pearl
2002-3


Diskofjord „Nipisat“14. August 2002


Am Morgen des 12. August entschlossen wir uns in südliche Gefilde aufzubrechen. Der Wind, vorwiegend aus N – NE erreichte kaum über 10 Knoten, was uns nur langsam oder mit Hilfe des Motors vorwärts brachte.

Am Nachmittag des 13. August drehte der Wind auf SSW, worauf wir uns entschieden, Nipisat, eine kleine Siedlung im Disko Fjord im Westen der Diskoinsel anzulaufen.

Bei der Anfahrt am selben Abend, stellte sich heraus, dass es sich hier um eine verlassene US-Militärbasis handelte.

Auf Distanz machten einige Gebäude einen noch recht ansprechenden Eindruck, speziell zwei riesige Dieseltanks glänzten, als ob sie erst kürzlich erstellt worden wären.


Am Sonntag morgen enterten wir die kleine untiefe Bucht mit dem Beiboot.

Wir stellten fest, dass der Molenkopf und eine Betonrampe, die benutzt wurde, um Schiffe an Land zu ziehen, gesprengt waren.

In der Folge erweiterte sich unser Besuch zu einer mehrstündigen Exkursion, die uns Einsicht in viele Details der damaligen Technik, und die Lebensumstände der hier diensthabenden Militärs bot.

Beim Verlassen der Station fanden es die Amerikaner nicht notwendig die Bucht

zu räumen. Einige Antennenmasten wurden gefällt, die Funkstation zerstört, alles weitere ist dem Zerfall, der hier sehr langsam vor sich geht, überlassen.

Das fehlende Mobiliar weißt darauf hin, dass sich die in der Region ansässige Bevölkerung dessen bedient hatte.

Viele Holzbaracken und Leitungskanäle, die dem Zerfall ausgesetzt sind, setzen eine grosse Menge Asbestfasern frei. Das Gebiet ist grossflächig damit verseucht.

An einem grossen Tank mit etwa 300 Quadratmeter Aussenfläche ist die Holzverkleidung, und die Isolation zur Wiederverwendung abgebaut worden.

In der Funkstation stehen über ein Dutzend grosse zerstörte Sender und Empfänger. Für die Energiegewinnung wurden vier grosse Dieselmotoren von je über 500 PS mit angebauten Generatoren verwendet. Verschiedene Fahrzeuge, Traktoren mit Ladeschaufeln angebauten Krans, und weiteren Vorrichtungen sind da und dort parkiert, oder auf vermoosten Grünflächen abgestellt.

Ungebrauchte Kabel auf grossen Rollen. Die Kanäle wurden zur besseren Isolation mit Asbestfasern gefüllt.




Mit zwiespältigen Eindrücken verlassen wir den Ort.

In den meisten Destinationen, die wir in den letzten zwei Jahren bereist haben, kennt man den Begriff Umweltschutz nicht. Es herrschen die Gesetze des Marktes.

Die getroffenen Lösungen in Entsorgungsaufgaben werden ausschliesslich durch den Preis bestimmt. So ist die offene Müllverbrennung, und die Einleitung von Fäkalien-Abwasser in die Gewässer auch in vermeintlich zivilisierten Regionen, und deren grossen Städte üblich.

Hier in Grönland ist bei Neubauten nicht die Frage der Isolation, aber sicher die der verfügbaren Heizenergie im Vordergrund.



Am Montag morgen hoben wir den Anker in Nipisat mit Ziel Nuuk.

Der ersten Tag lief alles nach Wunsch. Am zweiten Morgen, wir hatten die Diskobucht bereits hinter uns, legte der Wind zu. In kurzer Zeit hatte er mit bis über fünfzig Knoten Sturmstärke erreicht. Zu dieser Zeit befuhren wir flaches Gewässer von 25 bis 35 Meter Tiefe. Der Schwell wurde entsprechend steil und heftig. Zwei Stunden später hatten wir uns westwärts in tieferes Gewässer freigefahren. Der Sturm hielt jedoch ungebrochen an, und nachdem wir uns bis am späten Abend um weitere 80 Meilen in den Westen versetzt hatten, mussten wir unser Vorhaben, den Sturm abzuwettern, und auf bessere Bedingungen zu warten abbrechen. Zu diesem Zeitpunkt umgab uns ein Tief mit sieben Zentren und einem schwachen Hoch im Süden. Es war kaum vorauszusehen, wie sich das Wetter kurzfristig entwickeln würde.

Um 21.30 Uhr drehten wir ab in Richtung NO mit Ziel, das in der Diskobucht liegende Asiaat.



Asiaat 17. August 2002


Den nächsten Tag „schon wieder ein Sonntag“ nutzten wir, um uns den Ort anzusehen. Der Hafen mit grosser Mole, ist Umschlagplatz für das Schiffsfrachtgut, das für die nördliche Westküste Grönlands bestimmt ist.

Am Montag morgen waren die Verhältnisse günstig, für einen weiteren Versuch, in den Süden zu kommen.

Das schwache Hoch hatte sich zwischenzeitlich durchgesetzt und entlang der Küste für Nordwind gesorgt. Schon um sechs Uhr machten wir uns auf den Weg, damit vor dem nächsten Wetterumschwung ein grosser Teil der Strecke hinter uns gebracht ist.

Nachdem wir uns vor Tagen mit Unmengen Wind plagten, genossen wir nun das herrliche Wetter. Die ersten hundert Meilen war Segeln angesagt, später wurde die BLUE PEARL zum Motorsegler. Mit Wind aus Achtern, konnte der starke Schwell, in den zum Teil untiefen Zonen, leicht überwunden werden.

Am frühen Morgen des 22. August näherten wir uns Nuuk.

Starker Tidenstrom barg die Gefahr, uns in der Einfahrt zum Fjord auf Untiefen zu versetzen, denn seit einigen Tagen, war mit dem Erreichen von südlicheren Breiten, auch die Nacht wieder zurückgekehrt. Zudem waren in der Küstenzone dichte Nebelfelder, was dazu führte, dass nicht alle Peil- und Leitlichter ausgemacht werden konnten.

03.30 Uhr, nachdem die BLUE PEARL auf 6 Meter Tiefe, im Bereich der Hafeneinfahrt sicher vor Anker lag, gönnten auch wir uns einige Stunden wohlverdienten Schlaf.

Später am Tag, verrichtete ich an der BLUE PEARL die fälligen Servicearbeiten, während Anita sich bemühte, die Spuren der letzten Tage zu beseitigen.

(Wir hatten mit dem Schiff seit dem Ablegen in Nuuk am 25. Juli 1672 Meilen zurückgelegt)

Am Freitag bunkerten wir Diesel und Wasser, und versorgten uns mit frischem Obst und Gemüse.

In der Wäscherei des Seemannsheim, holten wir die Vortags abgelieferte Wäsche, und gönnten uns dort eine erfrischende Dusche.

Nach einem kurzen Besuch beim Hafenmeister, waren wir am frühen Nachmittag schon wieder unterwegs in den Süden. Soweit wie möglich segelten wir im Labyrint der vielen Fjorde geschützt vom Schwell der offenen See in südliche Richtung.

Spät am Abend erreichten wir die Küstenzone, wo Dutzende von Eisbergen uns erwarteten, und uns die Nacht über grösste Aufmerksamkeit abverlangten.

Vor uns an Grönlands Südspitze hatte sich ein Tief platziert, in dessen Rücken wir hofften, schnell und bequem mit achterlichen Winden weit in den Atlantik hinauszukommen, um dort auf die westlichen Winde des Azorenhochs umzusteigen.




Wetterküche Nordatlantik  31. August 2002


Die Strategie, die Tiefs zu reiten, anstelle sich von ihnen plagen zu lassen schien fürs Erste aufzugehen. Am Sonntag erreichten wir die Tiefdruckzone, in deren Rücken wir den ganzen Tag von ansprechenden Winden profitierten. Das Tief zog jedoch schnell aus unserem Bereich, doch von Westen näherte sich schon dessen Nachfolger, mit Sturmwerten. Wir hielten darauf zu, in der Annahme dieses vor uns passieren zu lassen. Am Dienstagmorgen mussten wir feststellen, dass die Tiefdruckzone vor uns verhielt, und wir uns mit den Luftdruckwerten von unter 990 anschickten, dessen Zentrum zu entern.

Morgens um acht wurde es uns mit vierzig Knoten Wind hart genug und wir wendeten, um uns mit achterlichem Wind von Backbord südwestwärts aus dem Tief herauszudrehen. Ab sofort waren die Werte wieder steigend und am Mittwoch nachmittag versprachen der Baro mit 1016 und wesentlich lockerer Bewölkung, dass wir uns dem Schönwettergebiet näherten.

In der Samstagnacht näherten wir uns einem flachen Tief von 1013 HB.

Während wir uns anschickten, diese Zone zu queren, entwickelte sich daraus in kurzer Zeit ein Tief von 998 HB, da wir uns noch östlich davon befanden, mussten wir versuchen, in dessen Westflanke zu gelangen, um mit den dort vorherrschenden Wind aus Norden, weiter in Richtung Azoren segeln zu können.

Ein grobe, steile See, deren Wellenkämme kaum mehr als zwei Schiffslängen Abstand hatten, liess die BLUE PEARL aus dem Wasser schiessen und in das nächste Wellental knallen. Ein Wunder, dass sich deren Einrichtung dabei nicht in Teile auflöste. Erst nach Stunden kamen wir in den Genuss von achterlichen Winden aus Nord, womit die Fahrt wieder kultivierte Werte annahm.


Die drei folgenden Wetterbilder zeigen die Entwicklung des Tiefs, wobei dessen Tiefstwerte mit 1005 / 1003 angegeben wurden. (Vorort waren es 998HB)


Wetterkarten vom Samstag dem 31. August „ über SSB von Halifax empfangen

In der Zwischenzeit sind wir auf der BLUE PEARL dem uns bekannten Bordleben verfallen, nebst den nächtlichen Wachen, verbringen wir die Zeit mit Relaxen, Lesen und Schreiben. Das Fitnessprogramm, das wir häufig auf längeren Touren im Cockpit absolvieren, darf warten, bis wir in wärmere Gefilde gelangt sind.

Auch mit dem Essen kommen wir hier nicht zu kurz. Die Vorräte, die zur Zeit gebunkert sind, müssten reichen um weltweit jede gewünschte Destination anzulaufen.... Zudem versteht es Anita, bei jedem Wetter etwas köstliches aus der Pfanne zu zaubern. Da ich diesen Genüssen nicht abgeneigt bin, vermisse ich die Landnähe, wo diesbezüglichen Auswüchsen mit Biken und Joggen entgegen- gehalten werden kann.


Wer steuert morgen die Bluepearl?


Auch schönes Wetter hat seine Tücken. Nachdem nun alle Tiefs hinter uns gelassen sind, steuern wir auf ein grosses Hoch zu, das uns für die nächsten Tage Windstille verspricht.

Da wir beabsichtigen, einen Teil des Septembers in unserer Heimat zu verbringen, geht es seit Montag Abend, mit Hilfe des Motors weiter in Richtung Azoren.

Seit Dienstag Morgen streikte unser Autopilot (Auch der Windpilot arbeitet nur mit Wind). Nachdem ich mich noch in der Nacht bemühte, den Autopiloten auszubauen, ihn zerlegt und gereinigt hatte, „was ihn aber nur kurzfristig zum Arbeiten bewegen konnte“, steuerten wir die folgenden zweihundert Meilen von Hand.

Am Mittwoch Abend, kurz bevor ich das Amt des Steuermannes zu übernehmen hatte, sagte ich mir, dass es möglich sein muss, Kohlen, die zwanzigtausend Meilen ihre Arbeit geleistet hatten, nun auch für weitere zweihundert Meilen zu preparieren. Mit Erfolg!

Anita war derart von meinen Fähigkeiten als Bordmechaniker begeistert, dass sie umgehend einen neuen Werkzeugkoffer zu den vielen benötigten Ersatzteilen mit auf die Liste setzte.



Horta 05. September 2002


„Alles im Fluss.“ Der Autopilot entsprach unseren Wünschen, die Dorade sprang uns buchstäblich in die Pfanne. Der Wind war gut für sechs bis acht Knoten Fahrt.

Anita und ich absolvieren unser tägliches Fitnessprogramm in der wärmenden Sonne im Cockpit

Doch alles geht vorüber, unser zweiundzwanzigster Hochzeitstag, sowie die 1900 Meilen von Nuuk zu den Azoren.

In den ersten Morgenstunden des 6. September erreichten wir die Hafeneinfahrt von Horta, und machten an der Mole fest.

Kaum an Land überraschte uns Bruce Salt, ein Südafrikaner, den wir in Hout Bay getroffen hatten.

Ihm und seiner Frau Lesley gefällt es auf Horta so gut, dass sie mit dem Gedanken spielen, sich hier niederzulassen.

Horta überrascht in vielem. Vergleichen wir mit den karibischen Inseln, sind die Hafengebühren mit 10.50 Euro, ein Kaffee -.60 Euro, sowie alle für den Alltag benötigten Güter, ausgesprochen günstig.

Zudem sind Kriminalität und Diebstahl hier kaum erwähnenswert, für Bruce, der in Kapstadt das Haus nicht unbewaffnet verlassen hatte, ein Paradies.


Tatsächlich konnten wir uns auf unserer Sonntags-Bike-Tour überzeugen, dass die Insel mit ihrer üppigen Vegetation und den gepflegten Bauten, nicht nur Seglern viel zu bieten hat.

Das weitläufige Strassennetz ist mit wenig Verkehr und etlichen Steigungen auch für Biker ein Eldorado.


#qs_992


Horta ab 30. Okt. 2002 verspäteter Aufbruch in den Süden


Am 5./6. Oktober sind wir nach dreiwöchigem Besuch in der Schweiz, wieder zurück nach Horta geflogen. Während des Aufenthaltes in der Schweiz hatten wir Seekarten in Kanada bestellt, und diese direkt nach Horta senden lassen.


Vorgesehen war, sofort nach dem Eintreffen der Seekarten, in den Süden aufzubrechen.

Am 7. Oktober erhielt Lothar Schmidt, der Trans Ocean Stützpunktleiter auf Horta, der sich für diese Sendung als Kontaktadresse zur Verfügung gestellt hatte, die Information, dass sich das Paket mit den Seekarten in Lissabon befinde und ausgelöst werden müsse.

Lothar Schmidt wendete sich umgehend an BENSAUDE, um die nötigen Schritte einzuleiten.

Das Ergebnis, die Sendung mit Seekarten lagen in Lissabon, und konnten nur weiterbefördert werden, wenn wir uns bereit erklärten, nebst den vom Absender in Rechnung gestellten Transportkosten, weitere 84 Euro, die sich später auf 104.78 Euro erhöhten, zu bezahlen.

Nebst uns ärgerten sich auch die Leute von BENSAUDE, die das Ganze als Erpressung darstellten, da Horta eine eigene Zollstelle hat, und es keinen Grund gibt, Pakete In Lissabon zurück zu halten, um diese dort einer Bearbeitung zuzuführen.

Nach Aussage eines älteren Angestellten verdient sich RANGEL damit viel Geld, und niemand scheint sich zu wehren.




24 Tage später!


Am 29. Oktober, nach Eintreffen des Pakets in Horta wurden wir angehalten, die Summe, deren Rechnung auf den Namen der Firma RANGEL ausgestellt war, in Bar oder per Scheck einer Angestellten von FEDEX zu übergeben, da sonst der Zoll die Sendung nicht weiter bearbeiten würde.

Auf die Frage, wofür die 104.78 Euro nun wirklich bezahlt werden müssen erhielten wir zur Antwort, „ that the package is more quickli“

Anschliessend verwies man uns an die Firma FAIALTRAFECO, die Zollpapiere für uns ausstellen musste.

Wir machten den Deklaranten darauf aufmerksam, dass die Karten in Portugal transit unterwegs, und für unsere Adresse, die unter Schweizer Flagge segelnde Segelyacht BLUE PEARL bestimmt sind. Demzufolge musste die Sendung steuerfrei bei uns angeliefert werden.

Der Deklarant war mit uns der selben Auffassung, musste sich aber dem Willen der Zollbeamten beugen, und uns 213.40 Euro Mehrwertsteuer, plus weitere Spesen von 128.88 Euro belasten, was umgehend zu bezahlen war.

Nachdem uns die Seekarten nun ausgehändigt wurden, brachten wir diese zum Schiff, und klarierten uns in Portugal aus.

Anschliessend sprachen wir beim Zollbüro vor, und forderten vom zuständigen Beamten eine Ausfuhrbestätigung für die Seekarten. Da nun die Sendung bei uns auf dem Schiff, und nicht mehr als Druckmittel in seiner Hand war, wurde er zusehend kooperativer.

Eine halbe Stunde später, nach der Konsultation verschiedener Kollegen und einigen Telefonaten, war er bereit uns die bezahlte Summe zurückzuerstatten.

Der Deklarant der Firma FAIALTRAFECO wurde angefordert, der uns die entsprechenden Papiere ausstellte.

Beim Auszahlen der Summe von 260 Euro erklärte er uns, dass er genau das vorliegende Formular für uns angefordert hätte.



#qs_973 #qs_993

06. November 2002

Kurs Südost nach Gran Canaria


Nun segeln wir Kurs Südost und hoffen bei gleichbleibend guten Verhältnissen, Gran Canaria am 6. November zu erreichen.

Nach kurzem Aufenthalt, „Entgegennahme eines Paketes mit neuer Schalteinheit für unsere Whitlock Steuerung“ geht es weiter nach Brasilien.

Langsam lösen wir uns aus den Tiefs, die in den letzten Tagen und Wochen über die Azoren hinweggefegt sind. Heute am Samstag den 2. November, sind wir schon 300 Meilen von Horta „Faial“ entfernt und haben uns südwestlich auf 35° Nord gearbeitet.

Gran Canaria liegt auf 28° Nord noch etwa vier bis fünf Tage vor uns.

Heute nachmittag hatte sich die Bewölkung aufgelockert und die Sonne ist durchgebrochen. Deren Wärme nimmt zunehmend überhand, und saugt die klamme Feuchtigkeit aus dem Salon und dessen gepolsterten Sitzgruppe.

Langsam löst sich der Bann, der mit zunehmender Wartezeit immer stärker von uns Besitz ergriffen hatte.



Die Technik fördert und fordert.....


Auf dem Weg nach Gran Canaria mussten wir feststellen, dass zwei von vier Unterwanten im Bereich des Terminals im Top zu brechen begannen.

Einige der 12 Aussendrähte, die das innere Paket von 7 Drähten umschliessen, waren gebrochen, und hatten sich aus den Stahlseilen gedreht.

Somit wurde die Dauer des Aufenthaltes auf Gran Canaria wie schon so oft vom Fortschritt der Reparatur und Wartungsarbeiten bestimmt.

In Las Palmas fanden wir die autorisierte Firma, wo wir entsprechende Wanten anfertigen lassen konnten.

Am Dienstagnachmittag waren wir dann so weit, dass die Route in den Südatlantik mit Ziel Brasilien angegangen werden konnte.

Entgegen der Grosswetterlage, die leichten Passat versprach, motorten wir die ersten Stunden gegenan, da sich im Bereich der Inseln eigene Winde durchsetzten.

Am späten Abend setzte leichter Passat ein, und damit die Aussicht auf eine ruhige Nacht.

Noch vor dem Nachtessen wurde die Ruhe gestört. Mit dem Ausfall der Navigationselektronik suchte sich die BLUE PEARL ihren eigenen Weg. Als der Sonnenuntergang von Steuerbord ins Heck gewandert war, und die Segel zu killen begannen, wurden wir auf das Malheur aufmerksam.

Als Ursache lokalisierten wir einen Defekt am Autopilot-Antriebsmotor.

Zwei Stunden später war die Antriebseinheit ausgebaut, deren Motor mit dem Ersatzmotor, „den wir erst beim letzen Aufenthalt in der Schweiz gekauft hatten“

getauscht, und das ganze wieder im Heck des Schiffes eingebaut.

Anita konnte das Ruder wieder dem Piloten überlassen.

Allerdings war damit die ungestörte Nachtruhe noch nicht gewährt.

Da der Wind in der Nacht zweimal bis 80° drehte, musste jeweils auch die Freiwache an Deck, um mit der unumgänglichen Rochade in der Segelführung, und dem damit verbundenen Wechseln der Spibäume die BLUE PEARL auf Kurs zu halten.




Kap Verden querab


Am Sonntagabend segelten wir mit N19° 10 und W23°50 ca. 150 Meilen nördlich der Kap Verden.

In der folgenden Nacht lag die Passage zwischen den Inseln Antao und Vicente an.

Auf den Kap Verden war kein Aufenthalt geplant. Wir hätten jedoch einen kurzen Stop in der geschützten Bucht vor Porto Grande auf Sao Vicente, um in Ruhe zu schlafen, und um einige Frischprodukte einzukaufen nicht ausgeschlossen.

Es ergab sich jedoch, dass der Kurs nicht beigehalten werden konnte, und die Inseln westlich, auf Backbord liegend gequert werden mussten.

Mit zunehmender Annäherung an die Insel Antao wurde die Düse spürbar, die sich am Nordwestkap aufbaute, und uns mit zunehmendem Schwell - Windstärke und Böen südwärts schob.

Es schien als ob sich die Flaute, auf die wir nicht unerwartet im Lee der Insel trafen, hier kompensieren wollte.

Erinnerungen an die Passage der Kap Verden in entgegengesetzter Richtung vor bald zwei Jahren werden wach, als das überwinden eben solcher Düsen gegenan, uns bis auf die Knochen forderte.





Vierzehn Meter Schiff um die sich zurzeit unser Leben dreht


Drei Tage vor Vollmond wirft dieser schon sein volles Licht zwischen den aufgerissenen Wolkenbänken auf die wandernde Dünung, so dass die Nacht in dessen Reflektierung zur silberig grauen Dämmerung wird.

Seit geraumer Zeit schwimmt eine grosse Zahl Delfine in - und im Bereich der Bugwelle der BLUE PEARL.

Wir beobachten die Schatten, die flink durchs Wasser schiessen, mit der Rückenflosse die Wasseroberfläche teilen, und damit silberne Streifen in die sonst schon bewegte und gleissende Wasseroberfläche ziehen.

Ich werde nicht müde, im Bug stehend, dieses Schauspiel zu geniessen.

Der Bug ist der exponierteste Teil der BLUE PEARL . Bei schwerem Wetter, wenn sich dieser Teil des Schiffes in die Wellen rammt und Seewasserfontänen meterhoch über das ganze Deck schiessen, ist dieser Platz nicht zu empfehlen, während in der Achse des Schiffes, also auf Höhe des Salons noch alles im Lot ist, ist hier die Hölle los.

Heute vermitteln die weitausholenden Bewegungen des Schiffes angenehme und kultivierte Werte.

Das gelegentliche Stampfen des Buges, beim Anrollen höherer Wellen, wird von der ganzen Delfinschar mit gesteigerter Aktivität und Sprüngen honoriert.

Von der Front der BLUE PEARL überblicke ich die vierzehn Meter Schiff, um die sich zurzeit unser ganzes Leben dreht.

Im Mondlicht beobachte ich das pralle, sich mit der Dünung bewegende Tuch der ausgebaumten Genua, das zweimal gereffte Gross, das Deckhaus, dessen Fenster warmes Licht und das Gefühl von Geborgenheit verströmen, das ungespritzte Deck und dessen viele ausschliesslich funktionellen Details, die in ihrer Anordnung ein kräftiges aber auch harmonisches Bild abgeben.

Ich beobachte die BLUE PEARL, die sich wie es im Passat auf Vorwindkurs nicht anders möglich ist, abwechseln ins Backbord und Steuerbord Lee krängt.


Nach vielen Jahren wo ich alles zu kennen glaubte, und eine gewisse Übersättigung das Gesehene immer mehr zur grauen Masse werden liess, finde ich mich nun wieder zunehmend in der Rolle des Beobachters.

Vieles ist für mich so neu und farbig wie als Kind, als sich mein Aktionsradius zunehmend ausweitete, und mich täglich über neue Eindrücke und Entdeckungen staunen liessen.


Die Reise mit der BLUE PEARL führt dazu, das Leben, wieder in all seinen Facetten zu sehen.

Dass ich etwas schon zu kennen glaube ist kein Grund mehr, nicht doch hinzusehen.



Dienstag 18. November „segeln im Passat“


Nach den Störungen im Bereich der Kap Verden hatte sich der kräftige Passat wieder durchgesetzt. Wir sind durchwegs mit ca. 15 bis 30 Knoten Wind unterwegs. Die BLUE PEARL macht Fahrt von 6 bis 8 Knoten, was in Tages - Etmalen von über 160 Meilen resultiert.

Die Fahrt ist derzeit so hoch, das kaum eine Chance besteht, mit der ausgebrachten Angelleine Erfolg zu haben. Dafür streiten sich die Möwen um den ausgebrachten Plastikköder der ab und zu durch die Wasseroberfläche pflügt. Weil sie nicht davon ablassen wollen, werden sie meterweit von der Leine nachgeschleppt, steigen dann wieder auf, um sich erneut auf die vermeintliche Beute zu stürzen.

Noch vor kurzem hatte ich sechs nicht allzugrosse Doraden der See zurückgegeben, in der Hoffnung, ein grösseres Exemplar zu fangen.

Unter den nun ungünstigen Verhältnissen bleibt die Selbstversorgung mit Fisch aus und wir sind genötigt, auf die Bordvorräte zurückzugreifen.


Trotz durchwegs lockerer Bewölkung setzt sich die Sonne durch, und zusammen mit dem steifen Wind, der durchs Cockpit bläst, empfinden wir die sommerlichen Temperaturen als angenehm, ja fast kühl.

In den nun bereits tropischen Breiten, können wir täglich hunderte von fliegenden Fischen beobachten. Letzte Nacht hatte einer von ihnen durch den Niedergang fliegend, den Weg in den Salon gefunden, und dabei einen Volltreffer auf Anitas Beine gelandet. Entgegen seiner Kollegen, die zum Teil auf dem Deck der BLUE PEARL ihr Ende finden, war dieser mit dem Leben davon gekommen.



23. November

„Wir queren die Konvergenzzonen und nähern uns dem Equator“


Am Samstagabend dem 23. Nov. trennen uns noch 380 Meilen vom Aequator. Dazwischen liegt mit der Konvergenzzone das Gebiet, wo die Fronten der nördlichen und südlichen Hemisphäre ineinander greifen.

Damit sind die Tage im Passat, die uns täglich dem Ziel Brasilien um etwa 150 Meilen näher gebracht hatten fürs erste gezählt.

Am Donnerstag 02.00 UTC waren wir ca. 220 Meilen vor unserem Ziel, "die Insel Fernando vor Brasilien" unterwegs.

Da wir die Kurzwellen-Sendezeiten von Rio nicht kannten, konnten wir keine Wetterkarten vom Südatlantik per SSB empfangen, und uns auch nicht über die aktuelle Situation informieren.

So sind wir aus der Konvergenzzone, die uns ausser einigen mässigen Wetterfronten keine Probleme bereitete, in den Südatlantik vorgedrungen.

Hier fanden wir einen stabilen Südwind vor, der uns schnell in südwestliche Richtung, zum Aequator brachte, den wir in der Sonntagnacht um 23.30 Uhr querten.




Südatlantik


Mit dem starken Guiana Strom, der grossflächig mit bis 2 Knoten in Richtung Nordwest fliesst, konnten wir unseren Kurs auf Fernando nicht mehr halten und sahen uns heute Morgen gezwungen, mit Motor und Grossegel gegen Wind und Strom anzugehen.

Nicht sehr erfreulich, und auch nicht effizient, da in dieser Situation kaum 4 Knoten Fahrt gemacht werden können.

Dennoch werden wir die Insel Fernando am Samstagmorgen erreichen, und dort zwei bis drei Tage verweilen.

Zurzeit sind wir bald 2000 Meilen schadlos unterwegs, was beim Erwähnen dieser Tatsache bei mir schon fast Staunen auslöst.

Vor einem Jahr ist uns hier im Atlantik der Anlasser hängen geblieben, anschliessend das Ruder des Windpiloten gebrochen, und an Neujahr war der Autopilot ausgefallen.

Das war der Anfang einer grossen Serie von Schäden, deren Ursache auf Zufälle Verschleiss, "Baumängel, da die BLUE PEARL ein Prototyp ist" aber auch auf hohe Beanspruchung aufgrund des Fahrtgebietes, und der zurückgelegten Distanz zurückzuführen sind.

Daraus haben wir viel gelernt, und stellen fest, dass sich die technische Instandhaltung der BLUE PEARL als eine der grössten Herausforderungen in unserem Leben unter Segeln herausgestellt hat.

Aber auch viele andere Erfahrungen kamen nicht zu kurz, so hat uns auch diese Fahrt über den Atlantik grosse Ruhe und Gelassenheit gebracht.




30. November 2002

Insel Fernando de Noronha „Brasilien“


Am Samstagmorgen bei Tagesanbruch näherten wir uns der Insel Fernando.

Ein Schwarm schwarze elegante Seevögel mit langen Schwänzen begleiten uns.

Nach 17 Tagen und 17 Stunden fällt der Anker vor der Insel auf 13 Meter Wassertiefe, und wir sind damit in Brasilien.

Ausser uns liegt die Deutsche Jacht ALK vor Anker.

Nach klarieren der BLUE PEARL setzen wir zu ihr über, und lernen Heidi und Harry kennen, die am Vortag eingetroffen waren.

Ihr Ausgangsort waren die Kap Verden. Unterwegs mussten sie den Ausfall des Autopiloten hinnehmen, und über 1000 Meilen in Schichten von Hand steuern.

Zu allem Übel plagte Harry eine schwere Infektion, die er infolge Mangel an Antibiotika nicht auskurieren konnte.

Da unser Ersatzkompass für den Autopiloten baugleich mit dem defekten Stück war, konnten wir ihnen damit aushelfen.

Eines der kleinen Wunder die immer wieder geschehen, bleibt es ihnen nun doch erspart, die Alk weitere achthundert Meilen von Hand nach Salvador zu steuern.

In Salvador werden wir uns wieder treffen. Dorthin wird ihnen ihr Sohn, der sie an Weihnachten besuchen wird das entsprechende Ersatzteil bringen.





#qs_994 #qs_996 #qs_997 #qs_995


San Salvador 10. Dezember 2002


Am 2. Dezember verliessen wir die Insel Fernando de Noronha in Richtung Salvador. 15 bis 20 Knoten Wind aus Südost brachten uns täglich mit über 150 Meilen unserem Ziel näher.

Schon am späten Freitagabend konnten wir am Horizont das Leuchten der noch ca. vierzig Meilen entfernten Stadt Salvador ausmachen.

Am frühen Samstagmorgen ankerten wir dort im Halbdunkeln des grossen Industriehafenbecken, auf das nebst vereinzelter Hafenlichter auch die Lichter einer sich in Revision befindenden Bohrinsel auf der auch nachts gearbeitet wurde, fielen.

Vorher waren wir einige Meilen auf raumem Kurs in ruhiger Fahrt entlang der imposanten Stadtkulisse geglitten.

Selbst mit geborgenem Gross, machte die BLUE PEARL nur mit der Genua bei fast zwanzig Knoten Wind noch über sieben Knoten Fahrt, und ausser dem Kielwasser war kaum Bewegung im Schiff wahrzunehmen.

In einer breiten Schneise die dem Flugverkehr diente, waren die Bauten nur spärlich beleuchtet. Von den höchsten Gebäuden blitzten weisse Lichter, die der Stadt, die in den ersten Morgenstunden noch kaum Geräusche von sich gab, etwas geisterhaftes anhaften liessen.

Beim ersten Tageslicht verschoben wir uns etwa eine halbe Meile zurück in die Baiha Marina, ein Jachthafen, der nach 1996 gebaut wurde, und auf unserer Karte noch nicht verzeichnet ist.

Bei der Anfahrt konnten wir ihn in der Flut von Lichtern nicht ausmachen, und sind an ihm vorbeigefahren.

Nun bei Tageslicht zeigt der Stadtteil, in den wir vom Hafen her Einsicht haben sein wahres Gesicht.

Weit über die Hälfte der Bauten sind in elendem Zustand, zum grössten Teil noch bewohnt, dem Zerfall preisgegeben.





Die nächsten Tage lernen wir mit Salvador einen Teil Brasiliens kennen, wie wir uns diesen mit seiner Vielfalt und Widersprüchen kaum lebhafter vorstellen konnten.

Tatsächlich sind 20% der Wohnungen in dieser Stadt ohne Strom und Wasseranschluss!

Der durchschnittliche Anteil der schwarzen Bevölkerung in Brasilien beträgt 11%.

Hier in Salvador sind es deren 80%. Die Kriminalität und Arbeitslosigkeit ist entsprechend hoch. Überall ist ersichtlich, dass sich die Ansprüche eines grossen Teils der schwarzen Bevölkerung am Ueberleben orientieren, entsprechend improvisiert bietet sich die Stadt seinen Besuchern.

Sehenswert ist die Altstadt „das Pelourinho. Seit 1992 wurden dort hunderte von Gebäuden aus dem 17.- 19. Jahrhundert mit 30 Millionen $ restauriert, was zum Teil von der Unesco, der Weltbank, und auch von Deutschland mitfinanziert wurde.

1985 wurde dieses Viertel von der Unesco zum „Kulturerbe der Menschheit“ erklärt.

Auf verschiedenen Plätzen weisen festgebaute Bühnen darauf hin, dass hier täglich bis zehn Musik oder Tanzveranstaltungen angeboten werden.

Salvador ist wie viele Städte in Brasilien in eine Ober-und Unterstadt aufgeteilt.

Das kommerziell genutzte Zentrum der Unterstadt ist durch den berühmten „Elvador Lacerde“ einem Turmlift ,1872 erbaut, und 1930/2002 restauriert mit der Oberstadt, „dem Pelourinho verbunden.

In einem Reiseführer konnten wir lesen, dass 90% aller Überfälle und Diebstähle am ersten Tag des Aufenthaltes der Touristen in Salvador anfallen, ebenso wird darauf hingewiesen, dass es hier nur Diebe und Bestohlene eilig haben.

Heidi und Harry von der „SY Alk“ können diese Statistik bestätigen.

Heidi war es gelungen ihre goldene Halskette, die sie vorsorglich gegen ein leichteres Exemplar aus ihrer Schatulle getauscht hatte, am ersten Tag unbehelligt auf das Schiff zurückzubringen.

An zweiten Tag forderte die Statistik ihr Recht. Nachdem zwei Jugendliche sich den beiden von hinten genähert hatten, riss der eine ihr die Kette vom Hals, und beide rannten davon.

Auch Harry rannte, allerdings auf aussichtsloser Position.

Als er unverrichteter Dinge zum Ausgangsort zurückkam waren dort bereits drei Polizeifahrzeuge und entsprechend viele Beamte.

Dank ihrer guten Spanischkenntnisse das die Portugiesisch sprechende Bevölkerung teilweise versteht, konnten sie verhindern, dass sie von der Polizei die sich um ihre Pflicht bemühte, zur Protokollaufnahme auf deren Posten geführt wurden.

Es ist anzunehmen dass ihnen die hier tätigen Diebe, die bei Tag und vor aller Augen arbeiten, bekannt sind, sie aber kein Interesse daran haben können, die Basis ihrer Anstellung trocken zu legen.


In der Bahia Marina wurde der BLUE PEARL vielseitige Aufmerksamkeit entgegengebracht. Auch hier sind ungespritzte Aluminiumjachten selten.

Roberto der Besitzer der BRASIL YACHT CHARTER stellte sich uns vor. Seine

Ahnen waren aus der Schweiz eingewandert, und er sprach fliessend Deutsch. Seine Flotte besteht aus einem Katamaran „LAGOON 410“ sowie einer FIRST 40.7 und einem neuen traditionellen Holzboot, das noch heute stark verbreitet ist, und dessen Tradition dokumentiert unverändert auf das Jahr 1725 zurückreicht.

Das Schiff, das von ihm als Segler für Chartergäste ausgebaut und mit einem YANMAR 56 PS Motor ausgestattet wurde, lässt in seiner Einfachheit und Funktionalität kaum Wünsche offen.

Bei der ersten Besichtigung musste ich annehmen, dass ein Designer der Neuzeit an diesem Projekt Hand angelegt hatte, und Tradition - Funktionalität und heutige Ansprüche zusammengebracht hat.

Weitere Studien der traditionellen Boote dieser Region überzeugten mich, dass die BAHIA SAVEIRO “FLOR DO PASE” gebaut von Maester Tatui bis ins Detail den Booten entsprach wie sie schon seit Jahrhunderten hier in Salvador gebaut werden.

Auf sehr einfache Art sind alle strukturellen und funktionellen Komponenten auf eine „GRAMINHO“ übertragen, eine Holztafel mit allen Daten „Winkeln“ die zum Bau einer bestimmten Grösse dieser Boote benötigt werden.

Von ihnen gibt es 7 verschiedene Typen vom Ein-bis Dreimaster.

Roberto freute sich über mein Interesse, und bot uns an, die FLORA mit ihm zu segeln.

Allerdings waren am nächsten Tag Handwerker damit beschäftigt das Deck neu zu dichten, was infolge der Verwendung von noch nicht zwei Jahre getrocknetem „einheimischem“ Holz nötig wurde.

Da wir von unserem Vorhaben, Weihnachten und Neujahr in Rio de Janeiro zu verbringen nicht ablassen wollten, mussten wir zu unserem allseitigen Bedauern auf diesen Probeschlag verzichten.


In der Folge half uns Roberto mit vielen nützlichen Informationen, dass es möglich wurde in Salvador auch technisch anspruchsvolle Servicearbeiten auszuführen. So liessen wir in einer kleinen mechanischen Werkstätte neue Bolzen für den Traveler anfertigen.

Am Mittwochnachmittag verholten wir zur Tankstelle, füllten die zum Teil leeren Tanks und waren schon bald mit raumem Wind auf dem Weg in das ca. 800 Meilen südlich liegende Rio.

Zu unserem Schrecken mussten wir feststellen, dass der Diesel den wir bunkerten stark verunreinigt war. So zeigte sich dieser durch das Schauglas des Vorfilters in ähnlicher Farbe wie die Kloake des kleinen Hafens. Dazu waren Partikel auszumachen, die eher in eine Suppe, denn in unseren Treibstofftank gehören.

Wir werden den Aufenthalt in Rio mit dazu benutzen, einen zweiten Vorfilter einzubauen, um diesen bei Bedarf schnell umschalten zu können.


Rio

Wie an dieser Küste gewohnt, näherten wir uns unserem Ziel mit durchschnittlich 6 bis 8 Knoten Fahrt.

Mit Bonitos, „Thunfischen“, die sich nun wieder häufiger an dem neu aus Plastik und einem Stück Schotte zusammengebauten Köder vergingen, veredelten wir unseren Speiseplan,

Regelmässig trafen wir vor grossen Orten, mit ca. sechzig Meilen Abstand zur Küste auf Dutzende von Fischerbooten. Die Fischer machten uns zum Teil mit heftigen Gesten auf die Positionen der von ihnen ausgelegten Bojen an denen lange Leinen mit vielen beköderten Angeln trieben, aufmerksam, denen es auszuweichen galt.

Die Fischereimethoden der jeweiligen Küstenabschnitte sind eng mit langjähriger Traditionen verbunden, die sich im Laufe von Generationen gebildet hatten.

So werden von den heimischen Fischern ausschliesslich traditionelle Boote verwendet, deren Vielfalt auf unserer Atlantikreise augensichtlich wurde.

Jeder Bootsbaumeister hatte dabei seine Eigenheiten, die sich jedoch vom Grundtyp einer Region nie wesentlich abhoben.

So zum Beispiel dient in der Region um Salvador der selbe Bootstyp für die Fischerei, den Transport und „in früheren Zeiten“ weltweites Segeln.

Heute werden diese mit entsprechendem Ausbau für den Induvidual- sowie den Massentourismus verwendet.

Dabei ist erstaunlich, dass ein Boot von ca. 45 Fuss Länge und 8 Tonnen Gewicht 14 Tonnen Last, zum Beispiel Sand zu transportieren vermag.

Im Gegensatz zu dieser der Umwelt angepassten Fischerei, trafen wir in Grönland auf viele grosse Fabrikschiffe, die ihren Fang kubikweise fertig verarbeitet und tiefgefroren auf die Hafenmole in Nuuk lieferten.

Tag und Nacht sind dort Leute beschäftigt, deren Ladungen zu löschen.

Nachdem die Fischerei in Kanada als Folge der Überfischung zum Teil ganz zum Erliegen kam, das Fischen vor St. Johns aus diesem Grund für Privatpersonen verboten ist, und in St. Pierre die ganze Fischerflotte auf Befehl der Regierung aufgelöst und veräussert werden musste, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Arktis mit modernen Fangmethoden leergefischt, oder deren Oekosystem langfristig geschädigt sein wird.

Mit der industriellen Fischerei werden viele traditionelle Existenzen zerstört und Fischer in die Arbeitslosigkeit verbannt, und zu Sozialhilfeempfängern degradiert.

Wenn solche Sozialprogramme abgelaufen sind, werden sie vergessen. In ihrer Psyche zerstört, haben sie keine Lobby.

Mit dem Recht des stärkeren pflügt der kapitalistisch gesinnte Mensch den Planeten Erde, um darauf wo es wirtschaftlich ist und es sich rechnen lässt, Monokulturen zu bauen.

Wir sind täglich damit beschäftigt, die Natur zu erobern, und sie uns zu unterwerfen. Dabei werden nicht nur entlang der Küste ganze Völker ihrer traditionellen Basis beraubt. Dort wo die Natur nicht mitspielt, wenden wir uns ab, und hinterlassen Chaos und Verderben.

Wir täuschen uns mit Umweltinstitutionen- und Organisationen, deren Funktion und umgesetztes Kapital oft zu über 75% der eigenen Lobby dient, über diese Tatsachen hinweg, und beruhigen kollektiv mit Millionenspenden unser Gewissen.



Rio de Janeiro – Ilha Grande im Dezember 2002


Am Montagmorgen waren wir bereits auf der Anfahrt von Rio. Die letzte Nacht konnten wir die Stadt durch den weissgelb beleuchteten Horizont bereits auf viele Meilen Entfernung ausmachen.

Die Runden kegelförmigen Berge, die hier der Küste entlang nur einige hundert Meter hoch sind, verdichten sich schon wenige Meilen im Landesinnern zu einem Gebirge, das in dieser Region die Höhe von über 2500 Meter erreicht, was aus unseren Seekarten zu entnehmen ist.

Heute reicht die Sicht jedoch nicht so weit, da tiefhängende Wolken den Blick ins Landesinnere verwehren.

Dennoch weisen die Formen der Berge auf ihren berühmten Bruder hin, den Zuckerhut, den wir nun etwa zehn Meilen vor uns bereits ausmachen können.


Wie vielerorts plagen sich auch die Bewohner von Rio mit ihren eigenen Immissionen, die sich vielseitig bemerkbar machen.

Als wir die BLUE PEARL in der Bucht vor dem Zuckerhut vor Anker setzten, konnten wir die Kette bei ihrem Fall nur drei bis vier Kettenglieder in die Tiefe sehen. Weisse Plastiksäcke die tiefer als zwanzig Zentimeter trieben, entzogen sich unserer Sicht.

Der Geruch des gärenden ungereinigten Abwassers war wie eine Glocke über dem Wasser.

Es muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Bucht von Rio einem Einzugsgebiet von 16 Millionen Bewohnern vorsteht.

Wie wir es schon in Salvador erleben mussten, ist auch Rio de Janeiro unsicher. Schon der Weg durch einen schmalen Park vom Hafen in die Stadt "über zwei Schnellstrassen" musste aus Sicherheitsgründen mit dem Taxi zurückgelegt werden.

Schade; die natürlichen Reize der fantastischen Umgebung in die Rio gebaut ist, gehört mit zu dem schönsten was die Welt zu bieten hat.


Wir haben nach einer Nacht, nachdem unsere Pflichten bei den Behörden erledigt waren, und einem kurzen Besuch an der Copacabana, die Stadt westwärts verlassen.

Hier 60 Meilen westlich von Rio de Janeiro, bei der Ilha Grande, die mit zu einem Naturschutzgebiet gehört, setzten wir uns mitten in der Nacht bei Vollmondlicht vor Anker.


Am Morgen finden wir uns im "Paradies". Sattgrüne Hänge mit Palmen und tropischen Pflanzen bewachsen, wohin das Auge reicht. Zierliche Buchten mit sauberen Sandstränden. Bunte kleine Holzfischerboote und einzelne Wohnbauten, im dichten Grün der Insel kaum auszumachen.

Die Menschen hier scheinen ihre spärliche Habe mit einer kaum vorstellbaren Liebe und Zuwendung zu pflegen.

Fischer und Schiffer, hebt freundlich grüssend die Hand, wenn sie mit ihren bunten Gefährten mit langhubigen alten Dieselmotoren an der weit in der Bucht draussen geankerten BLUE PEARL vorbeituckern.


Allerdings die Wasserqualität lässt auch hier zu wünschen übrig.....

So ist denn kaum irgendwo bessere Sicht als bis zwei Meter!

In der zweiten Bucht wollte ich nach dem Anker tauchen. Dabei hatte ich möglicherweise die Tiefe unterschätzt, (infolge schlechter Sicht musste bis auf den Grund getaucht werden) und den Druck nicht genügend ausgeglichen, es könnte aber auch an der schlechten Wasserqualität gelegen haben.

Das Ergebnis, mich plagt eine Ohrenentzündung, an der auszukurieren ich nun bin.

Am nächsten Nachmittag hatte ich eine Darmgrippe. Ich spürte wie sich der Virus schubartig den Weg durch meine Gedärme suchte..

Am folgenden Morgen war es ausgestanden, aber ich war völlig kaputt.

Die Konsequenz, ich werde nicht mehr ins Wasser steigen, bevor eine vernünftige Sichtweite mir die Gewähr gibt dass ich es schadlos tun kann.

Die vielen hundert Gäste, die täglich zum baden mit Holzbooten zur Insel gefahren werden, müssen Rossnaturen haben!

Sicher ist das Geschäft im Vordergrund, ich glaube kaum, dass die Wasserqualität einer vernünftigen Bewertung standhalten, und die Region zum Baden freigegeben werden dürfte.

Man bedenke dass die „Agglomeration Rio“ über zehn Millionen Bewohner zählt. (Stand 1996) Das erklärt vieles.

Diese Situation ist auch Grund, dass wir uns Südwestwärts von der Region Rio absetzen werden und hoffen, dort in weniger dicht besiedeltem Gebiet auf „sauberes“ Wasser zu stossen.

Vorgesehen ist „neu“ der Küste entlang bis Florianopolis zu segeln, und von dort in den ersten Januartagen zu den Falklandinseln aufzubrechen.

Am Vorabend vor Weihnachten kehrten wir zurück nach Angra Dos Reis, nachdem wir uns gestern Nachmittag von dort zur Insel abgesetzt hatten.

In der Stadt kauften wir uns eine komplette zweite Dieselvorfilteranlage und etliche Filter, da die in Salvador gebunkerte Dieselqualität mehr als fragwürdig war.

Nach Einbau der Anlage wird es möglich sein, bei Bedarf auf die zweite Filteranlage umzuschalten, so dass der Motor weiter mit Diesel versorgt bleibt, und eine diesbezügliche Panne vermieden werden kann.

Am 28. Dezember hatten wir auf dem Weg in den Süden bereits wieder einige schöne Ankerbuchten hinter uns.

Die Wasserqualität hat sich wie erwartet mit zunehmendem Abstand auf Rio verbessert, ausgenommen vor dicht besiedeltem Gebiet.

Touristenorte wie Ubatuba, in dessen grossen Bucht wir einen Tag verbracht hatten, weisen zu unserer Überraschung kaum auf Kriminalität hin. Die vielen Besucher verhielten sich völlig ungezwungen, es waren nur wenige Gesetzeshüter auszumachen.


Am frühen Nachmittag des 27. Dezember ankerten wir auf vor Ubatuba und waren unterwegs zur Insel „Sao Sebastiao“. Infolge eines schwachen Tiefs war der Wind von 8 Knoten nicht mit uns.

(Im Südatlantik dreht ja der Wind in „Gegenrichtung“ entgegen der uns gewohnten Richtung, im Norden des Aequators.)

Schon zwei Stunden später ankerten wir in der tiefen, windgeschützten Bucht „Praia Las Palmas“ vor der Insel „Ilha Anchieta“

Die Bucht barg ursprünglich ein Gefängnis, dessen Ruinen in mehr oder weniger gutem Zustand und von tropischen Pflanzen überwachsen, zu besichtigen sind.

Am Abend setzten wir zum Festland über, wo wir die Nacht vor einem Jachtclub verbrachten, jedoch auf einen Landgang verzichteten.

Am Samstag Nachmittag erreichten wir Sao Sebastiao, wo wir ausserhalb des Bojenfeldes eines Clubs die BLUE PEARL ankerten.

Wir besuchten das ausschliesslich auf Tourismus ausgerichtete Städtchen Pereque.

Am Abend nahm der Wind zu, und da uns wenig Schwojraum zu den Bojenliegern blieb, entschlossen wir uns mitten in der Nacht, den Ankerplatz zu wechseln.

Da sich in unmittelbarer Nähe keine geeignete Alternative bot, verliessen wir den Kanal in südwestliche Richtung.

In der Samstagnacht war viel Berufs-und Privatverkehr unterwegs, deshalb erforderte es unsere ganze Aufmerksamkeit, die Bewegungen der anderen Schiffe anhand ihrer Lichter zu beobachten, und deren Absicht wahrzunehmen.

In den ersten Morgenstunden ankerten wir ausserhalb des Kanals in einer Bucht vor den Festland, und genossen die Zeit bis zum Morgen in tiefem Schlaf.


30. Dezember2002

Sao Franzisco


Am Montag dem 30. Dezember waren wir unterwegs Sao Sebastiao nach Florianopolis. Gegen Abend überdachten wir unser Vorhaben, da der mässige Wind ein flottes Vorankommen nicht gewährleistete.

So setzten wir Kurs auf das uns näherliegende Sao Francisco, auch in Sao Francisco können wir für Brasilien ausklarieren, und die Anfahrt im Innern der Bucht ist um viele Meilen kürzer, als dies in Florianopolis der Fall wäre.

Beim ersten Tageslicht erreichten wir die Einfahrt in die grosse Bucht, die auch dem grössten Naturhafen von Südbrasilien Schutz bietet.

Um 8 Uhr fiel der Anker vor der Stadt, deren Agglomoration an die 16000 Einwohner zählt, und wo wir inzwischen den Jahreswechsel verbracht hatten.

Nach kurzem Schlaf machten wir uns noch am Vormittag auf die Suche nach den Instanzen, um uns und die BLUE PEARL in Brasilien auszuklarieren.

Als erstes verschlug es uns in das Büro von „Litoral Global Trade „ eine Firma die für das Disponieren der Frachtladungen zuständig ist.

Obwohl die Belegschaft dabei war, ihr Arbeitsjahr zu beenden, reichte die Zeit, um mit Caco und seinen Arbeitskollegen Freundschaft zu schliessen.

Da diese an der Front arbeiten gehören einige unten ihnen zu den wenigen Leuten an der Küste Brasiliens, die englisch sprechen.

In der letzten Stunde des alten Arbeitjahres, gehörten wir, die Crew der BLUE PEARL wohl zu deren Hightlights von 2002.

Die Ausklarierung erfolgte dann über einen Geschäftsfreund von Caco, einem Broker, dessen Dienste auch von Litoral in Anspruch genommen werden.

Das erste Mal, dass wir uns diesen Luxus leisten....wir sind gespannt auf die zu entrichtenden Gebühren, die morgen fällig werden!

Fürs Erste aber genossen wir den Silvesterabend, der nach einem längeren Regenschauer mit einem Feuerwerk gebührend gewürdigt wurde.

Das Spektakel bot uns Gelegenheit, eine im Datum verfallene „Rote“ abzuschiessen, deren Handhabung einer HG gleichkommt, mit dem Unterschied, dass man sie in der Hand behält.

Danach bot eine Musikgruppe am Kai des historischen Stadtteils zum Anlass des 500 jährigen Bestehens der Stadt ihre Darbietung.

Wir entschlossen uns, auch diesen Teil der Festaktivitäten vom Schiff aus zu verfolgen.

Am ersten Januar waren wir schon rechtzeitig unterwegs, um die nahe Umgebung der Stadt zu erkunden.

Ü ber die Festtage hatten wir uns allen üblichen Ausschweifungen enthalten, und wir fühlten uns wohl, wie noch selten am ersten Tag des Jahres.

Im historischen Stadtviertel wo täglich viele Touristen durch die Strassen und Gassen flanieren war am diesem Vormittag noch kaum jemand anzutreffen.

Wir waren erstaunt, als wir in einem entfernteren Stadtteil einen geöffneten Supermarkt vorfanden.

In Kürze hatten wir die Einkäufe für die nächsten Wochen getätigt, und liessen uns mitsamt allem Erstandenen per Taxi zurück zum Steg bringen.

Zwei Tage später war es dann soweit.

Ricardo der uns alle Formalitäten zum ausklarieren erledigte, wies darauf hin, dass wir auf den Falkands mit Herkunftsland Brasilien ohne Gelbfieber Impfung Schwierigkeiten kriegen, oder abgewiesen werden könnten.

Schon kurz darauf fuhr er uns nach vorheriger Anmeldung zu einer Sanitätsstation, wo uns kostenlos die Impfung verpasst wurde. Danach fuhren wir ins Büro der Customs, die ihren Betrieb nach den Festtagen wieder aufgenommen hatten. Gegen Abend des 3. Januar waren wir bereit zum Ankerlichten.

Noch nie hatte das Erledigen der Ausklarierungsformalitäten so viel Zeit in Anspruch genommen, obschon uns mit Ricardo eine kompetente und professionelle Hilfe zur Seite stand.

Nicht zu vergleichen mit Grönland, wo mit dem Stempel im Pass die Ein- und Ausklarierungsformalitäten erledigt waren.

Mit den verschiedenen Besuchen hatten wir Ricardo besser kennengelernt.

Mit viel Übergewicht hatte er vor Jahren zum Bikesport gefunden, und in der Zwischenzeit an vielen Race bereits Podestplätze errungen.

Seit vielen Jahren betreibt er zusammen mit seiner Frau Erica sein Multiservice- Büro. Parallel dazu waren sie fünf Jahre an der Universität.

Heute besitzen sie nebst der Stadtwohnung ein Sommerhaus an der Atlantikküste.

Die Inselbewohner kennen keine Arbeitslosigkeit. Eine französische Firma, die grosse Summen in eine Fabrik für die Anfertigung von Autoteilen investierte, musste die ganze Belegschaft am Festland rekrutieren.


Nun; am Freitagabend lichteten wir den Anker und machten Fahrt in Richtung Atlantik. Mit zunehmender Dunkelheit entfernten wir uns von der Küste, mit Kurs auf die Falkands.




14. August 2002 17. August 2002 31.August 2002 05. September 2002 25. Oktober 2002 30. Oktober 2002 06. November 2002 18. November 2002 23, November 2002 30. November 2002 10. Dezember 2002 17. Dezember 2002 30. Dezember 2002

Diskofjord „Nipisat“

Asiaat

Wetterküche Nordatlantik

Horta

Horta ab 30. Oktober 2002

verspäteter Aufbruch in den Süden

Trip nach Sao Jorge & Sturmfahrt „Rund Faial“

Kurs Südost nach Gran Canaria

Dienstag 18. November „segeln im Passat“

„Wir queren die Konvergenzzonen und nähern uns dem Aequator“


Insel Fernando de Noronha „Brasilien“

San Salvador

Rio de Janeiro – Ile Grande im Dezember 2002

Sao Franzisco

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25. OKtober 2002

Trip nach Sao Jorge & Sturmfahrt „Rund Faial“


Kaum motiviert auch nur eine Zeile bezüglich unseres Aufenthalts in Horta zu Papier zu bringen, versuche ich nun etwas über unseren Trip nach Sao Jorge, zu dem unverhofft auch noch bei nächtlicher Sturmfahrt „Rund Faial“ zu verzeichnen war, wiederzugeben.

Da am Freitag dem 25. Oktober die längst überfällige Post nicht in Horta eingetroffen war, wir aber bereits Wasser und Diesel gebunkert hatten, und an der Aussenmole zum Ablegen bereit lagen, entschlossen wir uns zu einem Kurztrip zur Insel Sao Jorge.

Nebst Horta auf Faial bietet Porto das Velas auf Sao Jorge im weiteren Umkreis die einzige Anker und Liegemöglichkeit.

Die Bucht vor Porto das Velas ist nach Südosten offen, und bietet vor Wetter und Schwell aus dieser Richtung keinen Schutz. Trotz langfristig schlechter Prognosen wollten wir es wagen, denn es sind nur 20 Meilen zurück in den Schutz des Hafens von Horta.

Am Samstag morgen um 10.45 legten wir ab, und da nur moderater Wind aufkam und wir unsere Batterien laden wollten, legten wir die Strecke unter Motor zurück. Im Heck schleppten wir an einer fünfzig Meter Leine einen Plastikköder. Schon nach kurzer Zeit hatten wir einen Fisch im Schlepp, der jedoch aus eigener Kraft wieder freikam. Etwas später war die Rückenflosse eines Hais zu sehen, der hinter dem Köder kreuzte, aber offensichtlich der weiteren Versuchung wiederstehen konnte.

Wäre in diesem Falle ein gefangener Fisch an der Leine, würde dieser unverzüglich vom Hai gefressen.

Dabei erinnerte ich mich an Clive & Laila, die beiden Engländer die wir in Grönland, und später auf Faial in Horta getroffen hatten.

Um ihre Reisekasse zu füllen, skipperten sie einige Saisons ein 20 Meter Charteryacht.

Die Frau eines Gastes, die sich vor Haien fürchtete, hatte nur am Törn teilgenommen, weil ihr versichert wurde, dass das Törnrevier absolut frei von Haien sei.

Als sie nun die Leine mit einem Fischkopf ohne Rumpf einholten, und die Frau sich darüber wunderte, sagte Clive, ja so kommen sie halt manchmal. Die Frau war mit dieser Erklärung zufrieden, und der Törn konnte ohne weitere Komplikationen durchgeführt werden.


Sao Jorge hatte in der Folge nicht viel zu bieten. Alle Schiffe waren für die bevorstehende Saison mit schweren Herbst- und Winterstürmen bereits an Land gebracht worden.

Das ganze Bojenfeld lag frei vor uns, so dass wir die nächstbeste Muringleine einholten, und daran festmachten.

Von Touristen nicht verwöhnt, sprach in Sao Jorge kaum jemand Englisch. Das Einklarieren bei der Polizei war entsprechend mühsam, vergleichbar mit der früheren Fernsehsendung „was oder wer bin ich“.

In der Nacht nahm der Schwell zu, und am Sonntag morgen drehte auch der Wind nach Süd – Südost. Umgehend verlegten wir die BLUE PEARL an die Mole, und nachdem wir uns bei der Behörde abgemeldet hatten, legten wir um 10.30 ab in Richtung Horta.

Nachdem schon über eine Stunde schwere Schauerregen über uns nieder gingen, nahm ausserhalb der Landabdeckung der Wind nun ständig zu.

Als wir uns Horta näherten waren es bereits 35 Knoten, und in der Düse zwischen den Inseln Pico und Faial etwa zehn Knoten mehr.

Trotz aller Bemühung, uns hart am Wind in den Schutz des Hafens von Horta zurückzukämpfen, kamen wir der Hafeneinfahrt nie näher als fünf Meilen, und drifteten in das Lee der Insel. Hier war weniger Seegang, dafür hatten wir im Bereich der hohen Steilwände mit gewaltigen Fallböen zu kämpfen.

Im Laufe des Nachmittags querten wir die Insel nördlich in deren Lee, und gegen Abend erreichten wir wieder freies Wasser.

Sofort nahm die Wellenhöhe zu und der Wind stabilisierte sich bei 35 - 40 Knoten.

Anschliessend machten wir einen grossen Schlag nach Westen, und gegen Montagmorgen entlang der Südküste von Faial zurück nach Horta.

Gegen 03.30 Uhr erreichten wir die Durchfahrt zwischen Faial und Pico.

Schon auf weite Distanz spürten wir die Düsenwirkung, verstärkt durch den an Steuerbord liegenden 2363 Meter hohen Vulkan Pico.

Bereits in der Anfahrt hatten wir das letzte Stück Grossegel geborgen, und wurden nun von riesigen Wellenkämmen und räumlichem Wind mit bis fünfzig Knoten in die Passage geschoben.

Die von Achtern eindringenden Fluten hoben das Heck der Yacht und brachten sie mit nur wenig ausgerolltem Kuttersegel auf über Rumpfgeschwindigkeit.

Die anstürmenden Wellen entwickelten riesige Kräfte die drohten, das Heck der BLUE PEARL aus dem Kurs zu werfen, dabei wurde starker Ruderdruck spürbar.

Die Wellen die das Schiff unterquert hatten, bauten sich vor uns auf. So dass die Lichter von Horta, an denen ich mich beim Steuern orientierte zwischenzeitlich verdeckt wurden. Neben uns barsten brechende Wellenkämme, und grosse Schaumteppiche blieben zurück. Immer neue Wellenkämme schoben heran, und trotz deren chaotischen Gebaren spürten wir den vertrauten Rhythmus der auch schwerem Wetter zugrunde liegt.

Einzelne Böen erreichten bis 60 Knoten, dennoch genoss ich die Situation die meine Sinne bis ins Tiefste aufwühlte, und etliches an Adrenalin freisetzte.

Langsam erreichten wir das Lee des Mt. De Guia, ein vorgelagerter kegelförmiger Berg, der mit 143 Meter Höhe dem Hafen von Horta Schutz vor Südwind bietet. Dessen Fallwinde rissen die Kämme von den kurzen Wellen im Lee, so dass ständig ein Vorhang aus Spray, „beleuchtet von den Scheinwerfern des grossen Container Lagerplatzes“ zwischen uns und dessen hohen Mole sichtbar war.

Um vier Uhr erreichen wir die Lichter der Einfahrt in das grosse Hafenbecken.

Motor starten – Kutter einrollen, der Motor heulte auf, aber der Gang liess sich nicht einlegen. Trotz der mässigen Wellenhöhe im Aussenhafen verzeichneten wir Böen mit über vierzig Knoten, die uns schnell aus der Abdeckung trieben. In Gedanken schwebte mir vor, dass wir ohne Motor die Position nicht halten konnten, und unweigerlich zu einem zweiten „rund Faial“ gezwungen würden.

Etliche Schläge mit dem Handballen auf das Gehäuse, und mehrere Versuche führten dazu, dass sich der Gang einlegen liess.

Nach einer Ewigkeit wie es mir vorkam, erreichten wir unter Motor wieder die Einfahrt, und als beim Anlegen an die Aussenmole des Jachthafens die Schaltung endgültig versagte, setzten wir die BLUE PEARL vor Anker, um fürs erste eine Pause, und Zeit zum Ueberlegen zu gewinnen.

Einen halben Tag später liegt der Hafen fast schon friedlich unter der sich aufreissenden Wolkendecke.

Keine Anzeichen liessen vermuten, dass wir uns noch vor wenigen Stunden unter schwersten Bedingungen nach Horta zurückgekämpft hatten.

Damit noch nicht genug, angelten wir mit dem Anker eine schwere Mooringkette, die nur mit Tauchen klariert werden konnte.

Auf Gran Canaria werden wir eine neue Schaltung von Lewmar übernehmen können. Die gestörte Funktion der bestehenden Schaltung war uns bereits bekannt.

Dass es gerade in dieser kritischen Situation zum Ganzausfall kam, war nicht zu erwarten.


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