in den letzten Tagen fehlte, war in diesem Augenblick unwichtig.


Mit einem derart starken Gefühl kosmischer Verbundenheit hatte ich keinen Wunsch offen.


#qs_971 #qs_970 #qs_972

Azorentief 21. Dezember 2001


Nachdem wir uns auch am zwölften Tag mit schwachen Winden abgeplagt hatten, scheinen diese heute Morgen ganz einzuschlafen. Der Passat, den ich am 19. Dezember erwähnte, hat sich als nicht stabil erwiesen. Das Azorenhoch, das zu dieser Zeit bereits stark in den Norden gerückt war, hat seine Kraft verloren. Zwei Tiefs haben dessen Stelle eingenommen. In den letzten Tagen war es uns möglich bis auf 15° Nord zu kommen. Hier im südlichsten Bereich der Passatzone herrschen noch leichte Nordostwinde vor. In nördlicheren Breiten muss zur Zeit mit Westwind, Wind gegenan, gerechnet werden.

#14.August2001 24. Januar 2001 06. März 2001 03. April 2001 18. April 2001 02. Mai 2001 04. Mai 2001 06. Mai 2001 16. Mai 2001 30. Mai 2001 02. Juni 2001 09. Juni 2001 August 2001 30. November 2001

Kapstadt 24. Januar 2001

Kap der Guten Hoffnung 06. März 2001

Nordwaerts 03. April 2001

18. bis 22. April Aufenthalt auf St. Helena

Mittwoch 2. Mai 2001 ‚Bamboo’

Freitag 4. Mai 2001 Aequator

Konvergenzzone Samstag 6. Mai

Sal (Kap Verden) ab 16. Mai 2001

Hart am Wind 30. Mai 2001

02. Juni 2001 Madeira und Porto Santo

Gibraltar 09. bis 13 Juni 2001

Puerto Cristo August 2001

Die Strasse von Gibraltar 30. November

Sternschnuppen 14. Dezember

Azorentief 21. Dezember 2001

14. Dezember 2001 21. Dezember 2001
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